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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Inka
seine eigenen Felder zu bebauen, doch fand auch hier gegenseitige Hilfeleistung statt. Den Beschluß machte das Land des I. und des Curaca, deren Bestellung wieder in gemeinschaftlicher Fronarbeit geschah. Man baute Mais, Kartoffeln, Quinoa, Bananen, Baumwolle, Agave, Tabak, Coca, und die Felder waren sorgsam in Terrassen ausgelegt. In gleicher Weise wie die Felder waren auch die Neiden, die Jagdgründe und die Herden in drei Teile geteilt, von denen zwei (Capak-Llama) für Regierungs- und religiöse Zwecke, der dritte und kleinere Teil (Huacha-Llama) für die Bevölkerung reserviert wurde. Das Scheren der Capak-Llama und die Verarbeitung der Wolle zu seinen Kleidern fiel ebenfalls den zu Frondiensten verpflichteten Altersklassen in Gemeinschaft zu. Dieselben mußten außerdem Kriegsdienste leisten, öffentliche Bauten -einschließlich der Wege und Brücken errichten und in Stand halten, Waffen anfertigen, Erze graben und schmelzen und die Metalle verarbeiten. Die Tributartikel wurden entweder in die Magazine der Distrikte oder in die Vorratskammern von Cuzco durch die Tributpflichtigen abgeliefert. Für Regierungs- und religiöse Zwecke wurde außerdem noch als besonderer Tribut eine Anzahl Mädchen eingefordert (Acllak-cuna, "die Abgeschlossenen"), die in den Acllak-Huasi (Nonnenhäusern) in der Anfertigung von feinen Kleidern für Fürsten und Priester unterrichtet wurden, zu den Festen der Götter das Maisbier (Chicha) brauen mußten und sonst teils zu Diensten für den Tempel oder den Capak Inka oder zu den, allerdings seltenen Menschenopfern verwendet wurden. Über die Ordnung der Fronen und die richtige Einlieferung der Tribute wachte ein besonderer Beamter (Tocricuk), der von dem I. für die verschiedenen Distrikte ernannt wurde. In Botmäßigkeit wurden die verschiedenen Teile des Landes durch die Kriegsfurcht erhalten, und zum Teil auch durch Versetzung von Teilen der Bevölkerung in andere Gegenden, die Einrichtung der sog. Mitimak, die, ihren einheimischen Häuptlingen entzogen und unter Aufsicht eines vom Capak Inka ernannten Curaca gestellt, gewissermaßen als Militärkolonien fungierten. Für die leichte Beweglichkeit der Truppen aber sorgten zwei große Heerstraßen, von denen die eine auf dem Hochlande, die andere längs der Küste das ganze Gebiet von Norden nach Süden durchzogen und die, wenn auch nur für Fußgänger eingerichtet, durch ihren soliden Bau das Staunen der Spanier erregten.
Die Tracht bestand bei den Männern aus einem dreieckigen Schamlatz oder Schurz sHuara), dessen Enden hinten mit Schnüren festgebunden wurden, einem schmalen ärmellosen bis zu den Waden reichenden Hemde (Uncu) und einer viereckigen schmalen, ebenfalls bis zu den Waden reichenden Schulterdecke (Jacolla), deren Enden mittels einer wollenen quastenbesetzten Schnur vorn am Halse verknotet wurden. Das Haar schoren die zur Inkatribus Gehörigen kurz und umwickelten es mit einer wollenen, gewöhnlich schwarzen Binde (Llautu). Nur der regierende I. trug eine bunte Binde, von der vorn über der Stirn eine karmesinrote Franse herabhing, in der zwei Federn vom Vogel Coriquenque steckten. Um die Kopfbinde wurde die aus Agavefasern und Llamaschnen geflochtene Schleuder (Huaraca) gewickelt getragen. In dem Ohr trugen die zur Inkatribus gehörigen Männer und die der vier verbündeten Stämme große schwere Ohrpflöcke (s. Tafel: Amerikanische Altertümer II, Fig. 17), die ihnen im Munde der Spanier den Namen Orejones, "die großen Ohren", verschafften. Die Frauen trugen ein bis zu den Füßen reichendes ärmelloses Hemd (Acsu), das mit einem handbreiten verzierten Gürtel (Chumpi) uni die Taille festgehalten ward, und eine Schulterdecke (Lliclla), die vorn mit zwei Brustnadeln (Tupu) festgehalten wurde. Sie trugen das Haar lang und umwickelten es mit einer runden Binde (Huincha).
Die Hauptverehrung ward in Cuzco den beiden Gestirnen des Tages und der Nacht gezollt, von denen das erstere als Stammgottheit, als Totem des Inkastammes galt. In dem Tempel der Sonne, Cori-cancha genannt, war das Bild derselben durch ein menschliches Antlitz dargestellt, von einem Strahlenkranze umgeben, das aus einer massiven Goldscheibe von enormen Dimensionen eingegraben war. Eine ähnliche Scheibe aus Silber bezeichnete den Mond. Der vielgenannte Pachacamak oder Uira-Cocha, der als schöpferischer Urgott bezeichnet wird, aber auch in menschlicher Gestalt die Erde durchwandert, ist wohl ein Sonnenheros, gleich dem Vochica der Chibcha und dem Quetzalcoatl von Tula. Außerdem verehrten die Inkaperuaner den Regenbogen (Cuychi) und die Gottheit, die sich im Gewitter offenbart (Llipiak, "der Leuchtende", genannt, und Choqueilla, "die leuchtende Spitze"). Eigentümlich geformte Steinklumpen (Huanca) auf dem Felde galten als Besitzer, als Schutzgottheiten des Feldes (Chacrayok). Andere, Llorca-uillca oder Compa genannt, die man in die Wasserleitungen legte, sorgten für den günstigen Effekt der Bewässerung. Die Caullama genannten Steine beschützten die Herden. Aus Maisstauden ward eine Puppe gemacht, mit Weiberkleidern bekleidet und als Sara-mama, als Gottheit des Mais verehrt. Unter demselben Namen wurden auch wie Maiskolben geformte Steine verehrt. Besondere Fetische (Conopa) bewahrte man im Hause als Schutzgottheiten desselben (Huasicamayok). Andere trug man als Amulette bei sich, die auch mit dem Toten begraben wurden. Ein besonderer Kultus ward mit den Mumien der verstorbenen Familienglieder getrieben, die Mallqui genannt wurden. Als Opfer wurden den Göttern Blumen, Weihrauch, Feldfrüchte und Llama dargebracht. Und bei besonders feierlichen Gelegenheiten, bei einem Siege oder der Thronbesteigung eines I., wurde ein Kind oder eine Jungfrau geopfert.
Das peruan. Jahr (Huata) umfaßte zwölf Mondmonate. Die elf Tage zwischen dem Ende des letzten Mondmonats und dem Schlüsse des Sonnenjahres waren "müßige Tage" und wurden dem Vergnügen geweiht. Der I. Yupanqui soll zuerst die Einteilung des Jahres angeordnet und jedem Monat seinen Namen gegeben haben. Dem I. Pachacutik aber wird die Korrektur des Mondjahres durch Beobachtung der Solstitien und Äquinoktien zugeschrieben. Zu dem Zwecke waren acht Türme im Osten und ebenso viele im Westen von Cuzco errichtet, die in zwei Reihen von je vier und vier in einer Entfernung von 5 bis 6 m nebeneinander standen und von denen die beiden äußern höher waren als das mittlere Paar. Nach dem genauen Auf- und Untergehen der Sonne zwischen den letztern wurde das Solstitium bestimmt.
Eine Schrift kannten die I. nicht. Dagegen war ein System der Gedankenmitteilung durch Knotenschnüre zu besonderer Vollkommenheit entwickelt.