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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Jerrold (William Blanchard) - Jerusalem (Stadt)

paper". Er starb 8. Juni 1857 zu London. Sein Sohn veröffentlichte J.s "Life and remains" (Lond. 1858; 2. Aufl. 1869). Eine Sammlung seiner Werke erschien 1851-55 in 8 Bänden, eine andere 1859 in 4 Bänden, eine unvollständige zu Philadelphia (5 Bde., 1869). Eine Gesamtausgabe seiner "Tales" gab Robertson (1891) heraus.

Jerrold (spr. dscherr'ld), William Blanchard, engl. Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 23. Dez. 1826 zu London. Von seinen Lustspielen und Possen hatten besonders "As cool as a cucumber" (1850) und "The chatterbox" (1859) Erfolg. Einen Ausflug nach Schweden beschrieb er in "Swedish sketches" (1852), während ein längerer Aufenthalt in Frankreich Anlaß zu "Imperial Paris" (1855) und "The children of Lutetia" (1864) gab. Nach dem Tode des Vaters übernahm er die Herausgabe von "Lloyd's Weekly Newspaper". Eine Reise nach Spanien beschrieb er in "A trip through the vineyards of Spain" (1864). Später erschienen: "At home in Paris, at peace and at war" (2 Bde., 1871), "The Cockaynes in Paris" (illustriert von Doré, 1871), "London" (illustriert von Doré, 1872), "The christian vagabond" (1873), "Cent per cent, a story written upon a bill stamp" (1874). Aufsehen erregte sein "Life of Napoleon III" (4 Bde., Lond. 1874-82), wozu ihm die Exkaiserin Eugenie und die bonapartistische Partei Materialien lieferten. Auch veröffentlichte er "Egypt under Ismail Pasha" (1879), "The Belgium of the East" (1882), und "The life of George Cruikshank" (2 Bde., 1882). Er starb 10. März 1884 in London.

Jersey (spr. dschörsĕ), die südlichste und größte der England gehörigen Normannischen Inseln (s. d.), 129 qkm groß, 16 km lang, 9 km breit, 26 km von der Küste Frankreichs entfernt, ist durch Natur und Kunst befestigt, hat fruchtbaren, über Granit lagernden Boden und (1891) 54518 E., lebhaften Verkehr mit allen brit. Ländern wie mit dem Auslande. Kartoffeln (50000 t jährlich) und Obst bilden die Hauptausfuhrartikel. Viehzucht ist von steigender Bedeutung. Hauptstadt ist Samt Helier (s. d.); eine Eisenbahn führt nach dem Hafen St. Martin und nach der Südwestspitze. J. hat seine eigene Verfassung, einen Gerichtshof (mit 12 Jurats oder Richtern) und eine Ständeversammlung (States) mit einem von der Krone ernannten Präsidenten und 50 Mitgliedern (12 Jurats, 12 Pfarrer, 12 Connétables oder Gemeindevorsteher und 14 Abgeordnete). An der Spitze steht der Lieutenant-Governor. Die offizielle Sprache ist die französische. Das Volk spricht den altnormänn. Dialekt oder Englisch.

Jersey City (spr. dschörsĕ ßittĭ), Hauptstadt des County Hudson im nordamerik. Staate Neujersey am Hudson, wo er sich zur Bai erweitert, der Stadt Neuyork (s. d. und den Situationsplan dort) gegenüber, mit der es durch Dampffähren in steter Verbindung steht. Der Morriskanal und der größte Teil der Neuyorker Bahnsysteme nimmt von hier seinen Anfang; auch befinden sich hier zahlreiche Docks transatlantischer Dampfer. J. C. zählte 1850: 6856, 1870: 82546, 1880: 120722 und 1890: 163003 E., mit Hoboken (s. d.) 206651 E. Dieses Wachstum ist teils der Einverleibung benachbarter Ortschaften, teils der Blüte der Stadt Neuyork zuzuschreiben, deren überschüssige Bevölkerung sich auch J. C. zuwendet. Zuckerraffinerien, Getreideelevatoren, Stahl-, Eisen-, Zink-, Bleiweißwerke, Gießereien, Papier-, Tabak-, Piano-, chem. Fabriken sind die wichtigsten gewerblichen Anlagen. Ein neues Stadthaus ist 1893 im Bau.

Jerūbbaāl, s. Gideon.

Jerusălem (lat. und grch. Hierosolyma; hebr. Jeruschalēm, Jeruschalājim; auf Keilinschriften Ursalimmu, d. h. Wohnung des Friedens; arad. El-Kuds), die heilige Stadt der Juden, Christen und Moslems in Palästina, Hauptstadt eines Verwaltungsbezirks der türk. Provinz Syrien, der unmittelbar der Pforte in Konstantinopel untersteht, liegt in 790 m Höhe am Ende der Jaffa-Jerusalemer Eisenbahn (s. d.). (Hierzu Plan: Das alte und das neue Jerusalem.)

Das jetzige J. zählt (nach einer Schätzung von 1886) 33951 E., darunter 20000 Israeliten, 5500 Mohammedaner, 4600 Griechisch-Orthodoxe, 70 Griechisch-Unierte, 2200 Katholiken, 950 Evangelische sowie 450 armenische, 85 kopt., 56 abessin. und 40 syr.-jakobit. Christen. Gegenwärtig kann eine Gesamtzahl von 60000 E. (darunter 35-40000 Israeliten) angenommen werden, da die Zuwanderung von Israeliten fortdauert. Die stattliche Ringmauer, die ihre jetzige Gestalt dem Sultan Suleiman dem Prächtigen (1536-39) verdankt, steht im W., N. und O. der Stadt meist auf alten Grundlagen aus der jüd. Zeit, im S. dagegen läuft sie quer über den Rücken des Südwesthügels, der ursprünglich die Stadt J. trug (s. S. 901 b), und schließt den Südosthügel, den alten Zion, ganz aus. Vielleicht geht dieser südl. Mauerlauf auf die Abgrenzung der Aelia Capitolina des Hadrianus zurück (s. S. 903 a.). Die Stadt hat 7 Thore, deren bekannteste das Jaffathor (arab. Bāb el-Chalil), das Damaskusthor (arab. Bāb el-Amud) und das Abd ul-Hamid-Thor sind. Seit der Beendigung des Krimkrieges 1856 ist in und bei J. viel gebaut worden. Im NW. der Stadt an der nach Jaffa führenden Straße ist eine Vorstadt mit zum Teil ansehnlichen Häusern entstanden, im SW. an der Straße nach Bethlehem seit 1873 die deutsche Kolonie der Templer. Die Stadt selbst zerfällt in vier Quartiere, das Christenquartier im NW., das mohammed. Quartier im NO., das Judenquartier im SO. und das armenische Quartier im SW. Die Straßen sind eng, schlecht gepflastert und zum Teil überwölbt, nur die Christenstraße neben dem großen griech. Kloster und die 1889 neu angelegte Deutsche Straße neben dem der preuß. Krone gehörigen Teile des Muristan (s. unten) zeichnen sich vorteilhaft aus. In den letzten Jahren ist jedoch eine bedeutende Verbesserung der Straßenpflasterung zu verzeichnen. Die Häuser sind massive Steinbauten mit platten Dächern, die am Rande mit niedrigen Schutzmauern gegen Einblicke der Nachbarn versehen sind und nach der Mitte ein oder mehrere Kuppelgewölbe zeigen. Fromme Stiftungen, Klöster und kirchliche Gebäude nehmen mehr als den vierten Teil des ummauerten Stadtgebietes ein. Die Perle von J. ist der Haram esch-Scherif, "das vornehme Heiligtum", im O. der Stadt. Diese im N. von hohen Gebäuden, im W., S. und O. von hohen Mauren^[korrekt: Mauern] umschlossene Fläche (1552 m) entspricht dem alten Tempelplatz und trägt auf einer erhöhten Plattform in der Mitte den vom Chalifen Abdulmelik (685-705) mit Hilfe christl. Architekten aufgeführten Prachtbau des Felsendoms (arab. Kubbet es-Sachra), den man früher fälschlich Omarmoschee nannte. Zwei Umgänge in Form eines Achtecks umschließen den innern Rundbau, der als eine Kuppel von 30 m Höhe und 20 m Durchmesser