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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italienische Kunst

sich diese Hallen unter dem Einfluß der got. Maßwerke umgestalten und so ein eigentümlicher venet. Palaststil, die venetianische Gotik entsteht, deren erstes Beispiel der Dogenpalast (s. Taf. II, Fig. 1) giebt. Die got. Paläste Venedigs, unter denen Cà d'oro hervorgehoben sei, fallen in das 15. Jahrh.

Der got. Stil hatte auch außerhalb Italiens seinen Höhepunkt überstiegen, als in diesem Lande die Rückkehr zu der antiken Architektur begann, wie man sie in den röm. Bauresten vor sich hatte, dadurch gefördert, daß man auch in der Gotik das roman. Element nie völlig beiseite gelassen hatte. Der bahnbrechende Künstler dieser Epoche, welche man die der Renaissance benannt hat, war Filippo Brunelleschi (s. d.), der mit seiner den florentin. Dom vollendenden Kuppel der spätern Zeit ein in seiner Art unübertroffenes Vorbild gab, den specifisch florentin. Palastbau in dem nach seinem Tode (1446) nach anderm Plane weitergebauten Palazzo Pitti veredelte und zu ungeahnter Größe ausbildete. Nächst ihm hatte den größten Einfluß auf die Entwicklung der Architektur dieser Zeit der gelehrte Leone Battista Alberti (s. d.). Die Thätigkeit der Frührenaissance oder des Quattrocento war mehr dem Palast- als dem Kirchenbau zugewandt. In Florenz und Siena entstanden im 15. Jahrh. die meist großartigen und in ihrer Art mustergültigen Paläste; in ersterer Stadt die Paläste Medici (nachmals Riccardi), Tornabuoni (heute Corsi), Rucellai, Gondi und als schönster von allen Strozzi, meist mit schönen Säulenhöfen, die Façaden eine Veredelung des herkömmlichen strengen florentin. Stils; in Siena die Bauten der Piccolomini; bei Pavia die berühmte Certosa (s. Taf. II, Fig. 6). Michelozzo, Alberti, Giuliano und Antonio da Sangallo, Bernardo Rossellino, Giuliano und Benedetto da Majano, Simone Cronaca waren die bedeutendsten, auch in Rom, Neapel, Urbino, in den Städten der Marken u. s. w. thätigen Meister Mittelitaliens, von denen mehrere ins 16. Jahrh. hineinreichen: neben ihnen der gelehrte Francesco di Giorgio. In der Lombardei entwickelte sich langsam ein Stil, der mit dem die Romagna beherrschenden, auch bei großartigen Verhältnissen angewandten Backsteinbau zusammenhängt und gegen Ende des Jahrhunderts unter den Fürsten des Hauses Sforza unter Einwirkung des Urbinaten Bramante (s. d.) zur Vollendung gelangte. Venedig zeigt einen eigentümlichen, neben der Lokalität auch durch die Verbindung mit dem Orient bedingten, antikisierende mit got.-südital. und byzant. Formen vereinigenden, durch Glanz des Materials und Reichtum des Ornaments gehobenen, mehr durch das Detail als durch Masseneffekte wirkenden Stil, der an den Werken der Familie Lombardi in Kirchen wie in Palästen hervortritt.

Beim Abschluß des 15. Jahrh. hatte die Frührenaissance namentlich in Mittelitalien schon längst die entwickeltern Formen der Hochrenaissance (Cinquecento) anzunehmen begonnen, die nun ihrerseits ungefähr ein Jahrhundert lang herrschte. Es war vor allen Bramante (1444-1514), welcher, von Mailand nach Rom übergesiedelt, der von Brunelleschi in Aufnahme gebrachtenBauweise eine ihr noch fehlende Strenge, Festigkeit und Regelmäßigkeit verlieh. Mit ihm beginnt zu Rom (s. Taf. III, Fig. 2) die Periode einer neuröm.-antiken Baukunst, der einfachen, regelrechten, allem phantastischen Schmuck abholden Bauordnung, die sich in ihrer Formgebung an die der altröm. Architektur der Kaiserzeit anschließt, doch zugleich der höchste Ausdruck modernen Formgefühls wird. Von ihm soll auch der Plan zur Casa Santa in der Kirche zu Loreto (s. Taf. II, Fig. 3) stammen. In seinen Grundsätzen arbeiteten glücklich fort: Baldassare Peruzzi (1481-1536), der Erbauer der Farnesina und des Palazzo Massimi, und Antonio da Sangallo der Jüngere, von welchem der Plan zum Palazzo Farnese herrührt. Auch Raffael und Michelangelo wirkten als Baukünstler in Rom. Ersterer beendigte die Loggien des Vatikans und hinterließ als Baumeister der Peterskirche einen unausgeführten Plan. Letzterer entwarf die mächtige Kuppel dieser Kirche und baute das Kranzgesims am Palazzo Farnese, Werke, die von dem gewaltigen und großartigen Geiste des Meisters zeugen, während andere Bauten schon sein Hinüberneigen zum Barock andeuten. Bis zur Mitte des 16. Jahrh. erlebte die Baukunst in Rom ihre Glanzepoche. Auch nachher bewahrte sie noch ein halbes Jahrhundert hindurch ein stattliches Gepräge bei fortschreitender theoretischer Strenge und Großförmigkeit, aber auch innerer Kälte. Vignola (1507-73) zeigte sich maßvoll und bewahrte durch sein Lehrbuch der Architektur die Detailformen lange vor Ausartung. Verona brachte drei bedeutende, in der antikisierenden Richtung arbeitende Architekten hervor: Fra Giovanni Giocondo (s. d.), Giovanni Maria Falconetto (s. d.) und Michele Sanmicheli. Gleichzeitig bereicherte Jacopo Sansovino (1477-1570) Venedig mit vornehm durchgebildeten Bauten: San Giorgio dei Greci (1561), Bibliothek von San Marco (1536 begonnen), Façade der Zecca, Palazzo Corner della Cà grando (1532). Andrea Palladio (1518-80) wußte sich durch tiefes Eindringen in die Gesetzmäßigkeit der Antike jenen klaren, formrichtigen und einfach großen Stil zu bilden, der später in Europa herrschend wurde. Seine Vaterstadt Vicenza hat viele Paläste von ihm aufzuweisen, und in Venedig sind die Kirchen San Giorgio Maggiore und il Redentore (1576) seine Hauptbauwerke. Sein Nachfolger Longhena erbaute im 17. Jahrh. zu Venedig den Palast Pesaro (s. Taf. I, Fig. 5). Ferner sind zu nennen: Galeazzo Alessi (s. d.), der in Mailand und Genua Kirchen, reich geschmückte Paläste und Villen erbaute; Pellegrino Tibaldi, welcher in Mailand große Centralkirchen und stattliche Paläste schuf; Martino Lunghi der Ältere, der u. a. an der Chiesa Nuova (Façade von Rughesi; s. Taf. II, Fig. 7) und am Palast Borghese (s. Taf. III, Fig. 1) zu Rom arbeitete. Am längsten erhielt sich die strengere Kunstart in Rom, wo Giacomo della Porta (1541-1604), Domenico Fontana und Carlo Maderna in großförmiger, aber ernster und barockem Formendrange widerstehender Weise weiter schufen.

Der Barockstil fand zuerst Boden in Oberitalien, wo in Florenz Bartolommeo Ammanati, Giorgio Vasari und Bernardo Buontalenti die Schule Michelangelos nach der Richtung des Barock (s. d.) fortführten, in Venedig Scamozzi und Longhena (s. Taf. II, Fig. 8) ihn in großartiger Weise selbständiger ausgestalteten. Er erhielt im 17. Jahrh. zu Rom seine Vollendung nach der monumental großartigen Seite durch Lorenzo Bernini (s. d.), bezüglich der Steigerung der Wirkung durch auf Täuschung berechnete Mittel durch Francesco Borromini (s. d.). Diesen leitenden Meistern stand eine Anzahl phantasiereicher und formengewandter Künstler zur Seite, namentlich der Dekorateur Pietro da Cortona, Carlo Rainaldi, die