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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Jenatsch - Jenbach
Aufstellung von Napoleon auf dem rechten Ufer der
Saale umgangen sah, entschloß sich, die Saale zu
überschreiten. Das Korps des Fürsten Hohenlohe,
40000 Mann (Preußen und Sachsen), sollte bei I.
diesen Flankenmarsch decken, erhielt aber strengen
Befehl, kein Gefecht zu veranlassen. General RüHel,
der mit 27000 Mann bei Eisenach gestanden hatte,
rückte in die von der Hauptarmee verlassene Stellung
bei Weimar. Am 13. Okt. setzte sich der Oberfeldherr
in Bewegung, stieß aber 14. Okt. bei Auerstedt (s. d.)
auf Davout und wurde geschlagen. Napoleon hatte
am 13. das 4. Korps (Soult), die Reservekavallerie
und die Garden auf I. marschieren lassen. I. wurde
von den preuß. Vortruppen unter Tauenzien ge-
räumt, und die Franzosen fanden den Landgrafcn-
berg, die wichtigste, alle Wege beherrschende Höhe,
unbesetzt. Sogleich wurden alle auf die Hochfläche
führenden Schluchten für das Geschütz brauchbar
gemacht; das 5. Korps (Lannes) rückte in der Dun-
kelheit hinauf, den Landgrafenberg besetzten die
Garden, in deren Mitte der Kaiser biwakierte. Die
übrigen Korps waren im Anmarsch. Am 14. mor-
gens 6 Uhr gab Napoleon den Befehl zum Angriff,
den ein dichter Nebel begünstigte. Tauenzien hielt
sich in Closewitz und Lützeroda bis 8^/2 Uhr, dann
erhielt er vom Fürsten Hohenlohe, der noch immer
an keine Schlacht glaubte, den Befehl, in die Stel-
lung bei Klein-Romstädt zurückzugehen, wo dessen
Hauptmacht aufmarschierte. Die Franzosen hatten
dadurch Raum zur weitern Entfaltung gewonnen.
Das 7. Korps (Augereau) kam aus dem Mühlthale
herauf, auch das 4. (Soult) rückte allmählich in die
Linie ein. Bei Vierzehr heiligen entfpann sich ein
ernster Kampf, der anfangs für die Preußen günstig
verlief. Indessen gewann Napoleon Zeit, seine ganze
Macht (ungefähr 100000 Mann) zu entwickeln, und
ordnete den allgemeinen Angriff an. Eine Division,
aus dem Isserstädter Forst vorbrechend, trennte die
Verbindung der Sachsen, welche die Schnecke besetzt
hatten mit den Preußen; gegen den linken Flügel
ging Soult mit zwei großen Angriffsmassen vor,
Lannes und Ney gegen Vierzehnheiligcn. Hohen-
lohe konnte sich noch immer nicht zum Rückzug ent-
schlleßen, da brach endlich die Standhaftigkeit der
erschöpften Truppen; da sie sich von beiden Seiten
umfaßt sahen und immer frische franz. Bataillone
einrückten, so löste sich ihr Rückzug in Flucht auf.
Gegen 2 Uhr nachmittags traf Rüchel mit feinem
Korps ein und griff sofort an, um die Schlacht
wiederherzustellen: docy nach kurzem Gefecht wurde
auch er geschlagen und sein Korps in die allgemeine
Auflösung verwickelt. Die Trümmer des preuß.-
sächs. Heers gingen größtenteils nach Erfurt zurück.
(S. Französisch-Preußisch-Russischer Krieg von 1806
bis 1807, Bd. 7, S. 216a.)
Litteratur. Eichstätt, ^nuaiL" ".eHäsmieHS
^6N6Q868 (Bd. 1, Jena 1823); Schreiber und Fär-
ber, I. von seinem Ursprung bis zur neuesten Zeit
(ebd. 1850); Günther, I. und die Umgegend (ebd.
1857); ders., Lebensskizzen der Professoren der Uni-
versität I. seit 1558 bis 1858 (ebd. 1858); Bieder-
mann, Die Universität I. (ebd. 1858); Schwarz,
Das erste Jahrzehnt der Universität I. (ebd 1858);
Rob. und Rich. Keil, Geschichte des jenaischen Stu-
dentenlebens sLpz. 1858); dies., Die Gründung der
Deutschen Burschenschaft in I. (2. Aufl., ebd. 1883);
Ortloff, I. und Umgegend (4. Aufl., Jena 1876);
Martin, Urkundenbuch der Stadt I. und ihrer geist-
lichen Anstalten (Bd. 1: 1182-1405, edd. 1888);
Ritters Führer durch I. und Umgegend (2. Aufl.
von Piltz, ebd. 1892). - über die Schlacht vgl.
Müffling, Darstellung der Schlacht bei I. und des
Treffens bei Auerstedt (Weim. 1807); Klopfleisch,
Die Schlacht bei I. (Jena 1862); Freiherr von der
Goltz, Roßbach und I. (Berl. 1883); Lettow-Vor-
beck, Der Krieg von 1806 und 1807, Bd. 1: I. und
Auerstedt (ebd. 1891).
Ienatfch, Georg (Iürg), Führer in den Grau-
bündener Parteiwirren zur Zeit des Dreißigjährigen
Krieges, geb. 1596 zu Samaden, studierte Theologie
und wurde Pfarrer im Veltlin. Der Kampf der
prot.-franz. Vartei der Salis und der kath.-span.
Partei der Planta in Graubünden entfachte seinen
Eifer für Unterdrückung der Gewaltherrschaft der
Plantas. 1618 übersiel er an der Spitze fanatister-
ter Volkshaufen das Schloß des Rudolf Planta:
auch spielte er eine Hauptrolle beim Strafgericht
von Thusis, welches durch Ächtung und Konfiskation
furchtbare Rache an den Plantas nahm. Die Katho-
liken rächten sich im "Veltliner Mord" 1620, durch
den das Veltlin den Bündnern entrissen ward. I.
entkam, ermordete 25. Febr. 1621 das Haupt der
Plantas, Pompejus Planta, und verjagte als nun-
mehriges Haupt der "patriotischen" Partei die Trup-
pen der Waldstätte; doch wurde er durch das Ein-
rücken der Österreicher und Rudolf Plantas wieder
vertrieben. Jetzt trat er als Hauptmann in die
Dienste Mansfelds, lernte in venet. Diensten den
Herzog von Rohan (s. d.) kennen und wurde dessen
rechte Hand, als dieser 1635 im Auftrage Frank-
reichs (Richelieus) die Österreicher und Spanier aus
Graubünden vertrieb. Als aber Rohan das Ver-
langen der bundener Patrioten auf Rückgabe des
Veltlin nicht erfüllen konnte, auch die Soldzahlun-
gen nicht leistete, trat I. an die Spitze einer ge-
heimen, an Osterreich sich anlehnenden Verschwö-
die Rohan zum Abzüge zwang (1637). Um
run
die Rückgabe des Veltlin zu erlangen, trat I. jetzt
mit Spanien in Verbindung und wurde äußer-
lich Katholik. Als jedoch Spanien wegen des Velt-
lin Schwierigkeiten machte (namentlich wegen der
Frage der Religion), drohte er mit franz. Freund-
fchaft und suchte gewaltsam das Veltlin zu neh-
men. Da fiel er durch die Partei Planta bei
einem Bankett 1639. Nach einer ältern unver-
bürgten Sage soll unter seinen Mördern auch Lu-
kretia, die Tochter des Pompejus Planta, gewesen
sein und ihn mit derselben Axt erschlagen haben,
mit der er einst ihren Vater tötete. Der Stoff
wurde von K. F. Meyer zu feinem Roman "Iürg
Ienatsch" (18. Aufl., Lpz. 1893) benutzt und ist
neuerdings auch dramatisiert worden. - Vgl. E.
Meyer von Knonau, Aus mittlern und neuern
Jahrhunderten (Zür. 1876).
Ienbach, Dorf in der österr. Vezirkshauptmann-
schaft und dem Gerichtsbezirk Schwaz, links des
Inns, in 559 ui Höhe, an der Linie Kufstein-Ala der
Asterr. Südbahn und der Achenseebahn (s. d.), hat
(1890) 1312, als Gemeinde 1395 E., got. Kirche,
Eisenschmelze mit zwei Hochöfen, Maschinenwerk-
stätte, Hammerwerk und Stahlfabrik. 12 km süd-
lich, 632 m über dem Innthale am Kellerjoch das
C'isensteiubergwerk Schwader. Der Bergbau wurde
1773 begonnen (1891: 1309 t Frisch- und 1369 t
Gutzroheisen im Werte von 250000 Fl.). - Westlich
von I. (610 m) das prächtige Schloß Tratzberg
der Grafen von Enzenberg im Renaissancestil mit
schöner Aussicht auf das Innthal und die Stubaier