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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Jean; Jean Charles; Jeanet; Jeanne; Jeanne d’Albret; Jeanne d’Arc

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Jean – Jeanne d’Arc

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Jeaffreson'

Manuskripte. Als Biograph hat er sich durch sein «Life of Robert Stephenson» (1864) und durch die Werke «The real Lord Byron» (2 Bde., 1883), «The real Shelley» (2 Bde., 1885), «Lady Hamilton and Lord Nelson» (2 Bde., 1888) und «The Queen of Naples and Lord Nelson» (2 Bde., 1889) bekannt gemacht. 1890 erschien die Novelle «Cutting for partners», 1893 ein Lebensbild der Königin «Victoria, Queen and Empress» (2 Bde.).

Jean (frz., spr. schang), Johann.

Jean Charles, Pseudonym für Karl Joh. Braun (s. d.), Ritter von Braunthal.

Jeanet (frz., spr. schaneh), soviel wie Englisches Leder.

Jeanne (frz., spr. schann), Johanna.

Jeanne d’Albret (spr. schann), s. Albret.

Jeanne d’Arc (spr. schann dark) oder D’Arc, Darc, D’Ay, Daix, die Jungfrau von Orléans (la Pucelle), geb. 6. Jan. 1412 als die Tochter wohlhabender Landleute in dem Dorfe Domrémy-la-Pucelle (s. d.), wurde, gleich ihren vier Geschwistern, in patriarchalisch-bäuerlicher Einfachheit erzogen. Die Annahme, daß J. d’A. von den physischen Eigentümlichkeiten und Schwächen ihres Geschlechts nicht berührt wurde, und hierin eine der wesentlichsten Ursachen ihrer Ekstasen und Visionen wie aber auch andererseits der bewundernswerten Ausdauer ihrer Körperkräfte zu suchen sei, ist durch nichts zu beweisen. Im Alter von 13 J. glaubte sie zum erstenmal, eine überirdische Stimme zu hören, die sie zur Sittsamkeit und zu fleißigem Kirchenbesuche ermahnte. Indes hat derartige Zustände visionärer Verzückung das religiöse Empfindungsleben des Mittelalters an Tausenden hervorgebracht; das Neue war erst die nationale Richtung, die sie unter dem Elend der Zeit bei J. d’A. nahmen.

Durch die Eroberungen Heinrichs V. hatten die Engländer im Bündnis mit der Königin Isabeau und dem Herzog von Burgund mehr als die Hälfte von Frankreich an sich gerissen. Im südl. Frankreich behauptete sich noch der schwache Dauphin, nachmals König Karl VII., doch war er während der Belagerung von Orléans durch die Engländer im Okt. 1428 in die bedrängteste Lage geraten. Da erhielt J. d’A. durch ihre Stimmen und in Träumen den Auftrag, jene Stadt zu entsetzen und den Dauphin nach Reims zur Krönung zu führen. Sie wandte sich Jan. 1429 heimlich an Baudricourt, den Befehlshaber von Vaucouleurs, der sie in männliche Tracht und Rüstung zum Dauphin nach Chinon sendete, wo sie 6. März eintraf. Karl, dem sie hier ihren überirdischen Beruf mitteilte, konnte sich zunächst nicht davon überzeugen. Erst nachdem zu Poitiers angesehene Männer die Herkunft und den Wandel J. d’A.s geprüft hatten, zweifelte man nicht länger an ihrer höhern Sendung. Nach manchen Verzögerungen zog endlich die 17jährige Jungfrau in Männertracht, mit einem Schwerte aus der Kirche zu Fierbois und einer weißen, mit Lilien geschmückten Fahne ausgerüstet, an der Spitze begeisterter Scharen nach Orléans, das Dunois verteidigte. Am 29. April 1429 warf sie sich mit Lebensmitteln in die Stadt (die übrigens niemals vollständig eingeschlossen gewesen war) und vom 4. bis 8. Mai vertrieb sie in verschiedenen Ausfällen die Engländer aus ihren Schanzen und nötigte sie, die Belagerung aufzuheben. J. d’A. wurde nach diesem wichtigen Siege bei den durch jahrelange Niederlagen entmutigten Franzosen der Gegenstand religiöser Verehrung. Ungeachtet dieser Huldigungen blieb J. d’A. ↔ weiblich bescheiden. Nur wenn kriegserfahrene Männer ihren kühnen Anordnungen widersprachen, berief sie sich bestimmt auf ihre göttliche Sendung. Gegen Hohe und Niedere wußte sie ihre weibliche Würde streng zu bewahren; in der Schlacht und bei der Verfolgung erwies sie sich von schonungsloser Härte gegen den Feind. Nach der Befreiung von Orléans verfolgte sie, unterstützt von dem Herzog von Alençon, dem Connétable Richemont, Dunois und Saintrailles, die Engländer, die schleunigst die Loirelinie räumten, und schlug deren Führer Talbot 18. Juni bei Patay. Nun konnte sie es wagen, den Dauphin von Gien nach Reims zu führen. Die Festungen auf dem Wege, besonders Auxerre, Troyes, Châlons und Reims selbst wurden genommen. Am 17. Juli 1429 ging die Krönung vor sich. J. d’A.s Vater und ältester Bruder wurden im Dezember unter dem Namen de Lys in den Adelstand erhoben.

Auch jetzt aber hielt J. d’A. keineswegs ihre Aufgabe für beendigt. Vielmehr wollte sie, und zwar unter wachsendem Widerstände einer höfischen, zum Frieden geneigten Partei, schließlich gegen den Willen des Königs selbst, Frankreichs Boden von den Fremden reinigen. Während der König müßig in Bourges weilte, eilte sie schon im Herbst wieder in den Kampf, aber der Erfolg war nicht stets mehr aus ihrer Seite. Nach einem fruchtlosen Angriff auf die Hauptstadt, wobei J. d’A. am Schenkel schwer verwundet ward, zog sich das Heer nach der Loire zurück. Im Nov. 1429 nahm sie St. Pierre-le-Moustier, April 1430 erlitt sie vor Pont l’Evéque eine Niederlage. Kurz vorher war der Zwist mit der Friedenspartei offen ausgebrochen; 28. März verließ J. d’A. den Hof, eilte mit einer kleinen Schar in die Isle-de-France, siegte bei Lagny und warf sich dann in das belagerte Compiègne. Bei einem Ausfall (23. Mai 1430) wurden die Ihrigen von der Übermacht zurückgeschlagen. J. d’A. deckte mit der letzten Schar den Rückzug, wurde abgeschnitten, vom Pferde gerissen und dem Ritter Johann von Ligny übergeben, der sie dann im Oktober gegen eine hohe Summe an Herzog Philipp von Burgund auslieferte. Im Dezember übergab dieser sie den Engländern. Sie wurde nach Rouen gebracht und dem geistlichen Gericht als Zauberin und Ketzerin überwiesen.

Ein langer Prozeß, bei dem übrigens die Formen des kirchlichen Rechts gewahrt wurden, begann im Jan. 1431. J. d’A. wurde der Zauberei, Ketzerei und der gröbsten Ausschweifungen beschuldigt. Sie antwortete bei den unzähligen Vernehmungen mit der größten Unerschrockenheit, mit einer Klugheit und Klarheit, die selbst auf manche Richter, unter denen sich übrigens Pierre Cauchon, Bischof von Beauvais, und Thomas de Courcelle, der Vertreter der Pariser Universität, durch Härte und Inquisitionseifer hervorthaten, Eindruck machte. Doch schadete sie sich auch durch ihre Rücksichtslosigkeit, durch manche unbeweisbare Behauptungen und durch den offen gestandenen Haß gegen die Engländer. Da sie jeden Widerruf von sich wies, endete der Prozeß nach vier Monaten mit ihrer Verurteilung zum Feuertode. Als sie 24. Mai zum Scheiterhaufen abgeführt wurde, entschloß sie sich unter dem Drängen der Geistlichen zu einem Widerruf, der ihre Strafe in ewiges Gefängnis verwandelte. Dies genügte jedoch dem Fanatismus ihrer Feinde nicht. Man sperrte sie mit drei rohen Soldaten zusammen, nahm ihr die weibliche Kleidung, sodaß sie sich zum Gebrauch von Männerkleidern entschließen mußte,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 887.