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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Intubation - In usum Delphini

einem Chor, dem ein gemischter Bibeltext oder einfacher Psalmtext zu Grunde liegt, welcher mit dem Gloria Patri schließt. In dieser Form wurde der I. auch von den Reformatoren in die prot. Liturgie übernommen, die ihn in einzelnen Kirchenordnungen (z. B. der mecklenburgischen) noch bis zur Gegenwart behalten hat. Die musikalischen Weisen des I. sind durchschnittlich sehr alt.

Intubation (neulat.) oder Tubage (frz.), das Einlegen einer Röhre aus Hartkautschuk oder besser aus Metall in die Kehlkopfhöhle vom Munde aus, ohne vorhergegangene operative Eröffnung der Luftröhre, um bei krankhaften Verengerungen des Kehlkopfes die Erstickungsgefahr zu beseitigen, wird in neuerer Zeit vielfach bei Diphtheritis als Ersatz der Tracheotomie (s. d.) angewendet.

Intuition (lat., «Anschauung»), im philos. Sprachgebrauch eine unmittelbare Erfassung des Gegenstandes wie in einem, eine Vielheit von Gegenständen auf einmal aufnehmenden und zur Einheit zusammenfassenden Blick. Intuitive Erkenntnis, die auf solcher I. beruhende Erkenntnis, im Gegensatz zur diskursiven, d. h. schrittweis vom einen zum andern fortgehenden Erkenntnisweise. Nach Kant ist unser Verstand stets diskursiv, nicht intuitiv. Auch im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter I. eine solche Erfassung des Objekts, die nicht des Umwegs der logischen Reflexion bedarf, sondern sich gleich unmittelbar in die Sache zu versetzen vermag. So trauen wir namentlich dem Genie des Dichters und Künstlers zu, daß es zu seinen Ideen vielmehr durch glückliche I. als durch viel Reflektieren und logische Operation gelange. In etwas anderer Bedeutung heißt Intuitionismus bei den Engländern die philos. Richtung, welche die Einsicht in die Principien aus dem bloßen Selbstbewußtsein (gleichsam einem unmittelbaren Schauen in sich selbst) schöpfen will.

Intuitīv, durch Intuition (s. d.) gewonnen.

Intumescénz (lat.), Anschwellung, Geschwulst.

Intus (lat.), inwendig, innen.

Intussusception (neulat.), Aufnahme in das Innere, besonders innige Aneignung fremder, in den organischen Körper aufgenommener Stoffe; in der Medizin die Einstülpung eines Darmstücks in das andere, sog. Darminvagination. (S. Darmverengerung.) In der Botanik ist I. Bezeichnung für diejenige Art des Wachstums von Membranen, Stärkekörnern u. s. w., bei der durch Aufnahme neuer kleinster Teilchen der betreffenden Substanz, der Micelle, zwischen den bereits vorhandenen eine Volumenvergrößerung stattfindet. Die Intussusceptionstheorie ist von Nägeli in exakter Weise begründet worden und für die genauere Kenntnis der Wachstumsvorgänge in der Pflanze von außerordentlicher Wichtigkeit. Ihr gegenüber steht die Appositionstheorie, nach der das Wachstum z. B. der Stärkekörner durch fortwährende Auflagerung neuer Teilchen stattfinden soll. Diese letztere Theorie hat neuerdings wieder mehr Anhänger unter den Botanikern, sie entbehrt jedoch noch der genauern mechan. Begründung. Sie ist in früherer Zeit hauptsächlich von Dippel vertreten worden; neuerdings haben Strasburger, Schmitz, Schimper u. a. Forscher dieselbe durch mehrere Untersuchungen zu stützen gesucht.

Intze, Otto, Ingenieur, geb. 17. Mai 1843 in Laage in Mecklenburg-Schwerin, studierte am Polytechnikum in Hannover, trat dann in den Hamburger Staatsdienst und wurde 1870 Professor der Ingenieurwissenschaften an der Technischen Hochschule in Aachen. I. hat sich u. a. große Verdienste um die Konstruktion zweckmäßiger Wasser- und Gasbehälter erworben. (Ein Intzescher Gasbehälter ist im Artikel Gasbeleuchtung, Bd. 7, S. 566 b beschrieben und auf Tafel Gasbeleuchtung Ⅱ, Fig. 2 abgebildet.) Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen seien hier angeführt: «Über Quaimauern, Stützmauern und Thalsperren» (in der «Deutschen Bauzeitung», 1875). «Über Thalsperrenausführunqen» (in der «Zeitschrift des Niederrheinischen Architekten- und Ingenieurvereins», 1876), «Tabellen und Beispiele für die rationelle Verwendung des Eisens zu Baukonstruktionen» (Berl. 1877), «Über rationelle Ausnutzung der Wasserkräfte Deutschlands» (in der «Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure», 1882), «Über Fabrikbauten mit Walzeisenkonstruktionen» (Berl. 1884), «Das Wasserwerk der Stadt Düren und neuere ausgeführte Wassertürme, Öl- und Gasbehälter» (ebd. 1886), «Berechnungen des Teleskop-Gasbehälters in Charlottenburg» (ebd. 1887), «Die bessere Ausnutzung des Wassers und der Wasserkräfte» (ebd. 1888); im Verein mit Heinzerling «Das deutsche Normalprofilbuch für Walzeisen» (4. Aufl., Aachen 1889).

Inuit, soviel wie Innuit, s. Eskimo.

Inŭla L., Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit gegen 60, vorzugsweise in den gemäßigten Zonen der Alten Welt verbreiteten Arten. Es sind meist ausdauernde Gewächse mit unzerteilten Blättern und großen lebhaft gelb gefärbten Blütenköpfchen. Unter den in Deutschland vorkommenden Arten ist die wichtigste der sog. Alant oder das Helenenkraut (I. Helenium L.), dessen Wurzel als Radix Helenii offizinell ist. Sie enthält außer reichlichen Mengen von Inulin (s. d.) den sog. Alantkampfer (s. d.). Der Alant ist hauptsächlich in Mittel- und Südeuropa einheimisch, doch wird er vielfach seiner Wurzeln wegen im Garten angepflanzt. I. conyza DC. (Conyza squarrosa L.) wird wegen ihres starken Geruches nicht selten zur Vertreibung der Motten benutzt.

Inulīn, Dahlin, eine stärkeähnliche Substanz, die wahrscheinlich die Zusammensetzung 6 C6H10O5 +H2O ^[6 C<sub>6</sub>H<sub>10</sub>O<sub>5</sub> +H<sub>2</sub>O] besitzt und als Reservestoff in den Wurzelknollen der Georginen und vieler Pflanzen aus der Familie der Kompositen (z. B. in Inula Helenium L.) besonders reichlich im Herbst vorhanden ist. Das I. löst sich leicht in heißem Wasser und scheidet sich beim Erkalten als zartes weißes Pulver von krystallinischer Struktur aus. Es ist geruch- und geschmacklos, klebt an den Zähnen, schmilzt bei 165° und wird durch Jod gelb gefärbt. Es ist das beste Ausgangsmaterial zur Darstellung von reinem Fruchtzucker, da es beim Kochen mit Wasser oder noch schneller mit verdünnten Säuren vollständig in diesen übergeht.

Inundation (lat.), Überschwemmung (s. Hochwasser und Anstauung).

Inundationsgebiet, das Überschwemmungen ausgesetzte Gebiet längs der Flüsse (Inundationsbett), Seen oder des Meers. Es wird durch Deiche (s. d.) möglichst eingeengt.

Inunktion (lat.), Einsalbung, das Einreiben; Inunktionskur, die Schmierkur, namentlich mit grauer Quecksilbersalbe. (S. Syphilis.)

In usu (lat.), im Gebrauch.

In usum Delphīni (lat.), s. Dauphin.