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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italien (Zeitungswesen)

und des "Giornale agrario toscano". Ebenfalls in Florenz wurde (1842) unter der Direktion von Vieusseur das wichtige "Archivio storico italiano" gegründet. Von andern toscan. Zeitschriften sind zu nennen der "Guida dell' educatore", der jetzt noch als "Letture di famiglia" existiert, der 1844 von Matteucci und Piria in Pisa gegründete "Nuovo Cimento" und die von Fanfani 1847 zu Pistoja herausgegebenen "Ricordi filologici" (für Sprache und Litteratur). Die 1844 in Turin von Pomba unternommene "Nuova Enciclopedia popolare" hatte nach einem Jahr 5000 Abonnenten, sodaß der Redacteur, Predari, beschloß, eine Art Fortsetzung der "Antologia" herauszugeben; unter ihren Mitarbeitern war auch Cavour.

Infolge des Regierungsantritts Pius' IX. war die Preßgesetzgebung bereits eine mildere geworden; die Stürme von 1848 rissen jede Schranke nieder. In Rom konnten 1846 die ersten eigentlichen Journale erscheinen: "La Bilancia" und "Il Contemporaneo". Später wurde das letztere unter Sterbini Organ der Radikalen. In den letzten Monaten der Republik (1849) war "L'Italia del Popolo" von Mazzini, welches Blatt sich vor den Österreichern aus Mailand geflüchtet hatte, inspiriertes Regierungsorgan. In Bologna vertrat 1848 der von Berti-Pichat gegründete "Felsineo", redigiert von Minghetti und andern, die Anschauungen der Gemäßigten, während der "Italiano" den radikalen Bestrebungen diente. Infolge der röm. Reformen gelang es bald auch den Liberalen Toscanas, eine bedeutsame Milderung der Preßgesetzgebung durchzusetzen, sodaß bereits 1847 an die Stelle der geheimen Winkelblätter zahlreiche öffentliche Zeitungen traten, z. B. die geschriebene "Costituente Italiana", die von La Farina in unitarischem Sinne redigierte "Alba", die gemäßigte "Patria", und der "Corriere Livornese", dessen Hauptredacteur Guerrazzi war.

In Sicilien brachte die Revolution vom 12. Jan. 1848 die Preßfreiheit mit sich. Crispi leitete damals das Mazzinische Organ "L'Apostolato". Die Restauration im Mai 1849 machte indessen dem sicil. Journalismus ein gewaltsames Ende. In Neapel zog Anfang 1848 nach furchtbarem Drucke eine schrankenlose, freilich nur kurze Preßfreiheit ein; zu erwähnen sind der von Bonghi u. a. geleitete "Tempo" und "Il Nazionale" von Silvio Spaventa. Auch die Lombardei und Venedig sahen nach ihrer Befreiung gemäßigt liberale, radikale und republikanische Blätter erstehen. In Mailand war es, wo im Mai 1848 das erste öffentlich republikanische Blatt erschien, die anfänglich von Revere redigierte Mazzinische "L'Italia del Popolo", unitarisch, aber eine beharrliche Gegnerin der Politik Karl Alberts.

Auf die weitere Entwicklung übte den folgenreichsten Einfluß der polit. Umschwung, der im März 1848 in Piemont eintrat. Schon vorher waren Balbo, Boncompagni und Cavour auf dem Plan erschienen. Die erste Nummer des "Risorgimento" wurde 15. Dez. 1847 ausgegeben, vom 1. Jan. 1848 an wurde es regelmäßig veröffentlicht. Diese Zeitung bekämpfte die Ausschreitungen der Radikalen und verteidigte die Führerrolle Piemonts im Unabhängigkeitskampfe. Eine gemäßigt liberale Färbung trug die "Opinione". Die von Lorenzo Valerio gegründete "Concordia" vertrat die Grundsätze der parlamentarischen Linken. Gleichzeitig erlangte die volkstümliche vom Buchdrucker Arnaldi gegründete und vom Schriftsetzer Govean redigierte "Gazzetta del Popolo" große Bedeutung und Verbreitung. Nur im Königreich Sardinien blieb mit der Verfassung die freie Presse bestehen. Von den bedeutendern liberalen Blättern des J. 1848 erhielten sich die "Gazzetta del Popolo" und die "Opinione". Als die Redaktion der letztern auf G. Dina überging, gründete der bisherige Redacteur, Bianchi-Giovini, die antiklerikale "Unione". Die demokratische Richtung unter der lombard. Emigration fand ein Organ in dem "Progresso", später (1854) in dem "Diritto". Ein anderes Oppositionsblatt, die "Libertà" Brofferios, bekämpfte eine Zeit lang heftig die Cavoursche Politik, die wiederum einen eifrigen Fürsprecher hatte an dem "Parlamento", der 1855 sich in den "Piemonte" umtaufte und von Farini geleitet wurde. Die klerikale "Armonia" verlor ihre Bedeutung, als der Hauptmitarbeiter, Don Margotti, 1863 ein eigenes Blatt gründete, die "Unità cattolica".

Großen Aufschwung nahm die klerikale Publizistik seit der 1850 durch die Jesuiten erfolgten Gründung der röm. "Civiltà cattolica" (s. d.).

Die Veränderungen von 1859 und 1860, welche die piemont. Preßfreiheit zum Gemeingut der Halbinsel machten, riefen in allen Teilen wieder eine Fülle von Tageblättern hervor. Die gemäßigte "Opinione" (seit 1848) führt seit Jan. 1893 den Titel "Opinione liberale" und ist unter dem Redacteur der eingegangenen "Rassegna", M. Torraca, noch immer wichtig. Das "Diritto" (s. d.) war ebenfalls ziemlich verbreitet und das Hauptorgan der Opposition; dann diente es der konstitutionellen Linken gegen Depretis, jetzt unterstützt es die Regierung. Diese beiden Blätter, ebenso wie die zeitweise offiziöse "Italie" (in franz. Sprache) sind 1865 nach Florenz und 1871 nach Rom übergesiedelt. Eingegangen ist die "Stampa", die, 1863 zu Turin von den gemäßigt Liberalen der annektierten Provinzen zur Abwehr des piemont. Einflusses gegründet, unter Bonghis Leitung eine unabhängige Haltung zu bewahren suchte; die seit 1882 in Rom unter dem gleichen Namen erschienene Zeitung war offiziös. Von bedeutendern Blättern sind nach 1865 in Turin nur "Gazzetta del Popolo" (seit 1848) und die "Unità cattolica" (seit 1863) geblieben, jene war Organ des über die Verlegung der Hauptstadt erbitterten und mit der radikalen Opposition verbündeten Piemontesismus und ist jetzt entschieden liberal-konstitutionell. Die 1867 gegründete "Gazzetta Piemontese" vertritt den gemäßigten Liberalismus; Organ der Konservativen war bis zu seinem Eingang das "Risorgimento". In Mailand ward nach dem Sturz der österr. Herrschaft von der lombard. Aristokratie die "Perseveranza" gegründet, früher von Allievi geleitet, später (1866) unter Bonghi das beste Blatt I.s, hat indessen in I. selbst keine große Verbreitung. Die meiste Verbreitung nicht nur in Mailand, sondern überhaupt genießt der radikale "Secolo" (s. d.; seit 1866); der Mailänder "Pungolo" bestand 1859-91, er war gemäßigt liberal; der "Corriere della sera" ist 1875 mit einem Programm der Rechten ins Leben getreten. Große Verbreitung hatte nach 1877 die radikale "Epoca" von Genua (1893 eingegangen) und der 1875 von dem Romanschriftsteller Barrili ebendaselbst gegründete "Caffaro". In Venedig hat der Wechsel des Regiments die früher offizielle "Gazzetta di Venezia" in ein liberales und nationales Blatt verwandelt.