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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Influieren - Informativprozeß
Bringt man einer jener Papierspitzen, z. B. jener
bei 8, ein geriebenes, mithin negativ elektrisches
Stück Hartgummi O nahe, so wird die Papier-
belegung mit negativer Elektricität geladen. Diese
negative Elektricität wirkt durch die Glasscheibe 15
verteilend auf den Saugkamm 3, die positive Elek-
tricität wird angezogen und strömt auf die gegen-
über liegenden Stellen der Glasscheibe L über, von
wo sie die Papierbelegung ru 8 derart instuenzicrt,
daß ihre negative Elektricität verstärkt wird, indem
ihre abgestoßene positive Elektricität aus der Pa-
pierspitze auf die ihr zugewendete Seite der Glas-
scheibe überströmt. Im Dunkeln kann man die Licht-
büschel dieser aus den Spitzen nach den Gegen-
stellen der Glasscheibe L strömenden positiven Elek-
tricität sehen. Auch die elektroskopische Untersuchung
zeigt dasselbe. Da sich zu Anfang des Versuchs die
beiden Konduktoren k und ^ der Maschine berühren
müssen, so wird die instuenzierte negative Elektrici-
tät bis an die Spitzen des zweiten Saugkammes 3^
abgestoßen. Hier erfolgt nun der entgegengesetzte
elektrische Prozeh, wodurch die Papierbelegung n^ 3^
positive Elektricität, die rotierbare Scheibe 1^ an
den Gegenstellen der beiden Seiten negative Elek-
tricität erhalten, was man an den Lichtpünktchen
dieser Stellen der Glasscheibe 15 erkennt. Wenn
man jetzt die Scheibe L in der Richtung gegen die
Spitzen der Papierbelegungen um die Achse () in
Notation verfetzt, so wiederholt sich vor jeder Be-
legung der oben befprochene elektrische Prozeß der-
art, daß die untere halbe Scheibe, die vor der
negativ-elektrischen Belegung vorbeigekommen ist,
einen halben Kreisring von der Breite der Saug-
kämme hat, der auf beiden Seiten positiv elektrisch
ist, während die obere halbe Scheibe, die bei der
positiven Belegung vorübergedreht wurde, auf
beiden Seiten negative Elektricität besitzt. Ber
fernerer Notation der Scheibe kommt bei der Spitze
der negativen Belegung mg der negativ elektrische
Halbring der Glasscheibe vorüber. Die Spitze der
negativ-elektrischen Belegung m8 strömt positive
Elektricität gegen den negativ-elektrischen Ning
aus und neutralisiert ihn, wodurch die Stärke der
negativen Elektricität an der Belegung iu 8 gestei-
gert wird. Das Entgegengesetzte geschieht bei
der positiven Belegung m^. Infolge diefes sich
wiederholenden Vorgangs steigert sich das Poten-
tial der entgegengesetzten Elektricitäten auf den
Belegungen und auf der sehr schnell rotierenden
Scheibe derart, daß schon nach einigen Umläufen
der Glasscheibe die Konduktoren k und ^ ziemlich
weit voneinander entfernt werden können, wobei
an der Unterbrechungsstelle reichlich elektrische Ent-
ladungen auftreten, indem sich die negative Elek-
tricität von k mit der positiven von ^ vereinigt.
Hat man jedoch die beiden Konduktoren zu weit
voneinander entfernt, so strömen ihre Elektricitäten
auf die rotierende Scheibe über, und es kann eine
Neutralisierung der Elektricitäten auf der Scheibe
und in den Belegungen erfolgen, sodaß das Spiel
der Maschine aufhört. Fig. 4 giebt die äußere An-
sicht der ganzen Maschine.
Durch Einschaltung eines Kondensationsappa-
rats (s. Leidener Flasche), kondensierender Nöhren,
Leidener Flaschen u. s. w. läßt sich die plötzlich ent-
ladene Menge der Pole dieser Maschine sehr bedeu-
tend erhöhen. Weil bei derI. die rotierende Scheibe
wie der Kucken des Elektrophors, die Saugkämme
wie dessen Decke! wirken, so hat man diese Maschi-
Brockhaus' Konversations-Lexilon. 14. Aufl. IX.
nen auch Elektrophormaschinen genannt. Da
bei der I. auf der rotierenden Scheibe unweit von-
einander entgegengesetzte Elettricitäten von hoher
Dichtigkeit vorhanden sind, ferner an der festen
Scheibe^ die elektrifchen Belegungen und die Pole
der Maschine wohl-isoliert voneinander sein muffen.
Fig. 4.
so vermehrt man durch Trocknung der Glasscheiben
und der Isolierstücke die Leistung der Maschine; es
dient hierzu die Bestrahlung mittels einer Petro-
leumflamme u. dgl. m. Auch das erwähnte Besir-
nissen der Glasscheiben erfolgt, um sie gegen die
leitende Feuchtigkeit unempfindlicher zu machen,
indem die Harze des Firnisses weniger hygrosko-
pisch sind als das Glas. Um Unregelmäßigkeiten
der Entladung bei zu weitem Auseinanderziehcn
der Konduktoren k und ^ zu vermeiden, bringt
man in passender Weise Nebenkonduktoren an. Fer-
ner werden zuweilen die I. mit mehr als zwei Aus-
schnitten und zugehörigen Belegungen versehen;
man sagt dann, sie besitzen mehr als zwei Ele-
mente. Die I. kommen in mannigfachen Varia-
tionen von Vennet, Nicholfon, Varley, W. Thom-
son, Bertsch u. a. m. vor; sie dienen zu allen Ver-
suchen nut hochgespannter Elektricität und auch
um die schönen elektrischen Lichterscheinungen in den
Geihlerschen Nöhren zu zeigen.
Alle I. können als rotierende Duplikatoren, oder
allgemeiner als Multiplikatoren angesehen werden.
Durch dieselben ist das Experimentieren mit hoch-
gespannter Elektricität, das, solange man nur Nei-
bungsmaschinen hatte, fchr mühsam war, sehr be-
quem geworden.
Influieren slat.), Einfluß üben, einwirken.
In tolio (lat.), in Folioformat, s. I^oliu.
In toiis (lat.), in Bausch und Vogen. -
In torniÄ., f. ^oi-ma..
Information (lat.), Unterricht, Anweisung,
Auskunft. I. oder Gutsbeschreibung in der
Landwirtschaft, s. Ertragsanschlag.
Informationsurteil, s. I^ponänm.
Insormattvprozeß (lat. ^rocoLLug wloi-mg,-
tivus), das Verfahren, welches im Auftrag der röm.
Kurie bei Verleihung eines Bistums oder einer Kon-
sistorialabtei (d. h. einer solchen, deren Besetzung dem
Papste reserviert ist) vorgenommen wird, um die
Tauglichkeit des Amtskandidaten und dieOrdnungs-
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