Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

907
Jesuiten
geheißen zu sein. Die hervorragendsten Schrift-
steller des Ordens sind: Bellarmin, Fr. Tolctus,
A. Salmeron, Fr. Suarez, A. Possevin, Joh. Mal-
donat, I. Mariana, H. Busembaum, I. Sirmond,
D. Petavius, G. Daniel, P. Segneri, Sforza Palla-
vicini, F. A. Iaccaria, G. Tiraboschi, die Bollan-
disten (zu den letzten vgl. ^cta sgnetoruiQ).
Die I. erfuhren von Anfang an auch in kath.
Kreisen mancherlei Widerspruch. Schon vor 1600
begann ihr Streit mit den Dominikanern über die
Gnadenlehre, bezüglich deren später auch die Augu-
stiner und die Iansenisten (s. d<) den I. entgegen-
traten. An die Kontroverse mit den Iansenisten
knüpfte sich im 18. Iabrh. der Streit über die Bulle
IIniF6niw8 (s. d.), deren Gegner, ein großer Teil
der franz. Geistlichkeit, von den I. und ihren An-
hängern bitter verfolgt wurden. Noch mehr wurde
die Sittenlehre der I. getadelt, die im Anschluß
an das System des Probabilismus (s. d.) vorge-
tragen wurde. Namentlich Pascal machte in seinen
"I.6ttr63 pi-ovincikleg " (1656 - 57) die Iesuiten-
moral in weitern Kreisen bekannt und verächtlich.
Untcr den laxen Moralsätzen, die von Alexander VII.
1665, von Innocenz XI. 1679 verdammt wurden,
sind die meisten aus Schriften von I. entnommen.
Innocenz XI. nahm Thyrsus Gonzalez, einen der
wenigen I., die Gegner des Probabilismus waren,
in seinen besondern Schutz, bewirkte, daß er 1687
General wurde, und beauftragte ihn, der im Orden
herrschenden Neigung zu der laxen Moral zu steuern.
Gonzalez versuchte dies, stieß aber auf entschiedenen
Widerstand und hatte nur wenig Erfolg. Von 1743
an wurde die Iefuitenmoral sehr scharf von einigen
ital. Dominikanern (Concma, Patuzzi) bekämpft.
Die Iesuitenmissionare in China und Ostindien
wurden von den Missionaren der andern Orden von
1645 an heftig angegriffen, weil sie den Neubekehr-
ten die Beibehaltung gewisser Gebräuche gestatteten,
die heidnisch oder abergläubisch seien. Der Streit
dauerte ein Jahrhundert, da sich die I., sonst die
eifrigsten Diener der Päpste, den ihnen ungünstigen
päpstl. Entscheidungen widersetzten. Auch in andern
Fällen, namentlich bei dem Verbote von Büchern
ihrer Ordensgenossen, trotzten die I. der Kurie.
Mehrere hervorragende Kardinäle waren scharfe
Gegner der I., wie Casanate, Noris, Passionei,
Marefoschi. Sittliche Ärgernisse kamen bei den I.
verhältnismäßig selten vor; aber das Bestreben,
ihren Einfluß auch andern Orden, Weltgeistlichen
und Bischöfen gegenüber zum allein geltenden zu
machen, die Sache ihres Ordens mit der Sache der
Kirche zu identifizieren, dazu ihre Einmischung in
polit. Angelegenheiten und ihr Streben, den Reich-
tum des Ordens, auch durch Handelsgeschäfte, zu
vermehren, machten sie in weiten Kreisen der Katho-
liken verhaßt und bereiteten ihren Sturz vor.
Die Unterdrückung der I. begann in Portugal,
wo der Minister Pombal mit eiserner Konsequenz
und Strenge gegen sie vorging. Wegen ihres Wider-
standes in Paraguay (s. d.) wurden sie 1750 aus
allen portug. Kolonien ausgewiesen. 1758 erließ
der Kardinal Saldanha, den Benedikt XIV. mit
einer Visitation des Ordens beauftragt hatte, ein
scharfes Dekret gegen dessen Handelsgeschäfte. 1759
wurde wegen angeblicher Mitschuld einiger I.
an einem Attentat gegen den König Joseph I. der
Orden in Portugal aufgehoben. (S. Aveiro, Dom
Iosö.) In Frankreich wurde zuerst gegen die I.
eingeschritten, als der Pater Lavalette, der zu
Martinique ein großartiges Handelsgeschäft be-
trieb, 1755 Bankrott machte, und der Provinzial
von Frankreich sich weigerte, dessen Wechsel (im
Betrage von mehr als 2 Mill. Livres) einzulösen.
Das Pariser Parlament verurteilte den General
zur Zahlung und beschloß, die Statuten und die
Schriften des Ordens zu untersuchen. Eine Kom-
mission des Parlaments veröffentlichte 1762 die
hauptsächlich von dem Mauriner Clemencet und
zwei Weltgeistlichen zusammengestellten "Nxti-aitä
ä68 kl836ltioU8 P6lnici6u863 et äaUF6r6N863 HU6
163 ^68Iiit63 out äHN8 toi18 168 t6NP8 80Ut6UU68".
Der Antrag Ludwigs XV., der General Ricci möge
durch einige Abänderungen der Verfassung den
Orden retten, wurde mit den Worten "3iut, ut 8imt,
ant H0Q 8iut!" ("wenn der Orden nicht bleiben kann
wie er ist, mag er untergehen!") abgelehnt. 1764
erwirkte dann der Minister Choiseul die Unterzeich-
nung des königl. Dekrets, wodurch der Orden in
Frankreich aufgehoben wurde. 1767 wurde er auf
Betreiben des Ministers Aranda von Karl III. in
Spanien und auf Betreiben des Ministers Tanucci
in Neapel und 1768 in Parma aufgehoben.
Clemens Xlil. ließ sich verleiten, den vielfachen
Angriffen auf die I. gegenüber durch die Bulle
"^p03to1icuiu" vom 7. Jan. 1765 den Orden noch
einmal feierlich zu bestätigen. Sein Nachfolger
Clemens XIV. aber (ein Franziskaner) gab dem
Drängen der bourbonischen Höfe nach und hob den
Orden durch das Vreve Domino 2.0 Reäemptor
U08t(ir vom 21. Juli 1773 auf.
Die drei ersten Generale der Periode des Or-
dens von der Gründung bis 1773 waren Spanier:
Ignatius von Loyola, Jakob Laynez (s. d.) 1558,
Francesco von Borgia (Borja, Herzog von Gandia)
1565 (gest. 1572, von Urban VIII. 1624 selig, von
Clemens X. 1671 heilig gesprochen). Dann folgten
ein Belgier, Eberhard Mercurian 1573, nach ihm
meist Italiener: Claudio Aquaviva 1581 (s. d. und
Iesuitenschulen); Mutius Vitelleschi 1615, Viacenz
Caraffa 1646; Franz Piccolommi 1651; Aloys
Gottifredi 1652; Goswin Nickel (aus Mich) 1652;
Paul Oliva 1664; Karl de Noyelle (Belgier) 1681;
Thyrsus Gonzalez (Spanier) 1687; Mckel Angelo
Tamdurini 1706; Franz Retz (aus Prag) 1730;
Ignaz Visconti 1751; Aloys Centurione 1755;
Lorenzo Ricci 1758-73.
3) Geschichte von 1773 bis zur Gegen-
wart. Da die I. behaupteten, das Breve Domino
ac I^äLmpwi- no8t6i- müsse, um in Kraft zu treten,
in jedem Kollegium förmlich veröffentlicht werden,
blieben einige Kollegien noch eine Zeit lang bestehen,
die schlesischen unter dem Schutze Friedrichs II. bis
1776, worauf die I. ihr Ordensklerd ablegten, aber
als "Priester des königl. Schulinstituts" ihre Thätig-
keit fortfetzten. In Weihrußland ließ Katharina II.
das Breve überhaupt nicht publizieren, weshalb die
dortigen I. ihren Orden als fortbestehend anfahen
und von 1782 bis 1802 drei Obere mit dem Titel
"lebenslänglicher Generalvikar" oder "General für
Rußland" wählten, (über die Versuche, den Orden
unter einem andern Namen fortzusetzen, s. ßoeistk
äu ^cle-Owui-.) Die beiden folgenden in Weißruß-
land gewählten Obern, Gabriel Gruber und Thad-
däus Vrzozowski, nahmen den Titel "General" an
und wurden auch von den seit 1804 in Neapel und
anderswo entstandenen Kollegien anerkannt.
Durch die Bulle soilicitu^o onmium ecclegia-
rum vom 7. Aug. 1814 stellte Pius VII. den Orden