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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Jacq. - Jacquerie
Dijon, studierte zuerst Philologie daselbst und wurde
kurze Zeit Lehrer der klassischen Sprachen, ging darauf
zum Studium der Jurisprudenz über und wurde Ad-
vokat. 1792 trat er ins Heer ein und rückte bis zum
Kapitän der Artillerie auf; später wurde er Sekre-
tär im Kriegsministerium, und nachdem er einige
Zeit Substitut des Direktors der Polytechnischen
Schule und Professor der Mathematik u. s. w. in
Paris gewesen war, ging er 1815 nach Brüssel,
wurde 1818 Professor der franz. Sprache und Litte-
ratur in Löwen und übernahm 1827 die Leitung
einer höhern Kriegsschule daselbst. 1830 kehrte er
nach Frankreich zurück. Er starb 31. Juli 1841 in
Paris. 1818 trat I. mit seiner neuen Unterrichts-
methode hervor, deren Grundsätze etwa solgende
waren: "Alle Menschen haben gleiche Intelligenz"
und "alles ist in allem"; "Wisse eins und beziehe
darauf alles andere"; "Man behält nur, was man
oft wiederholt"; "Jeder kann sich selbst unterrichten
ohne erklärenden Lehrer"; "Jeder kann unterrichten,
selbst was er nicht weih". In Beziehung auf das
Lernen, das Erwerben von Kenntnissen, das Er-
kennen und die Einsicht in das Wesen der mensch-
lichen und natürlichen Dinge, die durch die Erfah-
rung geboten werden, stellt I. die unausgesetzte
Übung und Stärkung des Gedächtnisses an die
Spitze. Der Sprachunterricht, namentlich der Lese-
unterricht, ist in seiner Methode am weitesten ent-
wickelt worden. Er geht dabei von einem Ganzen
(im Französischen von Fe'nelons ^ölkinH^ue) aus,
zergliedert die einzelnen, vorher dem Gedächtnisse
fest eingeprägten Sätze und sucht durch Zusammen-
stellung der so gewonnenen gleichartigen Elemente
ein klares Verständnis herbeizuführen. Die neuere
Pädagogik hat einige Principien I.s adoptiert,
insbesondere gründet sich die gegenwärtig verbrei-
tetste Schreib-Lesemethode, die sog. Normalwörter-
methode, aus I. Er schrieb "Ußtlioäs ä'eiiLoiFiie-
m6nt nniv6r86i" (Löwen 1822 u. ö.; übersetzt und
erläutert von Braubach, Marb. 1830, und von Krie-
ger, Zweibr. 1833). - Vgl. Seltzsam, Der Geist der
I.schen Methode (2. Aufl., Bresl. 1853).
t/tte?H., bei naturwissenschaftlichen Namen Ab-
kürzung für Nikol. Ios., Freiherr von Iacquin (s. d.).
"/ttoH. </. ^., hinter lat. Namen von Insekten
Abkürzung für Camille Iacquelin du Val (spr.
schack'läng dü wall), einen franz. Entomologen.
Iacquand (spr. schackäng), Claudius, franz.
Maler, geb. 6. Dez. 1805 in Lyon, war in Mar-
seille Schüler von Fleury Richard und kam 1833
nach Paris, wo er mit seinen Historienbildern große
Erfolge erzielte; so erhielt er 1836 eine Medaille
erster Klaffe. Er starb 3. Mai 1878. Hervorzuheben
sind von seinen Gemälden: Tod des jungen Gaston
de Foix (1839; Museum in Leipzig), Kapitelsitzung
der Ishanniterritter (1839), Einnahme Jerusalems
durch Jakob von Molay (1846; beide im Museum
' zu Versailles), Karl V. im Kloster St. Iuste (1847),
Zigeunerbande vor ihrem Richter (München, Neue
Pinakothek), Letzte Iusammenkunst Karls 1. von
England mit seinen Kindern (1855), Tod des Her-
zogs von Orlöans. Ferner schuf er 1858-60 Wand-
gemälde in der Kirche St. Philippe de Roule zu Paris.
Jacquard (spr. schackahr), Joseph Marie, nach
andern Charles, der Erfinder des Iacquardmechanis-
mus (s.Weberei), geb.7.Juli 1752 zu Lyon, war als
Kind in einer Fabrik broschierter Seidenstoffe be-
schäftigt, wurde dann Vuchbinderlehrling, hierauf
Schriftgiehergehilfe, wendete sich aber später der
Seidenweberei wieder zu und richtete 1772 bei Lyon
eine Werkstätte für gemusterte Seidenstoffe ein. Doch
hatte er hiermit kein Glück und muhte in einem Gips-
bruch zu Bugey bei Lyon Beschäftigung fuchen. Als
Teilnehmer an der Verteidigung Lyons gegen die
Armee des Konvents floh er nach der Übergabe der
Stadt 1793 und diente bis 1795 in der Rhein-
armee. Nach Lyon zurückgekehrt, widmete er sich
mit Eifer der Verbesserung der sog. Zugstühle (der
zu jener Zeit zum Weben gemusterter Stoffe all-
gemein gebräuchlichen Vorrichtungen). 1801 konnte
er einen allerdings noch unvollkommenen Apparat
im Modell und im folgenden Iabre im großen aus-
führen. Veranlaßt durch eine Preisaufgabe, kon-
struierte er hierauf eine Maschine zum Netzstricken,,
die ihm 1804 eine goldene Medaille und eine Staats-
belohnung von 3000 Frs. sowie eine Anstellung im
^0N86!'vHt0ii'6 ä68 Ni'tZ 6t mstiei'Z in Paris vere
schaffte. Als er hier die Reste einer von Vaucanson
für die Musterweberei bestimmten, böchst kompli-
zierten Maschine sah und sie wiederherstellte, er-
kannte er die als Grundlage einer zweckmäßigern
Maschine beizubehaltenden Bestandteile. Bald dar-
auf kehrte er nach Lyon zurück und hatte bis 1808
seinem Apparat eine völlig neue Gestalt gegeben.
Schon 1812 zählte man in und um Lyon 18000
Iacquardstühle. ^eit 1815 verbreiteten sie sich auch
nach andern Ländern; 1834, beim Tode des Er-
finders, waren mehr als 30000 derartige Webstühle
im Gebrauch; gegenwärtig hat die Erfindung I.s
überall die früher üblichen Vorrichtungen zum
Musterweben säst ganz verdrängt. I< starb 7. Aug.
1834 in Oullins bei Lyon; 1840 wurde ihm in
Lyon ein bronzenes Standbild errichtet. - Vgl.
Kohl, Geschichte der Jacquardmaschine nebst der
Biographie I.s (Berl. 1873); Grandsard, ^., 8k
vi6 6tc. (Lille 1869; 2. Aufl. 1875).
Iacquardmechanismus, s. Weberei.
Iacque (spr. schack), Charles, franz. Maler und
Radierer, geb. 23. Mai 1813 m Paris, ha: sich
besonders durch Radierungen, Landschaften und
Tierstücke einen Namen gemacht. Seit 1851 mehr-
fach mit Medaillen für seine Leistungen bedacht,
erhielt er 1889 auf der Weltausstellung die goldene
Medaille. Er veröffentlichte "I^s I'ouiaiiisi'", d. i.
eine Monographie über einheimische und fremd-
ländische Hühner (1858; 2. Aufl. 1861).
Iacqueiraholz, Iaqueiraholz (spr. scha-
keira-), Jak- oder Iackholz, das Stammholz von
^rtocki'Ms intkFi'it'oIiH ^. (s. ^i-too^i-Ms). Frisch
geschnitten sieht es gelb aus, dunkelt aber mahagoni-
ähnlich nach. Man benutzt es in Ostindien als Mö-
bel- und Bauholz, in England in der Kunsttischlerei
und Drechslerei.
Iacquemart (spr. schackmahr), Jules, franz.
Kupferstecher, geb. 3. Sept. 1837 in Paris, gest.
26. Sept. 1880 in Nizza. Seine Blätter nach
Meissonier, Reynolds, Greuze, Hals u. a., beson-
ders die nach Rembrandt, gehören zu den besten
Radierungen, besonders aber zeichnete er sich aus
in der Wiedergabe toder Gegenstande, in der geist-
reichen, äußerst malerischen Behandlung von Stra-
ßenansichten u. dgl. Derartige Leistungen enthalten
die "6a26tt6 ä63 dekux-artL" und andere Pariser
Kunstblätter. Zu den "(F6min63 6t ^o^kux äe ia oou-
roQns" von Barbet de Iouet, ferner zu den Werken
seines Vaters hat I. gute Radierungen geliefert.
Iacquerie (spr. schack'rih), Name des großen
Bauernaufstandes, der 1358 durch die Auflösung"