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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Indischer Ocean
die Osttüste Afrikas von dem Vorgebirge Guardasui
bis zu seiner Südspitze sowie der 20. östl. Meridian
bis zum südl. Polarkreise; gegen S. der Polarkreis.
Seine östl. Grenze stellt sich als durch die Westküste
von Hinterindien, die Insel Sumatra und eine von
der Südwestspitze der Insel Java längs der West-
küste von Australien gezogene, bis zum südl. Polar-
kreise verlängerte Linie gebildet dar. Innerhalb dieser
Grenzen umfaßt er eine Fläche von 74 011717 ^m
<73 325872 nach Rottok), die, fast ganz innerhalb
der südlichen gemäßigten und heißen Zone der östl.
Kalokugel gelegen, sich nur mit seinem nordwestlich-
sten Teile über den Wendekreis des Krebses, bis gegen
30" nördl.Vr., in die nördliche gemäßigte Zone hinein
erstreckt. Charakteristisch für dieVodengestaltdes
I. O. ist seine große Tiefe (4000-5000m) ostwärts
vom 90.° östl. Ü. sowie deren rasches Ansteigen nach
dem austral. Festlande zu. Krümmet nennt diese Tiefe
die "australindische". Sie folgt der füdaustral. Bucht
bis zum 140.° östl. L. Westwärts und südwärts
liegen Tiefen von 3000 bis 4000 ni. Südwärts vom
40." südl. Br. erhebt sich der Boden bis auf 2000
und 1000 m Tiefen. Hier liegen die Rücken der
Prinz-Eduard-, Crozet- und Kerguelen-Infeln.
Große, einzeln liegende Tiefen von über 5000 in
findet man in 26° 23' südl. Vr. und 55° 25' östl.L.,
in 38° 9' südl. Br. und 67° 9' östl. L. sowie süd-
östlich von Ceylon. Die größte Tiefe wurde gefunden
in 11° 22' füdl. Br. und 116° 50' östl. L. zu 6205 m.
Die mittlere Tiefe des I. O. beträgt 3600 m. Der
südl. Wendekreis teilt den I. O. in eine nördl. und
südl. Hälfte. Haupt teile sind der Meerbusen von
Aden, aus dem die Straße Bab el-Mandeb in das
Note Meer führt, das durch den Sueskanal mit dem
Mittelländischen Meere in Verbindung steht; der
durch die Straße von Ormus mit dem Golf von
Persien verbundene Golf von Oman; der Golf von
Cambay zwifchen der Halbinsel Gudschrat und der
Nordwestküste von Vorderindien; der sich nordöstlich
zu der Palkstraße verengernde Golf von Manar,
zwischen der Südspitze von Vorderindien und Cey-
lon, sowie der Meerbusen von Vengalen zwifchen
Vorder- und Hinterindien.
Der I. O. ist nicht reich an Inseln. Die meisten
liegen in der Nähe des ihn begrenzenden Festlandes.
Hierzu gehören Madagaskar, die Mastarenen,
Mauritius, Munion und Rodriguez; weiter nörd-
lich die Gruppe der Amiranten und Seychellen und
noch weiter östlich der Tschagos-Archipel, nördlich
von diesen die Malediven und Lakkadiven; östlich
von der Nordostspitze Afrikas die Imel Sokotra; an
der Südspitze von Vorderindien Ceylon und westlich
von Hinterindien die Gruppen der Andamanen und
der Nitobaren; die südwestlich von Java gelegenen
Kotos- oder Keelinginseln, sowie noch weiter gegen
Süden Neu-Amsterdam, St. Paul, Kerguelen und
die Crozet- und Prinz-Eduard-Inseln. Die H aupt-
zuflüfse des I. O. sind von Afrika der Limpopo
und Sambesi, von Asien die vereinigten Euphrat und
Tigris, der Indus, die Narbada, der Tapti, die
Kistna oder Krischna, der Godawari, der Mahanadi,
der Ganges und Brahmaputra, der Irawadi und
der Salue'n. Man kann 5 Hauptwindgebiete
unterscheiden, südwärts vom 35.° südl. Br. herr-
schen das ganze Jahr hindurch srische West- und
Norstwestwinde. Zwischen dem 35. und 25.° südl. Vr.
wehen veränderlicke Winde und die Mallungen (s.d.)
des Südostpassats. Zwischen 25 und 10° südl. Vr.
liegt das Gebiet des stetigen Südostpassats. Vom
10.° südl.Br. bis zum Äquator findet man die äqua-
toriale Zone der Passatmallungen, sowie veränder-
liche Winde und Kalmen. Nordwärts vom Äquator
liegt das Gebiet der Südwest- und Nordostmonsune
(s. Monsune). Cyklone kommen vor in den Mo-
naten November bis Mai bei Mauritius; sie ent-
stehen etwa in 80° östl. L. und 15" südl. Vr. Der
Scheitel ihrer Bahn liegt gewöhnlich in der Nähe
der Insel Mauritius; dann kurvt die Bahn bis un-
gefähr nach den Infeln St. Paul und Neu-Amsterdam
hin, wo sie endet. Diefe Orkane richten bisweilen
ungeheure Verwüstungen an. Bei dem Orkan
29. April 1892 kamen auf Mauritius 1500 Men-
fchen ums Leben, 3000 wurden verletzt, 25000
wurden obdachlos. Das Barometer fiel hierbei in
6 Stunden 41 inm; die größte, von Meldrum be-
obachtete Windstärke betrug 54 m in der Sekunde.
Zu derselben Zeit kommen südwestwärts laufende
Orkane an der Nordwestküste Australiens vor.
Meldrum hat nachgewiesen, daß die Mauritius-
Orkane um so häufiger sind, je mehr Flecken aus
der Sonne sichtbar sind (elfjährige Periode). Im
April und Mai haben die aus den ind. Reishäfen
rückkehrenden deutschen Segler auch schon heftige
Stürme in 10° füdl. Br. zwischen 75 und 90° östl. L.
durchgemacht. Im Golf von Bengalen treten na-
mentlich während der Monate Juni bis November
Cyklone auf. Für die Schiffahrt besonders gefährlich,
lveil sehr selten und überraschend auftretend, sind
die Juni-Orkane mit westwärts gerichteter Bahn im
Golf von Aden; einem solchen fiel 1885 die deutsche
Korvette Augusta und mehrere andere Dampfer zum
Opfer. Beim Kap der Guten Hoffnung trifft man
besonders im April sehr heftige, ostwärts laufende
Cyklone. Im Gebiet der Westwinde sind ostwärts
verlaufende Cyklone in den Monaten Juli bis Sep-
tember beobachtet worden. Überhaupt ist der I. O. im
Vergleich zu den andern Weltmeeren an frischen und
stürmischen Winden besonders reich. Der Regen-
reichtum des südlichen I. O. steht offenbar im
Zusammenhange mit diefen Witterungsoerhäll-
nisfen. Die Wärmeverhältnisse des I. O. sind
noch wenig bekannt; vom Antarktischen Meer her
dringt kaltes Wasser langsam nach N. vor. Auf dem
80.° östl. L. liegt die -^ 20°-Oberflächen-Isotherme
im Februar aus 34° füdl. Vr., im August dagegen
aus 24° südl. Vr. Die bedeutendsten Unterschiede
Mischen Wasser- und Lufttemperatur zeigen sich an
der Südspitze Afrikas, über dem Agulhasstrom ist
dort die Luft bis 2" kühler als das Wasser. An
Meeresströmungen besitzt der I. O. wie der
Atlantische eine westliche Aquatorialströmung, die
in 100" östl. L. beginnt, zwischen 3 und 23° südl. Br.
sich ausdehnt, 12 - 60 Seemeilen Geschwindigkeit
in einem Etmal (-- 24 Stunden) hat und sich an der
Nordostspitze Madagaskars in die Madagaskarströ-
mung (längs der Ostküste von Madagaskar) und in
den Mozambiquestrom spaltet. Der Mozambique-
strom läuft mit 30-48 Seemeilen im Etmal durch
die gleichnamige Straße. An der afrik. Südküste
wird seine Fortsetzung, die 24-96 Seemeilen Ge-
schwindigkeit erreicht, der Agulhasstrom genannt.
Der Agulhasstrom erreicht die Länge des Kaps
der Guten Hoffnung und wendet sich auf etwa 38°
südl. Br. südostwärts, etwa bis zu den Kerguelen-
inseln hin. Die Madagaskarströmung läuft süd-
wärts bis zum 35.° südl. Br. und dreht dann all-
mählich ostwärts. Parallel mit der Aquatorialströ-
mung geht der Aquatorialgegenstrom. Im N. wech-