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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Jeremias Gotthelf - Jericho

er jedoch infolge Eintretens ihm freundlich gesinnter königl. Beamten freigesprochen wurde. Schlimmer erging es ihm unter dem letzten Könige Zedekia, dessen Treubruch gegen Nebukadnezar er mißbilligte. Da er zur Unterwerfung mahnte und Jerusalems Eroberung weissagte, wurde er von den Beamten, in deren Händen sich Zedekia befand, als Hochverräter verhaftet, gefangen gesetzt und vielfach mißhandelt. Nur durch das Eintreten eines königl. Eunuchen entging er dem Tode. Nach der Eroberung Jerusalems ließen die Chaldäer J. frei. Er verweilte beim Statthalter Gedalja zu Mizpa und wurde nach dessen Ermordung von den nach Ägypten flüchtenden Judäern gezwungen, mit auszuwandern. Es ist noch eine Weissagung erhalten, die er in Ägypten gegen die unter den Judäern neu auflebende Abgötterei gehalten hat. In Ägypten ist er verschollen. - Das unter dem Namen des J. an zweiter Stelle in der Sammlung der Großen Propheten überlieferte Buch ist auf einem Grundstock echt jeremianischer Orakel aufgebaut. Es hat eine komplizierte, in vielen Punkten noch nicht aufgeklärte Entstehungsgeschichte gehabt und wird in der Septuaginta in einer abweichenden, in mancher Beziehung altertümlichern Recension überliefert. Nicht von J. stammen die sog. Klagelieder Jeremiä, fünf Elegien über den Untergang des judäischen Staates und der Stadt Jerusalem 586 v. Chr., von denen die vier ersten im Rhythmus des Totenklageliedes gedichtet sind. - Kommentare über J. schrieben Hitzig (2. Aufl., Lpz. 1866) und Graf (ebd. 1862), über die Klagelieder Thenius (ebd. 1855). - Vgl. Köstlin, Jesaia und J. Ihr Leben und Wirken (Berl. 1879); Cheyne, Jeremiah, his life and times (Lond. 1888).

Jeremias Gotthelf, Pseudonym, s. Bitzius, Albert.

Jerēz de la Frontēra (spr. che-), Ciudad und Bezirkshauptstadt in der span. Provinz Cadiz, 3,7 km vom Guadalete, anmutig in einer weiten, hügeligen, mit Weingärten bedeckten Gegend an der andalus. Heerstraße und der Eisenbahn Sevilla-Cadiz gelegen, die hier nach Sanlucar de Barrameda und Bonanza abzweigt, mit breiten Straßen, modernen Häusern und schönen Promenaden, hat (1887) 61708 E., zehn Kirchen, darunter die große im Renaissancestil erbaute Colegiata mit freskengeschmückter Kuppel, San Miguel und Santo Domingo in got. Stil, einen schönen Alcazar (maur. Burg), ein Gymnasium, ein Theater und ein Stiergefechtscirkus. Berühmt ist J. wegen seines Weinbaues und des vorzugsweise in den Händen engl. Häuser befindlichen Weinhandels. Der Wein wird nach England, wo man ihn Sherry (s. d.) nennt, und nach Amerika versandt. Neuerdings geht er in großen Mengen nach Frankreich, wo er zur Absynthfabrikation oder versüßt zur Nachahmung von Madeirawein dient. Zwei andere Sorten, süße Frühstücksweine, nämlich der Moscatel und der Pajarete, insbesondere der Pedro Ximenes, haben ebenfalls hohen Ruf. J. ist Sitz eines deutschen Vicekonsuls. - 7 km entfernt am Guadalete die wegen ihrer herrlichen Lage und schönen Kirche sehenswerte, jetzt verödete Kartause, in deren Gebäuden ein königl. Gestüt untergebracht ist. Die Stadt ist sehr alt und hieß angeblich keltiberisch Aesta, als röm. Kolonie Hasta Regia. Zur Gotenzeit war sie Bischofssitz unter dem Namen Assidona. Geschichtlich berühmt ist die siebentägige Schlacht (Juli 711), in der die Araber unter Tarik über die Westgoten unter Roderich siegten, worauf sie fast ganz Spanien eroberten. 1265 eroberte Alfons X. (Alonso el Sabio) von Castilien die Stadt.

Jerēz de los Caballēros (che-, kaballj-), alte Bezirkshauptstadt im südl. Teil der span. Provinz Badajoz, nicht weit vom Ardila in der Sierra Morena gelegen, hat (1887) 8953 E. In ihren Gärten gedeihen Apfelsinen und Citronen; in weiterm Umkreis tragen die Berglehnen neben Ölbäumen und immergrünen Korkeichen vornehmlich Cistusheiden.

Jergeni, auch Ergeni, ein Hügelzug von 132 m Höhe, der sich auf 320 km als Fortsetzung des Bergufers der Wolga von Sarepta (im Gouvernement Saratow) an durch das Gouvernement Astrachan bis zum Oberlauf des Manytsch erstreckt und in seinem nördl. Teile die Wolga und den Don scheidet. Die östl. Gehänge sind steiler als die westlichen.

Jerichau, Jens Adolf, dän. Bildhauer, geb. 17. April 1816 zu Assens auf Fünen, wurde Zögling der Akademie in Kopenhagen und ging 1839 nach Rom, wo er sich kurze Zeit des Unterrichts von Thorwaldsen erfreute. Sein erstes bedeutendes Werk war ein Relief zu einem Friese im königl. Schlosse zu Christiansborg bei Kopenhagen, die Hochzeit Alexanders d. Gr. mit der Roxane darstellend. 1846 vollendete er eine kolossale Gruppe: Hercules und Hebe, in der er bei strenger, antikisierender Richtung Sinn für Schönheit und Fähigkeit zu einem großartigen Stile bethätigte. Eine andere Gruppe stellt einen Jäger im Kampf mit einem Panther dar. Für den Senator Abendroth in Hamburg arbeitete er dann eine Penelope in Marmor und für die Prinzessin Albrecht von Preußen einen kolossalen Christus in Marmor. Hierauf fertigte er die Gruppe Adam und Eva nach dem Sündenfalle (der Prinzessin von Wales gehörig). Schon 1849 war er nach Kopenhagen zurückgekehrt, wurde dort Professor an der Akademie und später deren Direktor. Zu seinen spätern Arbeiten gehören: die Engel des Todes und der Auferstehung, eine schlafende Schnitterin, badende Mädchen, ein Sklavenpaar in Ketten, die kolossale Statue des Königs David (Gegenstück zu der Mosesstatue Bissens) vor der Frauenkirche, Mädchen mit Tauben u. a. Er starb 25. Juli 1883 in Kopenhagen.

Seine Gattin, Elisabeth Jerichau-Baumann, Malerin, geb. 21. Nov. 1819 in Warschau, erhielt ihre künstlerische Ausbildung in Düsseldorf bei Stilke und Karl Sohn. 1845 ging sie nach Rom und machte das dortige Volksleben zum Gegenstand ihrer Darstellungen. Auf ihren Reisen im Süden und im Orient hat sie zahlreiche Bilder (auch Porträte) gemalt. Später schilderte sie das nordische Volks- und Bauernleben mit Erfolg, wie ihr Hauptbild: Strandungsscene am Ufer von Jütland, beweist. Sie starb 11. Juli 1881 in Kopenhagen.

Harald J., dän. Maler, Sohn der vorigen, geb. 17. Aug. 1852 zu Rom, studierte anfangs bei Benouville daselbst, bildete sich aber hauptsächlich durch Naturstudien zum Landschaftsmaler aus. Er malte größtenteils Ansichten aus der Umgebung von Rom. Er bereiste Griechenland, die Türkei und Kleinasien und nahm später seinen Aufenthalt in Rom, wo er 6. März 1878 starb. Hauptbilder von ihm sind: Strand von Sorrent, Karawane bei Sardes (Museum in Kopenhagen).

Jerĭcho, uralte Stadt im Jordanthal unweit des Toten Meers, hat drei bis vier verschiedene Perioden seiner Geschichte erlebt. Die älteste,