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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Japanische Sprache, Schrift und Litteratur; Japanisches Huhn; Japanisches Meer; Japanisches Porzellan

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Japanisches Huhn – Japanische Sprache, Schrift und Litteratur

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Japanisches Heerwesen'

gatten-, 30 Korvettenkapitänen, 135 Lieutenants, 124 Unterlieutenants, 100 Fähnrichen, 80 Aspiranten, zusammen 509 Offizieren, 865 Unteroffizieren, 3500 Matrosen und 500 Arbeitern.

Japanisches Huhn, s. Jokohamahuhn.

Japanisches Meer, das mittlere der ostasiat. Randmeere, der gegen O. von dem japan. Inselreiche, gegen W. von der Halbinsel Korea und der jetzt zu Rußland gehörenden Küste des Amurlandes begrenzte Teil des Großen Oceans. Der südl. Eingang ist die Straße von Korea zwischen der Halbinsel und der japan. Insel Kiushiu, der nördl. Ausgang die Meerenge zwischen dem Amurlande und der Insel Sachalin, der Tatar-Golf. Außerdem führen noch drei Seewege in den offenen Ocean, die die japan. Inseln Kiushiu und Nipon trennende Meerenge, die Sangar- oder Tsugarustraße zwischen Nipon und Jesso und die Straße von La Pérouse zwischen Jesso und Sachalin. Das J. M. ist im allgemeinen seicht, namentlich an der japan. Küste (kaum 200 m). Zwischen der Broughton-Bai (Bai von Korea) und der Wladimir-Bai erstreckt sich aber ein etwa 2000 m tiefes Becken. Auch die Zugangsstraßen sind seichter als 200 m.

Japanisches Porzellan, s. Japanische Kunst.

Japanische Sprache, Schrift und Litteratur. Die japan. Sprache stimmt in ihrem Wort- und Satzbau besonders mit den ural-altaischen, ohne daß sich jedoch irgend welche wirkliche Verwandtschaft mit einer jener Sprachen nachweisen ließe, überein. Das Japanische ist eine agglutinierende und zwar durchaus suffigierende Sprache; d.h. sie bringt die grammatischen Verhältnisse und Wandlungen durch Partikeln zum Ausdruck, die den Wörtern angehängt werden. Der Lautvorrat der japan. Sprache setzt sich aus 19 Lauten, 14 Konsonanten und 5 Vokalen, zusammen (zu bemerken ist, daß der l-Laut gänzlich fehlt). Mit deren Hilfe hat man 47 oder (mittels einiger Lautveränderungen) 72, ursprünglich ausnahmslos offene Silben gebildet. Es giebt weder Diphthonge, noch eigentlich Doppelkonsonanten; dagegen sind der Sprache lange Vokale und Konsonanten eigen. Die 72 Silben – entweder jede einzeln für sich, oder mehrere zu einem Ganzen verbunden - lieferten den Wortschatz der alten japan. Sprache, die jedoch in ihrer Einfachheit und Reinheit nicht erhalten geblieben ist. Zuerst durch die Koreaner mit der chines. Sprache bekannt gemacht, nahmen die Japaner in ihre Sprache sehr bald eine große Menge chines. Wörter auf, die sich dem japan. Lautstande anschmiegten und teils allein, teils in Zusammensetzung mit japan. Bestandteilen sich einbürgerten. Durch diese fremdsprachlichen Elemente, deren Eindringen noch heute kein Ende gefunden hat, sowie eine gewisse Künstlichkeit im Satzbau, hat das heutige Japanisch einen wesentlich andern Charakter erlangt, als das alte. Doch macht sich seit den letzten Jahren eine rückläufige Bewegung geltend, die Beschränkung des chines. Einflusses und Förderung der alten Sprachreinheit zum Ziel hat. Scharf zu scheiden ist die gesprochene und geschriebene Sprache. Eine große Anzahl von Formen, Wörtern, Wendungen und Konstruktionen, die jener geläufig sind, dürfen in dieser gar nicht zur Anwendung kommen. Auch ist die Umgangssprache besonders charakterisiert durch eine Menge von Ausdrücken, deren Wahl von dem Grade der Achtung abhängt, die man der besprochenen oder angeredeten Person zuerkennt; ↔ dasselbe gilt von den Fürwörtern. Besondere Beachtung ist endlich auch noch der Sprache im Briefe zu schenken, die in manchen Beziehungen wiederum Abweichungen von dem sonst üblichen Bücherstile zeigt. Auch hier spielen die Höflichkeitsformen eine ganz bedeutende Rolle. In der Grammatik ist die Lehre von den Partikeln von besonderer Wichtigkeit. Durch Partikeln wird z.B. die Deklination der Nomina ersetzt; Partikeln dienen zum Ausdruck der syntaktischen Verhältnisse (attributives Verhältnis der Nomina und ganzen Sätze zu einem Worte; Kausalität, Konzessivität u.s.w. beim Verbum). Stellungsgesetze thun das übrige. Zu bemerken ist ferner die Anwendung von sog. Klassenwörtern bei den Zahlen. Wie man im Deutschen z.B. nicht sagen kann: sechs Vieh, sondern hinzufügt «Stück», also: sechs Stück Vieh, so im Japanischen. Und zwar giebt es solcher Klassenwörter für eine große Anzahl von Gruppen verschiedene. Komposita, sowohl nominale, als auch verbale, bildet die japan. Sprache zahlreich und zwanglos. Zu besonders leichter und gefälliger Ausdrucksweise ist der japan. Satzbau nicht gerade geeignet; er behält immer etwas Schweres und Schleppendes.

Die Schrift der Japaner hält die Richtung wie die chinesische inne; man schreibt von oben nach unten in senkrechten Reihen, die aufeinander von rechts nach links folgen. Die Japaner bedienen sich dreier verschiedener Schriftgattungen:

  • 1) des Firakana (Hirakana),
  • 2) des Katakana,
  • 3) der chines. Wortzeichen.

Die gebräuchlichste Schriftform ist eine Verbindung der chines. Wortschrift mit der japan. Silbenschrift, wobei die Wortstämme durch die erstere, die Flexionsendungen durch die letztere wiedergegeben werden. Das Hirakana ist eine Silbenschrift und besteht aus ursprünglich chines. Wortzeichen, deren jedes eine Silbe darstellt. Diese Silben bestehen teils aus einem einzigen Vokal, teils aus einem Konsonanten in Verbindung mit folgendem Vokal. Da beim Schreiben des Hirakana die Zeichen vielfach miteinander verbunden werden, oft auch von dem Schreibenden mit einer gewissen Willkür verwirrt werden, so ist diese Schrift nicht selten schwierig zu entziffern, umsomehr, da das Ende der einzelnen Wörter nicht gekennzeichnet wird. Neuerdings ist für den Druck eine vereinfachte Form des Hirakana eingeführt worden, indem jede Silbe nur durch ein Zeichen vertreten wird, während nach der ältern Schreibweise eine ganze Anzahl verschiedener Schriftzeichen für eine und dieselbe Silbe im Gebrauch waren. Nicht so häufig kommt das Katakana zur Anwendung; es ist gleichfalls eine Silbenschrift. Beiden Schriftsystemen gehören noch die Hilfszeichen: Nigori und Maru an, von denen das erste den anlautenden Konsonanten erweicht (also k zu g u.s.w.), das zweite das anlautende h in p (nach der japan. Grammatik) verhärtet. Man hat versucht, die Transskription der japan. wie chines. Schrift durch lat. Buchstaben einzuführen, indessen mit geringem Erfolge, denn ein Verein, der sich diese Aufgabe gestellt und sogar durch eine Zeitschrift seine Bestrebungen zu fördern gesucht hatte, ist wieder eingegangen.

Die japan. Litteratur ist sehr reich in allen Fächern. Außer einer Anzahl histor. Werke nimmt von den in Europa bis jetzt näher bekannten Werken die große chines.-japan. Encyklopädie (105 Bde., Jedo 1714) den ersten Rang ein. Von allen Provinzen und wichtigen Städten des Reichs giebt es

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 873.