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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italienisches Festungssystem
Umgehung schützen soll. Zur Abwehr des von der
Niviera her vordringenden Feindes sind die Werke
von Zuccarello, von Nava, von Melogno,
Altare und Masone errichtet. Außerdem finden
sich cnn Fuße der Alpen noch andere kleine Be-
festigungen, welche sür besondere Zwecke noch durch
zahlreiche (mehrere hundert) barackenartige Unter-
kunftsräume ergänzt werden, in denen die mobilen
Alpentruppen zu beliebiger Verwendung stets bereit
sein werden.
Hinter diesen Verteidigungslinien liegen als
größere Festungen zunächst Genua, zugleich See-
jestung, ferner Alessandria am rechten Ufer des
Tanaro, Casale am rechten Ufer des Po, eine ganz
veraltete Anlage, ferner Plaisance, Brückenkopf am
linken Ufer des Po, zum Schutze der Eisenbahn und
Straße von Mailand, endlich Pavia-Pizzighettone
und Cremona; letztere drei haben nur alte Befesti-
gungen.
Gegen die Schweiz bestanden bisher keine Fe-
stungsanlagen', in neuerer Zeit sind jedoch an ver-
schiedenen Punkten solche in Angriff genommen, z.V.
nördlich des Comerfees ein Fort zur Sperrung des
Splügenpasses, und am Lago-Maggiore, westlich
von Pallanza, ein solches gegen die Simplonstraße.
Gegen Österreich hin bietet der Abschnitt zwi-
schen Isonzo und Etsch neben dem sumpfigen venet.
Küstenlande der Verteidigung große Vorteile und
ist durch eine Menge Forts und Batterien gesperrt
worden. An Vefestigungswerken gegen Österreich be-
stehen Fort Edolo zur Schließung des Camonica-
thals, zur Sperrung der Straße im Etschthal, welche
vom Tonalepaß kommt; Fort Nocca d'Anfo am
Westufer des Idrosees zur Verteidigung des Chiefe-
thals, neuerdings vollständig wiederhergestellt; je
ein Fort aufdem Monte-Pipalo und Monte-
Moscalo, im Zusammenhang mit den Werken
bei Rivoli und Chiusa di Ceraino, welcke
sämtlich das Etschthal und seine Verkehrswege be-
herrschen. Außerdem finden sich auch hier noch klei-
nere Befestigungsanlagen wie bei Moggio im Fella-
und Osoppo im Tagliamentothal sowie Palmanova
südlich von Udine zur Sperrung von Flußüber-
gängen, Straßen und Eisenbahnen; teils sind es
alte, dem Verfall nahe, teils aber auch ganz neue
mit allen Hilfsmitteln neuerer Befestigungskunst
ausgerüstete Anlagen; sie haben gemeinsam den
großen Nachteil, daß zu ihrer Verteidigung ganz er-
hebliche Truppenabteilungen erforderlich sind, die
der Feldarmee entzogen werden.
Am Vereinigungspunkt der Thäler der Etsch und
von Friaul liegt hinter den genannten Positionen
das bekannte Festungsviereck, beginnend mit Verona
(Festung erster Klasse), dem wichtigsten der Plätze des
Vierecks, dann Peschiera (dritter Klasse am Südende
des Gardasees, wo der Mincio aus dem See aus-
tritt); ferner Legnago (zweiter Klasse), der kleinste
Platz im Viereck, und endlich Mantua (erster Klasse)
am Einfluß des Mincio in den Po, zwischen den
Seen, welche ersterer Fluß hier bildet; auch diese
Festung ist erst in neuerer Zeit wieder gründlich her-
gestellt worden.
2) Italien besitzt eine große Anzahl von Städten,
bedeutendere wie unbedeutende, mit zum Teil ur-
alten Fcstungsanlagen, namentlich Umwallungen
mit Türmen und Gräben sowie Citadellen, die sich
meist im Verfall befinden, sodaß diese Städte zwar
noch die Bezeichnung von Festungen führen, aber
cinem Angriff mit den Mitteln des modernen
Angriffes, namentlich durch Artillerie, nicht ge-
wachsen sind,so z.B. P ad ua,Cittadella, Castel-
franco, Treviso und Udine, alle nordöstlich der
Etsch; ferner Pavia, Casale, <^tradella,
Cremona, Ferrara, Parma, Modena und
Novi, am Po oder südlich desselben.
Einige andere dagegen sind erst neuerdings mit
detachierten Forts versehen worden und gehören
daher zu den wirklichen Festungen, z. B. Bologna,
Pastrengo, Alessandria und Piaccnza. Seit 1877
hat man begonnen, die Hauptstadt des Königreichs
mit einem Gürtel detachierter Forts zu umgeben.
So werden auf dem reckten Ufer des Tiber sieben,
auf dem linken acht Forts errichtet und in den Zwi-
sckenräumen durch verschiedene Batterien unterstützt.
Die Entfernung der Forts von der Stadt ist jedoch
nicht groß genug, um diese vor einer Beschießung
sicher zu stellen.
3) Spezia, im Golf della Spezia des Ligurischen
Meers gelegen, einer der größten, sichersten und be-
quemsten Häfen Europas, ist seit 1801 Hauptkriegs-
hafen von Italien und wird als solcher noch fort-
dauernd ausgebaut; große Dockanlagen und ein
ungeheures Arsenal machen diesen Platz zu dem
wichtigsten für die Kriegführung; 18 Forts und
Batterien schließen die Festung von der LaMeite
ein, 16 beschützen den Golf und die Seefront.
Genua, ebenfalls am Ligurifchen Meer, besitzt
eine starke und ausgedehnte Hauptumwallung im
Vastionairtracs, welche ein zahlreicher Fortgürtel
einschließt; auf der Sceseite sind 16 Batterien an-
gelegt, deren Wirkungssphäre sehr bedeutend ist.
Der neue Handelshafen hat eine viel größere Be-
deutung als der alte, daneben gelegene Kriegs-
hafen. Venedig, liegt 4 km vom Festland in den
Lagunen und ist durch lange Dämme und Mauerwerk
(Nura^i) gegen das Meer geschützt. Die Wasser-
stadt enthält ein sehr bedeutendes Arsenal und
militär. Werkstätten und ist mit einem weitläufigen
Apparat von Festungswerken aller Ar^ sowohl im
Innern der zerstreuten Stadtteile, wie gegen die
Zugänge von der See, und gegen die einzige Ver-
bindung mit dem Festlande ausgerüstet, im ganzen
96 verschiedene Anlagen, teils Redonten, Fleschen,
Batterien und kleine Forts. Tarent, ein aus-
gezeichneter Naturhafen, ist in neuester Zeit in der
Umwandlung zum Kriegshafen begriffen. Weit ab-
liegende Forts follen den Schutz von Stadt und
Hafen übernehmen.
Die Insel Sardinien besitzt einen großen
Kriegshafen auf der dicht vor der nordöstl. Spitze be-
legenen kleinen Insel M addalena, welcher die zur
Vcherrfchung des Tyrrhenischen Meers bestimmte
Flotte aufzunehmen geeignet ist. Mit der Insel
Maddalcna ist jetzt auch die dicht dabei gelegene
kleine Insel Caprera durch einen Damm verbunden
worden, sodaß beide eine Insel bilden; sechs Forts
in Verbindung mit einigen Küstenwerken sind an
geeigneten Punkten der Insel errichtet und enthalten
große Magazine für Lcbensmittel, Munition, Koh-
len und allerlei Streitmittel, auch Kasernen und Laza-
rette. Der große und sichere Hafen von Messina,
auf der Insel ^icilien, wird an der See- und Land-
seite durch je drei starke Forts geschützt. Zur Siche-
rung der Meerenge ist auf der sicil. ^eite eine
Neihe von zum teil gepanzerten Batterien errichtet;
an der Calabrischen Küste wechseln Forts und Bat-
terien von Reggio bis Scilla miteinander ab. Die
seit langem bestehende Absickt, im Mittelpunkte der