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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italienischer Kronenorden - Italienisches Festungssystem
forte durch Bombardement zu gewinnen, worauf
Cialdini denselben belagern ließ; am 18. räumte
die Besatzung die ganz unhaltbar gewordenen Werke.
Am 8. Juli hatte Cialdinis Hauptmacht den Po
bei Sermide überschritten und marschierte auf Ro-
vigo, dessen Werke von der nach Padua abrücken-
den österr. Besatzung gesprengt wurden. König
Victor Emanuel war am 10. nach Ferrara auf-
gebrochen und hatte einen Teil seines Heers Cial-
dini als Verstärkung zugewiesen; der König wollte
mit drei Korps die Festungen belagern, Cialdini
sollte mit fünf Korps (150000 Mann> an den Isonzo
und über die Alpen vordringen, die Flotte Lissa an-
greifen. Am 20. wurde jedoch die ital. Flotte bei
Lissa (s. d.) entscheidend geschlagen und mußte
unter den Kanonen von Ancona Schutz suchen.
Cialdini erreichte 25. den Torre, 26. kam es bei
Ve^K zu emem lebhaften Gefecht Zwischen den Vor-
truppen, aber die von Napoleon vermittelte Waffen-
ruhe machte weiterm Kampfe ein Ende.
Das Freiwilligenkorps Garibaldis war 23. Juni
zwischen dem Gardasee und Stiljser Joch gegen
Tirol vorgegangen, das von 17 000 Mann Landes-
schützen und kaiserl. Truppen unter Generalmajor
Freiherrn von Kühn verteidigt wurde. Am 3. Juli
wiesen 600 Mann Kaiserjäger bei Monte-Suello
den viermal wiederholten Angriff der 2800 Mann
starken ital. Brigade Corte blutig zurück, am 4. wur-
den die Alpenjäger bei Vezza im Valcamonica aber-
mals geschlagen, erreichten aber am 11. bei Spon-
dalunga einen kleinen Erfolg gegen die österr. Nach-
hut. Als die österr. Südarmee nach dem Isonzo
abgezogen war, drang Garibaldi mit größerer Macht
vom Idrosee her vor, doch ließ Kühn vom Stilsser
Joch und am Tonale Vorstöße ausführen, die dem
Vormarsch der Freikorps Einhalt thaten. Am 16.
schloß Garibaldi Fort Ampola ein und zwang das-
selbe am 19. zur Ergebung; aber am 21. wurden bei
Vezzeca 9 Bataillone Alpenjäger von 5000 Mann
Landesschützen und österr. Truppen mit großem
Verlust geschlagen. Die ital. Division Medici war
am 20. nach Südtirol eingerückt, wurde aber am 23.
bei Vorgo durch den hartnäckigen Widerstand von
5000 Mann Österreichern aufgehalten. Am 25. trat
Waffenruhe ein. Nördlich vom Gardasee hatten die
Alpenjäger überhaupt sich nicht festsetzen können, da
die österr. Flottille am 20., 24. und 25. Juli den
hierauf abzielenden Unternehmungen erfolgreich ent-
gegentrat. Italien schloß sich dem 27. Juli zwischen
Preußen und Osterreich vereinbarten Präliminar-
frieden nicht an, und die Südarmee am Isonzo sollte
deshalb auf 130000, die Truppen in Tirol auf
22 000 Mann verstärkt werden. Daraufhin ging
Cialdini hinter den Tagliamento zurück, auch räum-
ten die Italiener ihre Stellungen in Tirol, worauf
12. Aug. zu Cormons auf vier Wochen Waffenstill-
stand geschlossen wurde. Am 24. Aug. wurde durck
Vertrag Venetien an Frankreich und von diesem
an Italien abgetreten, und im Wiener Frieden vom
3. Okt. übernahm Italien den auf Venetien ent-
fallenden Teil der österr. Staatsfchuld.
Italienischer Kronenorden, s. Kronenorden.
Italienischer Salat, ein Gemisch von Fleisch,
Fischen, Gemüsen, Kapern, Pickles, eingesetzten Oli-
ven u. dgl. mit Essig und Öl oder einer Mayonnaise
Italienisches Dach, s. Dach. "s. d.).
Italienisches Festungsfystem. Neben dem
Bestreben, die Grenzen gegen feindliche Angriffe zu
schützen und im Falle des Eindringens des Feindes
in das Land weitere Entscheidungskämpfe dahin zu
ziehen, wo es am vorteilhaftesten sein würde, nach
Oberitalien, ist man in Italien bedacht gewesen,
einzelne größere Städte durch Befestigungsanlagen
gegen schnelle Eroberung zu sichern und so einer
Lähmung der Widerstandskrast des Landes in einem
länger andauernden Kriege vorzubeugen. Während
die gebirgige, strahenarme und ungleichmäßig an-
gebaute Halbinsel nur an einigen Stellen ihrer
Westküste einer feindlichen Flotte günstige Angriffs-
punkte darbietet, ist der Einbruch größerer Heeres-
massen zu Lande nur im Norden, in der Lombardi-
schen Ebene, zu befürchten, und dort hat die Natur
in den das Land begrenzenden Alpen ein starkes An-
griffshindernis geschaffen. Dieser mächtige, nur an
wenigen Stellen zu überschreitende Wall ist durch
planmäßige Anlage von Befestigungen, welche die
Zugänge oeherrschen, noch wesentlich verstärkt; meh-
rere hintereinander liegende Verteidigungslinien,
mit zahlreichen Forts und Werken aller Art aus-
gestattet, stützen 1'ich auf eine Anzahl größerer und
kleinerer Festungen, welche, in Gruppen zusammen-
gefaßt, unter gemeinschaftlicherOberleitung wohl be-
fähigt erscheinen, einem siegreich durch die Alpen vor-
gedrungenen Feinde so lange Widerstand zu leisten,
bis die versammelte Feldarmee in offener Feld-
fchlacht die Hauptentscheidung herbeizuführen in
der Lage ist. - Die vorstehend berührten Eigen-
tümlichkeiten der geogr. Lage Italiens haben sein
Vefestignngssystem nach drei Richtungen gegliedert:
1) Die Befestigungen in Oberitalien zum Schutz
gegen feindliche Unternehmungen von Norden; 2) die
Befestigungen im Innern des Landes; 3) die Be-
festigung der Küsten, zu denen auch die großen In-
seln zu zählen sind.
1) Gegen Frankreich bildet die Wasserscheide zwi-
schen Rhone und Po den natürlichen Verteidigungs-
abschnitt Italiens, also die zerklüfteten, trotz ihrer
geringern Höhe sehr schwierig zu übersteigenden
Seealpen und weiter nördlich die hohen Ketten der
Cottifchen und Grajischen Alpen bis zum Mont-
blanc hin. Den wichtigsten Zugang dieser Front
bildet der Mont-Cenis, der auf der Straße vom
Mont-Genövre oder mittels der Eisenbahn über-
schritten werden kann. Dieser Zugang wird ge-
schützt durch die Werke des Mont-Cenis, be-
stehend ^us vier Forts und mehrern Batterien zu
beiden weiten des Passes, die Werke von Susa
zur Beherrschung des gleichnamigen Passes sowie
die Eisenbahn der Dora Riparia, die Werke von
Fre'jus zur Beherrschung des Ausgangs des Mont-
Cenis -Tunnels , an beiden Ufern des Vardonnöche-
bachs gelegen, das Fort Exilles lmit Panzer-
türmen > zur Verteidigung der Straße über den
Mont-Genövre und die Eisenbahn von Fre'jus, die
Festung Fenestrelle zur Verteidigung der Zu-
gänge von Cesana im Thal von Chisone und die
Festung Vinadio gegen den Col de Lärche,
auf beiden Seiten der Stura, neuerdings bedeu-
tend verstärkt. Die nächstdem strategisch wichtige
Straße über den kleinen St. Bernhard in die Thä-
ler von Aosta sperrt Fort Bard an der Dora
Valtea, eine alte, aber neuerdings erweiterte und
verstärkte Befestigung. Im Süden bilden die Werke
am Colle di Tenda, bestehend aus sechs Forts
und mehrern Batterien, eine sehr starke Position zur
Verteidigung der Straße über den Colle di Tenda
nach Nizza; in Verbindung hiermit stehen die Stel-
lung von Tanarello, welche jene Werke vor