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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Joachim Friedrich - Joachimsthal
errichtet. 1540 und 1541 nahm er an den Religions-
gesprächen zu Hagenau, Worms und Regensburg
eifrig teil. Ohne sonderlichen Ruhm führte er, ein
glänzender Vertreter höfischen Rittertums, den Ober-
befehl über das Reichsheer in Ungarn (Sommer
1542). 1540 gab er dem Lande die Kirchenordnung,
welche das evangelisch umgestaltete Bistum in enger
Verbindung mit dem Fürstentum und auch das cere-
moniale Außenwerk der alten Kirche zum guten Teil
bestehen ließ. Trotzdem unterstützte er im Schmal-
kaldischen Kriege den Kaiser gegen die Protestanten
und nahm 1548 wenigstens scheinbar das Interim
an. Aber die Behandlung des gefangenen Philipp
von Hessen, die Absichten des Kaisers auf Magde-
burg und gegen Preußen, der Plan, die Nachfolge
im Reich an den Infanten Philipp zu bringen, end-
lich der Einfluß des Rates Lampert Distelmeyer
(s. d.) veranlaßten 1.1551 und 1552, Karls Gegner
wenigstens diplomatisch zu unterstützen. Wesentlich
Distelmeyers Staatsklugheit gelang es auch, das
Erzstift Magdeburg, wo 1552 I.s Sohn Sigismund
Erzbifchof, 1566 sein Enkel Joachim Friedrich Ad-
ministrator wurde, an das Kurhaus zu fesseln. Die
1537 mit Herzog Friedrich von Liegnitz geschlossene
Erbeinung vermehrte die Aussicht auf dereinsti-
gen Besitz in Schlesien, die Versöhnung mit den
frank. Vettern, die von dem kath. Joachim I. zurück-
gestoßen waren, sowie die Mitbelehnung mit dem
Herzogtum Preußen seitens der poln. Krone (1569)
bereitete die Aneignung der deutschen Nordostmark
vor. Die innere Regierung erschwerte sich der Kur-
fürst durch eine ungemessene Prunklust, welche die
Finanzen des Staates völlig zerrüttete undI. nötigte,
die Erhebung und Verwendung der Steuern fortan
einem ständischen Ausschuß zu überlassen ("Kredit-
werk" von 1550). I. war 1524-34 mit einer Tochter
des Herzogs Georg von Sachsen, danach mit Hedwig,
Schwester Sigismund II. von Polen, verheiratet.
Er starb 3. Jan. 1571. - Vgl. Traut, Kurfürst
I. II. von Brandenburg und der Türkenfeldzug
vom I. 1542 (Gummersbach 1892).
Joachim Friedrich, Kurfürst von Branden-
burg (1598-1608), Sohn des Kurfürsten Johann
Georg, geb. 27. Jan. 1546, wurde 1566 Admini-
strator von Magdeburg. Es gelang ihm, das von
ihm völlig evangelisierte Stift zum frühern Wohl-
stande zu erheben. 1570 heiratete er seine Tante
Katharina von Cüstrin. Als er auf den Reichs-
tagen von 1582 und 1594 den alten Vorsitz Magde-
burgs auf der geistlichen Fürstenbank behaupten
wollte, mußte er vor dem Widerstand der kath. Ge-
nossen weichen. 1598 Kurfürst geworden, setzte er
1599 entgegen dem eine Landteilung anordnenden
väterlichen Testament den geraischen Hausvertrag
durch, wonach alle Marken mit ihren Anwartschaf-
ten (Preußen, Pommern, die fchlef. und rhein. Ge-
biete) unteilbar an die Kur gebunden, die frank.
Lande aber zur Sekundogenitur bestimmt wurden.
Er bahnte ferner den Erwerb der jülich-cleveschen
Lande (s. Iülich) an. Im Innern kämpfte I. F.
lange vergebens gegen die Ansprüche der Stände,
denen er 1602 ihre Privilegien bestätigen mußte.
I. F. ist der Gründer des Finowkanals und des
Ioachimsthalschen Gymnasiums (24. Aug. 1607)
in Berlin. Er starb 18. Juli 1608. >> Murat.
Joachim I. Napoleon, König von Neapel,
Joachim von Floris, s. Ewiges Evangelium.
Joachim, Joseph, Violinvirtuos, geb. 28. Juni
1831 als Sohn israel. Eltern zu Kittsee bei Preß-
burg , kam frühzeitig nach Wien auf das Konser-
vatorium, wo Ios. Böhm sein Lehrer war. Schon
1843 machte er in Leipzig durch sein Violinspiel
Aufsehen und gewann Mendelssohns Teilnahme,
der von nun an seine Studien leitete, während
Hauptmann sein Lehrer in der Theorie wurde. Sein
Aufenthalt in Leipzig, wo er auch im Gewandhaus-
orchester und als Lehrer des Konservatoriums eine
Anstellung erhielt, dauerte bis 1850, worauf er eine
Reife nach Paris unternahm und auch hier seinem
Talent Anerkennung verschaffte. Noch in demselben
Jahre folgte er einem Rufe als Konzertmeister nach
Weimar, vertauschte aber schon 1853 diese Stelle mit
der eines Konzertdirektors bei der Hofkapelle in
Hannover, wo er zur luth. Kirche übertrat, und
blieb hier bis 1868. In diesem Jahre zog er nach
Berlin, wo er als Direktor der königl. Hochschule
für Musik in den Senat der königl. Akademie der
Künste eintrat. Eine außerordentliche technische
Meisterschaft verbindet sich in I.s Spiel mit stärkster
Naturbegabung, gründlichster musikalischer Bildung
und vollendeter Reife und Reinheit des künstlerischen
und persönlichen Charakters zum Ideal der Virtuo-
sität. Als Komponist ist I. durch sein "Konzert in
ungar. Weise" bekannt geworden. Ein zweites Violin-
konzert ((--äur) und mehrere (bloß in Stimmen ge-
druckte) Orchesterouverturen zeigen ihn auch auf
diesem Felde als hervorragenden Meister. 1889
feierten seine Verehrer das Jubiläum seines 50jäh-
rigen Auftretens durch Gründung einer Joachim-
stiftung.
I.s Gattin Amalie, geborene Schneeweiß
(Künstlername: Weiß), geb. 10. Mai 1839 zu
Marburg in Steiermark, wirkte bis zu ihrer Ver-
heiratung 1863 als Hosopernsängerin an den Hof-
bühnen zu Wien und Hannover, seitdem nur noch
als Konzertsängerin. Sie nimmt als Altistin be-
sonders im Oratorium einen hohen Rang ein. Ferner
hat sie zuerst in überall beifällig aufgenommenen
Sonderkonzerten ("Das deutsche Lied") eine volle
Übersicht über die Entwicklung des deutschen Liedes
geboten. 1883 wurde die Ehe mit Joseph I. getrennt.
Ioachimsorden, ein 1755 von 14 deutschen
Herzögen, Fürsten, Grafen und Edeln gestifteter
Orden mit dem Zweck, die minder bemittelten Mit-
glieder desfelben durch die reichern zu unterstützen,
ist nach 1820 erloschen.
Ioachimsthal in der Mermark, Stadt im
Kreis Angermünde des preuß. Reg.-Bez. Potsdam,
19 Kui im N. von Eberswalde, zwischen dem Grimnitz-
und Werbellinsee, hat (1890) 2071 meist evang. E.,
Post, Telegraph, schöne Kreuzkirche nach Schinkels
Entwurf, Präparandenanstalt; Ackerbau, Ziegelei,
Kalkbrennerei und bedeutende Steinbrüche. Das
24. Aug. 1607 in I. von Kurfürst Joachim Friedrich
gestiftete Gymnasium wurde 1655 nach Berlin und
3. Mai 1880 nach Deutsch-Wilmersdorf bei Berlin
(s.d., Bd. 2, S. 865 b) verlegt. Am Ufer des Grimmtz-
sees die Ruinen des Jagdschlosses Grimnitz, in wel-
chem 1529 der Erbvertrag zwischen Brandenburg und
Pommern geschlossen wurde. Westlich die Schorf-
heide, der reichste Iagdgrund an Hochwild in Deutsch-
land, mit dem königl.JagdschloßHubertusstock (s.d.).
Ioachimsthal. 1) Bezirkshauptmannschaft in
Böhmen, hat 277,02 ykm, (1890) 26 996 (12477
männl., 14519 weibl.) kath. deutsche E., 3160 Häuser
und 5205 Wohnparteien in 29 Gemeinden mit 57
Orten, umfaßt die Gerichtsbezirke I. und Platten. -
2) I., czech. ^c^inov, königl. freie Bergstadt, Sitz