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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Jen-den - Jenisseisk
Gletscher. Vgl. Paukert, Die Zimmergotik in Deutsch-
Tirol. 4. Sammlung: Schloß Tratzberg (Lpz. 1892).
Ien-den, Stadt in der Mandschurei (s. d.).
Iendi, Hauptort der Landschaft Dagombain
Nordwestafrika, nördlich der Goldküste, mit 12000 E.
Die Gegend ist flach, dem Ackerbau nicht gerade
günstig, mehr der Rindvieh- und Schafzucht. Anti-
lopen, Leoparden und Löwen sind zahlreich. Die
Bewohner besitzen Pferde und Esel. Das Klima
ist zwar gesund, trägt aber den Charakter der
ausgetrockneten, heißen Steppe. Die Eingeborenen
stehen unter emem mächtigen Häuptling, der dcm
Vordringen der Europäer unfreundlich wenn nicht
feindselig begegnet. Das Land ist deshalb noch
wenig erforscht: am ausführlichsten berichtete Fran-
<ois, der es 1888 von Togoland aus bereiste.
Ieni ftürk.), ueu, kommt in zusammengesetzten
Orts- u. s. w. Namen häufig vor.
Ienikale, ruff. Stadt, s. Kertsch.
Ielnl (spr. che-), Fluß in Spanien, s. Genil.
Ieni-scheher, Stadt in Thessalien, s. Larissa.
Ienische Sprache, soviel wie Kochemer Loschen
^Gaunersprache), s. Notwelsch.
Ienissei (vom tungus. I03.N6881, Großer Flilß),
ciner der dem nördl. Eismeer zugehenden Riesen-
ströme, welcher der Länge nach das russ. Gouverne-
ment Ienisseisk (s. d.) durchstießt, entsteht aus dem
Zusammenfluh des Ulu-kem und des Bei-kem, welche
ihren Ursprung an den Südabhängen des Sajani-
schen Gebirges in der chines. Provinz Kobdo finden.
Der I. durchbricht mit Wasserfällen und Strom-
schnellen das Sajanische Gebirge, tritt auf das russ.
Gebiet, nimmt unweit Minusstnsk links den Abakan
auf und verläßt unterhalb Krasnozarsk das Verg-
land. Er gewinnt hier einen ruhigen Lauf. In der
Ebene nimmt er viele Nebenflüsse auf, namentlich
rechts die Angara (s. d.), die Podkamennaja- (Stei-
nige) und die Nishnaja- (Untere) Tunguska, links den
Kass, Sym und Ieloguj und mündet nach einem
Lauf von 4011 km, wovon 3350 km auf russ. Gebiet
kommen, nahe dem Mündungsgolf des Ob in einem
380 km langen, 15-17 km breiten und überaus
fischreich enÄstuar, welch es als Ienisseibusen oder
Liman der 70 Inseln bezeichnet wird^ Das
Stromgebiet, in welches mittels der Angara das
riesige Becken des Baikal (s. d.) mit der Selenga
gezogen wird, umfaßt 2530357,5 ykm. Die Breite
des I. ist sehr verschieden, seine Tiefe fast überall
bedeutend. Die Ufer sind meist auf der rechten Seite
höher als auf der linken, mehrenteils sehr malerisch
und mit Wald bedeckt. Der I. ist schiffbar auf
2966 km von Minussinsk an; von hier an gehen
auch Dampfschiffe. Er ist eisfrei bei Abakansk vom
30 April bis 21. Jan., bei Krasnojarsk vom
30. April bis 12. Nov., bei Turuchansk vom 29. Mai
bis 31. Ott. An der Mündung findet der Aufgang
des Eises durchschnittlich 10. Juni statt. Durch
seinen Nebenfluß Kass steht der I. in Verbindung
mlt dem Kanal^ystem des Ob (s. d.).
Ienifseier, ein von den anwohnenden ural-
altaischen Völkern sprachlich ganz verschiedener
Volksstamm, der zu den sog. Arktitern oder Hyper-
boreern gerechnet wird. Die I. bewohnten in den
ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung das
Flußgebiet des obern Ienissei, die nördl. Mongolei
. und die nordöstl. Teile des Altai und haben wahr-
scheinlich die zahlreichen Steingräber jener Gegen-
den zurückgelassen, müssen also eine bedeutende
Kulturstufe erreicht haben. In der Folge wurden
sie durch türk. und sinn. Stämme nach Norden
gedrängt. Ein großer Teil der I., z. V. die Asanen
und Arinen, wurden von den türk. Nachbarn absor-
biert und sind jetzt gänzlich verschwunden. Von den
am Kan wohnenden, in der Geschichte der Erobe-
rung Sibiriens als kriegerisch bezeichneten Kot-
ten traf Castren während seiner Forschungsreise
1845-49 am Ayul, einem Nebenflusse des Kan,
nur noch fünf die kottische Sprache sprechende Indi-
viduen. Nadloff fand 1863 ebendaselbst nur noch
einen alten Mann und seine Schwiegertochter, die
neben dem tatar. Idiom noch kottisch sprachen. Die
letzten Neste der I. sind die am untern Ienissei
und seinen Zuflüssen zwischen Ienisseisk und Tu-
ruchansk etwa 1000 Köpfe betragende Ienissei-
Ostjaken, die hauptsächlich von Jagd und Fisch-
fang leben. - Vgl. A. Castrsn, Versuch einer jenissei-
ostjakischen und tottischen Sprachlehre, hg. von A.
Sckiefner (Petersb. 1858).
Ienissei-Ostjaken, s. Ienisseier.
Ienisseisk. 1) Gouvernement im westl. Teil
des russ. Ostsibiriens, zum Generalgouvernement
Irkutsk gehörig, dehnt sich zu beiden Seitendes
Ienissei (s. d.) von der chines. Grenze bis zum Nörd-
lichen Eismeer aus; an letzteres grenzt es von der
Tasbucht bis zur Mündung der Anabara. Es um-
faßt 2556 755,5 hkin, wovon 9623,3 hlim auf In-
seln des Eismeers und 14450,3 ^kin auf festländische
^een kommen, mit 447 076 E., d. i. 0,i? auf 1 yicm.
Die Grenze gegen China bildet das hohe Sajanische
Gebirge, dessen Abzweigungen den Süden vonI. aus-
füllen. Die nördlichste Erhebung ist das Sywerma-
gebirge. Der Zauptstrom ist der Ienissei mit zahl-
reicken Nebenflüssen. Direkt ins Eismeer gehen: die
Pjassina, Tajmyr, Chatanga. Seen sind zahlreich;
die bedeutendsten im N.i Wojewoli, Iege, Tajmyr
u. a. Die Gebirge im S. und SO. sind krystallinisch
(besonders Granit). Lehmschiefer sind sowohl im N.
als im S. verbreitet. Ein großes wenig erforschtes
Steinkohlenlager zieht sich vom Sajanischen Gebirge
bis 58° nördl. Br. Nördlich von Kansk und Kras-
nojarsk breiten sich Kalk der Triasformation aus,
hoch im N. die Juraformation und an den Meeres-
küsten finden sich Diluvialschichten. Gold wird ge-
wonnen an der Tuba, am Oberlauf des Kan und
Agul und zwischen der Angara und der Steinigen
Tunguska. Silber findet sich an verschiedenen Orten
des Ienisseithals, Eisen in großer Menge im mitt-
lern und südl.TeilI.s. Der Boden ist teils Steppen-
land, teils Schwarzerde. Undurchdringliche Sümpfe
finden sich überall, namentlich im NO. Den Nor-
den zwischen 70-76° nimmt die Tundra ein. Das
Klima ist kontinental. Die mittlere Temperatur in
Turuchansk beträgt im Winter -25", am Flusse
Tajmyr (70°// nördl. Br.) im Sommer 7,3° 0. In
Krasnojarsk (56° nördl. Br.) gefriert selten das
Quecksilber. I. ist sehr waldreich. Die Bevölkerung
besteht aus Samojeden, Jakuten, Ostjaken, Tungu-
sen, Sojoten, Kamassinzen, Kojbalen und Russen,
gehört größtenteils der russ. Kirche an und bildet
die Eparch ie I. mit einem Bischof an der Spitze.
Außerdem giebt es etwa 2500 Katholiken, 1000
Protestanten, 2000 Juden, 12000 Schamanen,
einige hundert Mohammedaner. Acker- und Garten-
bau werden in allen Kreisen betrieben, am stärksten
in Minussinsk' gebaut werden Roggen, Gerste, Ha-
fer, Weizen. Bedeutend ist die Viehzucht (Renntiere
im N., Pferde, Rinder), ferner Fischerei und Jagd
auf Vögel und Pelztiere. Über 20000 Personen