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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Japanische Bantams; Japanische Cypresse; Japanische Ente,; Japanische Erde; Japanische Kunst

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Japanische Bantams – Japanische Kunst

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Japan (Geschichte)'

keiten. Der Gegensatz spitzte sich besonders in der letzten Sitzung (1892/93) zu. Das Unterhaus verweigerte die Bewilligung für den Bau von Kriegsschiffen, weil es zum jetzigen Marineministerium kein Vertrauen habe. Da keine Einigung zu stande kam, richtete das Unterhaus eine Adresse an den Kaiser und legte in derselben seine Gründe für die Ablehnung und Beschwerden dar. Die Antwort erfolgte sehr bald. Er ermahnte das Parlament zu einmütigem Handeln mit dem Ministerium, man könne nicht sparen, wo es sich um die Verteidigung des Landes handle. Um die Mittel trotz des ablehnenden Votums des Unterhauses zu beschaffen, befahl er allen Beamten, ein Zehntel ihres Gehaltes auf 6 Jahre abzugeben, er selbst stellte ebenfalls den zehnten Teil seiner Einkünfte zur Verfügung. Der Ministerpräsident Graf Ito versprach außerdem, die thunlichsten Beschränkungen und Ersparnisse in der Verwaltung einzuführen. Die Opposition im Unterhaus drängt auf eine parlamentarische Regierung, wie sie in England besteht, hin und richtet ihre Angriffe gegen die einseitige Zusammensetzung des Ministeriums aus den Mitgliedern der südl. Clane Satsuma, Nagato und Tosa.

Was die Territorialveränderungen in neuester Zeit anbetrifft, so wurde 1875 der südl. Teil der Insel Sachalin an Rußland abgetreten und dafür der größte Teil der Kurilen eingetauscht; auch vergrößerte sich das Areal des Staates 1876 durch die Besitzergreifung der Bonin-Inseln; ferner wurden in demselben Jahre die Liu-Kiu-Inseln, die bis dahin den Herrscher J.s nur als ihren Lehnsherrn anerkannt hatten, unter dem Namen Okinawaken dem Japanischen Reiche einverleibt; der König dieser Gruppe, Shotai, wurde nach Tokio berufen und ihm hier ein Palast zum Aufenthalt angewiesen. Die Beziehungen zu den europ. Mächten waren gute und wurden auch nicht getrübt durch das Attentat, das ein fanatischer Polizist bei dem Besuche des russ. Thronfolgers (1891) in Otsu am Biwasee auf diesen machte, wobei er den Prinzen leicht verwundete. Wiederholt besuchten auch nahe Verwandte des japan. Kaisers die Höfe Europas. Das Deutsche Reich machte Jokohama zu einer Flottenstation und erbaute hier ein Marinelazarett.

Litteratur zur japanischen Geschichte. Fast jedes ausführlichere Werk über J. enthält einen Abriß der Geschichte (s. oben S. 862 b). Le J. à l'Exposition universelle (1878); Adams, History of J. (Lond. 1874–75; deutsch Gotha 1876); Thorpe, History of J. (ebd. 1885); Lamairesse, Le Japon, histoire, religion, civilisation (Par. 1892). Die neueste Zeit allein behandeln: Moßmann, New J. (Lond. 1873); Satow, Kinsei Shiryaku (Jokohama 1873). Die Verträge J.s mit dem Auslande finden sich in einer von der japan. Regierung veranstalteten Ausgabe (Tokio 1884).

Japanische Bantams, Zwerghühner, s. Chabos.

Japanische Cypresse, s. Cryptomeria.

Japanische Ente, eine 1878 aus Japan eingeführte große Ente, die alle andern Entenschläge an Größe übertrifft, mit langem Körper und verhältnismäßig langem Halse und daher sehr aufrechter Haltung, von stockentenähnlicher Färbung. Ob sie ein sich konstant vererbender Entenschlag ist, ist nicht endgültig entschieden.

Japanische Erde, s. Katechu.

Japanische Kunst. Die handelspolit. Verbindungen, welche Japan in letzter Zeit mit Europa ↔ angeknüpft hat, haben nicht nur neue Aufschlüsse über seine staatlichen Verhältnisse und Kultur gebracht, sondern auch insbesondere den Blick auf die Kunst und Industrie jenes ostasiat. Inselreichs gelenkt. Bis dahin ging die Kenntnis nicht hinaus über eine Anzahl Lackarbeiten und einiges Porzellan, das man nicht einmal vom chinesischen zu unterscheiden vermochte. Nun hat man mit Erstaunen gesehen, daß in Japan eine Kunst vorhanden ist, die selbst eine Geschichte besitzt, eine Kunst, die sich zwar mit einer gewissen Bizarrerie der europ. Kunst direkt entgegenstellt, sich aber durch eine scharfe Beobachtung der Natur und charakteristische Wiedergabe derselben auszeichnet. (Hierzu die Tafeln: Japanische Kunst I und II.)

1) Baukunst. Unsere Kenntnis des japan. Baustils ist noch ziemlich gering; er ist stark vom chinesischen beeinflußt, doch ist er unentwickelter, aber auch reiner in seinen Formen geblieben als dieser. Die Tempel (Mia), auf Hügeln oder in der Mitte von Hainen gelegen, sind von Kapellen, sämtlich auf Stäben stehend, von verschiedener Gestalt umgeben; ihre Dächer sind weit ausladend, geschweift und mit Ziegeln oder Kupfer gedeckt. Die Wohnhäuser, meist aus Holz, haben fast alle nur ein Stockwerk oder wenigstens ein niedriges zweites; die Zimmer sind bloß durch span. Wände getrennt, können daher vergrößert oder verkleinert werden.

2) Malerei. Die japan. Malerkunst ist chines. Ursprungs und wird auf einen chines. Maler, Nanriu oder Shin-ki, der sich im 5. Jahrh. n.Chr. in Japan niedergelassen hat, zurückgeführt. Durch die im 6. Jahrh. erfolgte Einführung des Buddhismus erhielt die Malerei einen mächtigen und nachhaltigen Impuls. Die bis auf den heutigen Tag in dem Tempel Hōriūji in Nara erhaltenen buddhistischen Wandmalereien gelten für das älteste Denkmal aus jener Zeit. Zunächst verblieb die Malerei ausschließlich in den Händen von Chinesen und Koreanern. Unter den einheimischen Künstlern der ältesten Zeit nimmt Kose-no Kanaoka (8. Jahrh.) die erste Stelle ein, dessen bedeutendste Schöpfung, das Bildnis des Shotoku Daishi, noch heute im Kloster Ninnaji in Kioto aufbewahrt wird. Seine Nachkommen lassen sich bis in das 15. Jahrh. verfolgen und zeichneten sich besonders als Maler buddhistischer Stoffe aus. Allmählich wandten sich die japan. Maler auch nationalen Stoffen zu, so Sō-ken, während die buddhistische Kunst, Butsu-ye, bis auf die Gegenwart herab ihre eigenen Pfade gewandelt ist und in Chō Densu (gest. 1427) ihren Höhepunkt erreichte. Die buddhistische Malerei unterscheidet sich von den weltlichen Schulen, abgesehen von den behandelten Gegenständen, besonders durch das Streben nach Farbenpracht und dekorativem Effekt, so unter anderm durch die Einführung und reichliche Verwendung von Gold. Die Gründung der nationalen Malerschule, Yamato-riū genannt, wird auf Kasuga Motomitsu (11. Jahrh.) zurückgeführt. Im 13. Jahrh. nahm diese Schule von ihrem damaligen Hauptvertreter Fujiwara-no Tsunetaka den Namen Tosa an, welchen sie seitdem auch behalten hat. Sie behandelt mit Vorliebe Stoffe aus der einheimischen Sage und Geschichte. Zu ihren Eigentümlichkeiten gehört die große Zartheit der Zeichnung (bedingt durch die besondere Feinheit der von den Tosamalern gebrauchten Pinsel), eine ausgesprochene Vorliebe für das Detail und eine gewisse konventionelle Manieriertheit in der Behandlung menschlicher Figuren. Zu ihren

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 870.