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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Italienische Sprache

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Italienische Sprache

Kücken und Frühreife aus; sein Fleisch ist wenig wert. – Aus Italien kommen auch bunte Hühner mit der Kammform der echten Italiener, aber mit dunkeln Läufen, nach Deutschland. Ihr Wert steht hinter dem der gelbfüßigen I. H. zurück.

Italienische Sprache, dasjenige roman. Idiom, das als Verkehrs- und Litteratursprache im Königreich Italien, auf Corsica, im schweiz. Kanton Tessin, in einigen Thälern des Kantons Graubünden und in Triest gesprochen wird. Im Mittelalter heißt die I. S. meist Lingua vulgaris (volgare) zum Unterschied von dem Latein, das als Grammatica oder «Grammatice loqui» bezeichnet wurde. – Keineswegs war aber diese neue vulgäre Sprache in allen Teilen Italiens die nämliche, vielmehr zerfiel sie in eine große Menge verschiedener Mundarten, die gegenwärtig noch allenthalben im Verkehr des gewöhnlichen Lebens, selbst von den höhern Ständen gebraucht werden und teilweise eine nicht geringe litterar. Ausbildung erhalten haben. Am eigenartigsten sind die Dialekte des mittlern und nördl. Sardinien, die sich durch hohe Altertümlichkeit in Lauten und Formen vor allen andern roman. Sprachen auszeichnen. Auf dem Festland ist ein starker Gegensatz zwischen der Sprache diesseit und jenseit der Apenninen zu beobachten. Diesseits nimmt wiederum das Venetianische durch seine nahe Verwandtschaft zum Toscanischen eine besondere Stellung ein. Das Piemontische, Lombardische, Genuesische und Emilianische werden unter dem Namen Galloitalienisch zusammengefaßt wegen mancher Übereinstimmungen mit dem Französischen. Nasalvokale und konsonantische Auslaute sind allen, die Mischlaute ü und ö den drei ersten gemein, wogegen die Tilgung von auslautend s und t und der Wandel von pl zu pi (pianta aus planta) sie vom Französischen trennt und dem Italienischen beigesellt. Jenseit des Apennins hat sich aus dem Toscanischen oder richtiger aus dem Florentinischen die Schriftsprache entwickelt. Ihm schließen sich die Mundarten von Pisa, Lucca und Siena an und seit dem 16. Jahrh. auch das Stadtrömische, das früher mit dem Aretinisch-Umbrischen eine besondere Gruppe bildete, die einerseits zum Emilianischen, andererseits zum Süden hinüberführt. Hier ist zunächst das Neapolitanische mit der Molise zu nennen, dann die an eigentümlichen Diphthongen reichen Mundarten der Abruzzen und der Südostküste, endlich das litterarisch reich gepflegte Sicilianische, dem sich Calabrien und Südapulien anschließen. Die noch wenig bekannten Mundarten Corsicas und Nordsardiniens scheinen zum Mittelitalienischen zu gehören. – Vgl. Ascoli, L’Italia dialettale (im «Archivio glottologico italiano», ⁦Ⅶ); W. Meyer in Gröbers «Grundriß der roman. Philologie».

Gemeinsam in ganz Italien außer Sardinien ist der Schwund von auslautend s und t (tempo = tempus, ama = amat), die Anlautsgruppen st, sc, sp (vgl. stato, aber span. estato, frz. été), der Wandel von cl zu chi (chiamare), die Neigung zum daktylischen Rhythmus (uómini, fémine), worin die Schriftsprache von manchen Mundarten noch übertroffen wird. In der Flexion sind die Plurale auf a (le braccia) zu merken, die ihren Ausgangspunkt im lat. Plural der Neutra haben und um so zahlreicher werden, je weiter man nach Süden kommt. Auch die Bildung des Konditionals mit dem Perfekt statt mit dem Imperfekt von habere (amerebbe ^[Spaltenwechsel] = amare ebbe) ist eigenartig. Die ältesten Denkmäler der I. S. reichen nicht über das 12. Jahrh. hinaus, am besten finden sie sich zusammengestellt bei Monaci, Crestomazia italiana dei primi secoli (Città di Castello 1889).

Schon seit dem 12. Jahrh. findet sich neben den Mundarten, wie Dante richtig bemerkt, eine edlere, d. h. den ursprünglichen röm. Formen näher stehende Sprache, die zuerst in Sicilien am Hofe Friedrichs II., dann aber auch von den meisten Dichtern in allen Landstrichen Italiens gebraucht wird. Mit dem 14. Jahrh. verschwinden, wenigstens in der Poesie, die Spuren sowohl mundartlicher Verschiedenheit als auch franz. und provençal. Formen und Ausdrücke, die bei den ältesten Schriftstellern noch sehr häufig vorkommen. Die Sprache der Poesie ist vorzüglich von Dante mit vollem Bewußtsein, später von Petrarca ausgebildet worden; diese Sprache ist wesentlich die nämliche geblieben seit den Zeiten Dantes bis auf die Gegenwart. Nicht ganz so verhielt es sich mit der Prosa. Die ältesten Schriftsteller waren auch hier Toscaner oder Florentiner, und unter ihnen nimmt Boccaccio mit Recht den ersten Rang ein; nur daß derselbe, durch das Studium der alten Klassiker verleitet, seiner Sprache eine unnatürliche Fülle und einen schwerfälligen Periodenbau zu geben suchte, welcher lange Zeit die ital. Prosa entstellte und bis in die neueste Zeit Nachahmer fand. Da es Italien an einem Mittelpunkte der nationalen Gesamtbildung fehlte, auch kein Prosaiker so überwiegenden Einfluß zu gewinnen vermochte, daß er allgemein als Muster und Vorbild hätte betrachtet werden können, so geschah es stets, daß bei dem Erscheinen eines bedeutendern Schriftwerkes über dessen stilistischen Wert, oft sehr heftig, gestritten wurde. Am verderblichsten hat im 17. und bis über die Mitte des 18. Jahrh. hinaus der Einfluß des Französischen auf die I. S. gewirkt, indem viele Italiener aus Vorliebe für die Franzosen und deren damalige philos. Bildung dahin gelangten, die Eigentümlichkeiten ihrer edeln Sprache zu verleugnen und im Grunde Französisch mit ital. Worten zu schreiben. Erst in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrh. und im Anfang des 19. machten ebenso patriotisch gesinnte als gründlich gebildete Männer, wie Monti, Perticari u. a., diesem Unwesen ein Ende. So hat die I. S. sich nicht einer stetigen, gleichförmig fortschreitenden Ausbildung erfreut, wohl aber mehrere Schwankungen des Steigens und Fallens erlebt; wie denn die Zeit Dantes, Petrarcas, das 14. Jahrh., von den Italienern mit Recht das erste Goldene Zeitalter ihrer Sprache, daher il buon secolo genannt wird. Nach kurzer Vernachlässigung im 15. Jahrh., wo das Studium der klassischen Sprachen die Teilnahme aller Gebildeten im höchsten Maße in Anspruch nahm, erhob sie sich im 16. durch Ariosto und Tasso zu dem höchsten Gipfel formeller Ausbildung, um im 17. und 18. dem verderblichen Einfluß des Gallicismus zu unterliegen und dann wieder einer neuen Regeneration entgegen zu gehen, in der nun aber vor allem der Streit wieder entbrannte, ob die Schriftsprache auch in ihren Wörtern und Konstruktionen rein florentinisch sein müsse. Nachdem auch nordital. Schriftsteller, wie der Mailänder Manzoni, der Piemontese De Amicis, in Wort und Text für die verfeinerte Umgangssprache des Florentiners aufgetreten sind, scheint sich der Streit etwas beruhigt zu haben. – Vgl. H. Breitinger, Das Stu-^[folgende Seite]