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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Invention - Inversion

oder durch Verweigerung der Leistung des Offenbarungseides in vollem Umfange haftbar werden (§§. 2108, 2142). Sofern der Erbe nur beschränkt haftet, hat er für die verhältnismäßige Befriedigung aller Gläubiger nach Maßgabe der Vorschriften über die Verteilung der Masse im Nachlaßkonkurse sowie für wirtschaftliche Verwaltung des von ihm offen zu legenden Nachlasses zu sorgen (§§. 2112, 2133). Der Erbe kann entweder Nachlaßkonkurs beantragen oder die Abzugseinrede (s. d.) im einzelnen Falle erheben. Abgesehen davon, kann der Erbe Aussetzung der Zwangsvollstreckung auf so lange Zeit, als erforderlich ist, um ein Inventar aufzustellen, verlangen, aber auch ein Gläubigeraufgebot (s. Aufgebot) mit ähnlichen aufschiebenden Wirkungen beantragen. Diese letztern Maßregeln (§§. 2120 fg., 2143) stehen ihm auch dann zu Gebote, wenn nicht ersichtlich ist, daß der Nachlaß zur Befriedigung der Gläubiger nicht zureiche. – Vgl. Stobbe, Handbuch des deutschen Privatrechts (2. Aufl., 5 Bde., Berl. 1882‒35), §. 285; Motive zum Entwurf eines Bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich (ebd. 1888), Ⅴ, 604 fg.

Invention (lat.), Erfindung; in der ältern Musik Bezeichnung für kurze Instrumentalsätze, in der Regel nur für Klaviersätze gebraucht, in denen ähnlich wie in den heutigen Etüden ein bestimmtes Motiv durchgeführt wird. Gegenwärtig hat der Name praktische Bedeutung nur noch durch Joh. Seb. Bachs zwei- und dreistimmige Klaviersinfonien von 1723, die den Nebentitel I. führen.

Inventionshörner, Inventionstrompeten, s. Blasinstrumente.

Inventūr (neulat.), s. Inventar.

Inverary (spr. -rährĭ), Hauptstadt der schott. Grafschaft Argyll, in schöner Lage am Loch Fyne, ein unbedeutender Ort mit (1891) 822 E. und Heringsfischerei. Dabei I. Castle, der Sitz des Herzogs von Argyll, 1744‒61 gebaut, 1879‒80 restauriert.

In verba magistri jurāre, s. Jurare in verba magistri.

Invercargíll, Stadt an der Südspitze der Südinsel von Neuseeland, an drei Eisenbahnlinien, bildet den Ausfuhrhafen für die in der Nähe liegenden ausgedehnten Weidedistrikte und hat (1891) 4950, mit den 5 Vororten 8551 E.

Invernéß. 1) Grafschaft in Nord- oder Hochschottland, die größte des Königreichs, zwischen Roß, Nairn, Elgin, Banff, Aberdeen, Perth, Argyll und dem Atlantischen Ocean, der im NO. den Murraybusen oder Moray-Firth bildet, hat 11021,2 qkm, wovon 3145,5 auf die dazugehörigen 250 Inseln kommen, und (1891) 89317 E., d. i. 8 auf 1 qkm. Das Festland ist außerordentlich rauh, wild und gebirgig und steigt im Ben-Nevis, dem höchsten Berge der brit. Inseln, zu 1343 m Höhe auf. Zahlreich sind die Seen und Bergwasser in tief eingefurchten Thalspalten, ausgedehnt die Wald-, Heide- und Moorstrecken. Kulturboden findet sich hauptsächlich in den niedrigen Gegenden am Moray-Firth, an einigen Seen und Flüssen. Rinder- und Schafzucht bilden die Hauptbeschäftigung. Das Land ist gegen NO. abgedacht, wie der Lauf der größern, durch Lachsfang wichtigen Flüsse Spey, Findhorn, Nairn, Neß, Beauly andeutet. Der tiefe Thalspalt Glen-More nan-Albin, der vom Moray-Firth zum Loch-Linnhe an der Westküste zieht, teilt I. in zwei gleiche Teile. Unter den Inseln, welche zu den mittlern und nördl. Hebriden gehören und die Gebirgsnatur des Festlandes teilen, sind die namhaftesten Skye, Harris (der südl. Teil von Lewis), Norduist, Süduist, Benbecula und die Barra-Inseln. Die kelt. Sprache herrscht vor, das Englische ist fast nur bei den höhern Klassen in Gebrauch. I. schickt ein Mitglied ins Parlament. – 2) Hauptstadt der Grafschaft I., im Hintergrunde des Moray-Firth, am Nordende von Glen-More und am Flusse Neß, der einen guten Hafen, ein befestigtes Schloß, eine St. Andreas-Kathedrale (1866‒69), eine 1880 vollendete got. Stadthalle, vor derselben eine Fontäne mit dem Palladium der Stadt, dem rhomboidischen Steine Clach-na-Cudden, eine Akademie, eine Hochschule, eine Schule für Kunst und Wissenschaft, ein Gefängnis an der Stelle von Macbeths Schloß; Gerberei, Tuchfabrikation, Salmfischerei, Eisenwerke, Brauerei, Sägemühlen und Schiffbau. I. ist der Hauptmarktplatz für die Bergschotten. In der Nähe hatten die alten caledonischen Könige ihren Sitz. Die Umgegend bietet zahlreiche Schönheiten. I. ist Sitz eines deutschen Vicekonsuls.

Inverneß Burghs (spr. börgs), Gruppe schott. Städte (Forres, Fortrose, Inverneß, Nairn), die ein gemeinsames Parlamentsmitglied wählen, mit (1891) 28071 E. und 3941 Wählern.

Inverse Funktion, d. i. umgekehrte Funktion (s. d.). Die I. F. einer gegebenen Funktion wird erhalten, wenn man die abhängige Veränderliche als unabhängige betrachtet und umgekehrt. In dieser Beziehung stehen z. B. Exponentialfunktion und Logarithmus, trigonometr. und cyklometr. Funktionen zueinander. Eine hohe Bedeutung erhielt diese Umkehrung bei der Einführung der elliptischen Funktionen durch Adel und Jacobi(1826), da aus der Entwicklung der Integralrechnung zunächst nur deren I. F. hervorgegangen waren.

Inversion (lat.), Umkehrung, Umstellung; in der Grammatik und Rhetorik die Versetzung eines Wortes oder Satzteils aus seiner der strengen grammatischen Konstruktion nach ihm gebührenden Stelle an eine andere, um dessen Begriff herauszuheben, z. B. die Voranstellung des Prädikats zum Zwecke des Nachdrucks, wie: «Groß sind die Werke des Herrn» oder «Träume sind des Pilgers Sorgen». Verwerflich ist dagegen die I., wie sie in neuerer Zeit oft in dem nachlässigen Stile der Zeitungsreporter, in kaufmännischen Briefen, Annoncen u. s. w. vorkommt, z. B. «Die Garnison ist gestern Abend wieder eingerückt, und sind deshalb die öffentlichen Gebäude von heute früh an wieder mit Militärposten besetzt», oder «Die erste Sendung Matjesheringe ist eingetroffen, und verkaufen wir dieselben das Stück zu u. s. w.». – In der Medizin, bedeutet I. die Umstülpung eines Organs (der Gebärmutter, der Augenlider, des Mastdarms). – In der Musik ist I. eine eigentümliche Art von Umkehrung der Themen in Fuge, Kanon und ähnlichen Formen. Die Intervalle des Originals behalten ihre Art, wechseln aber die Richtung, Sekunde z. B. bleibt Sekunde, wird aber nach unten genommen, wenn sie im Original nach oben geht und umgekehrt; aus g-a wird demnach (in G-Dur oder D-Dur) g-fis u. s. w. – In der Chemie ist I. die durch bestimmte Agentien oder Lösungsmittel bewirkte Änderung des specifischen Drehungsvermögens (s. Drehung der Polarisationsebene). So zeigt der Rohrzucker, der das polarisierte Licht nach rechts dreht, bei Einwirkung von verdünnten Säuren,