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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Jochacker - Jod

es auch jetzt noch zur Anwendung kommt. Dieses österr. oder sog. Wiener J. umfaßt eine Fläche von 1600 Quadratklaftern (57 600 Quadratfuß) oder 5754,644 qm und entspricht somit 0,57546 ha oder 1,423 engl. Acres. Die Landwirte rechnen das J. zu 3 Metzen Aussaat. Ferner war und ist in gleicher Weise das J. in Ungarn im Gebrauch, wo es 1100-1300 Wiener Quadratklaftern groß ist, gewöhnlich aber zu 1200 Quadratklaftern = ¾ Wiener J. oder 0,4316 ha gerechnet wird. Außerdem war das J. unter dem Namen Jück, Juck oder Juch bis Ende 1871 ein Feldmaß im Großherzogtum Oldenburg, wo zweierlei Jück vorkamen: das Katasterjück oder alte Jück von 64 000 Quadratfuß = 56,028 a und das neue Jück von 51 840 Ouadratfuß = 45,383 a = 0,81 alte Jück; 40 alte Jück machten einen Bau. (S. auch Juchart.)

Jochacker, Feldmaß, soviel wie Joch (s. d.).

Jochanan, hebr. Name ("dem Jehova gnädig "ist"), gräcisiert in Joannes, Johannes (s. d.).

Jochbeine (Backenknochen, Wangenbeine, Ossa zygomatica s. malari s. jugalia), zwei kurze dicke Knochen, welche am äußern und obern Teil des Gesichts liegen und den hervorragendsten Teil der Wange bilden.

Jochbrücken, s. Joch.

Jöcher, im Bergbau, s. Joch.

Jöcher, Christian Gottlieb, Lexikograph, geb. 20. Juli 1694 in Leipzig, wo er anfangs Medizin, dann Theologie studierte. Nachdem er sich 1717 habilitiert hatte, erhielt er 1730 eine ord. Professur in der philos. Fakultät, 1732 die Professur der Geschichte. In der Philosophie gehörte er der Wolfschen Richtung an. 1742 wurde er Universitätsbibliothekar; auch war er lange Redacteur der Leipziger "Acta eruditorum". Er starb 10. Mai 1758. J.s noch immer unentbehrliches "Allgemeines Gelehrten-Lexikon" (4 Bde., Lpz. 1750-51), vermehrt von Dunkel (3 Bde., Cöthen 1753-60), das in etwa 76 000 Artikeln alle Gelehrten "vom Anfange der Welt" bis 1750 behandelt, ergänzte Adelung bis J (2 Bde., Lpz. 1784-87), Rotermund bis Rinov (Bd. 1-6, Abteil. 3, Brem. 1810-22).

Jochfortsatz, s. Schläfe.

Jochmus, August Giacomo, Freiherr von Cotignola, österr. Feldmarschalllieutenant und deutscher Reichsminister, geb. 27. Febr. 1808 zu Hamburg, ging nach Paris, um Militärwissenschaften zu studieren, und begab sich 1827 nach Griechenland, wo er am griech. Befreiungskampf als Adjutant des Generals Church teilnahm. 1835 begab sich J., durch die Intriguen der Nationalpartei vertrieben, nach England und trat in die engl.-span. Fremdenlegion ein, wo er zum Chef des Generalquartiermeisterstabs ernannt und 1837 zum Brigadegeneral befördert wurde. 1838 nach Beendigung des Bürgerkrieges begab er sich nach England zurück, von wo er bald darauf im Auftrage Lord Palmerstons nach Konstantinopel ging, um den Krieg gegen Syrien vorzubereiten. 1840 von der Pforte zum Divisionsgeneral befördert, war er als Generalstabschef der vereinigten türk.-engl.-österr. Armeen bei der Einnahme von St. Jean d'Acre (Nov. 1840) thätig. Im Dez. 1840 übernahm er den Oberbefehl über das türk. Heer und wurde dann nach Beendigung des Feldzuges im Kriegsministerium beschäftigt. Die Märzrevolution 1848 rief ihn nach Deutschland zurück, wo ihm der Reichsverweser Erzherzog Johann März 1849 das Ministerium des Äußern und der Marine übertrug. Nach dem Rücktritt des Erzherzogs und Auflösung des Reichsministeriums (Dez. 1849) zog sich J. in das Privatleben zurück. 1859 wurde er zum österr. Feldmarschalllieutenant ernannt, trat jedoch nicht mehr in Thätigkeit. Nach dem Frieden von Villafranca erhob ihn der Kaiser in den Freiherrenstand. Er starb 14. Sept. 1881 in Bamberg. J. veröffentlichte u. a. "Der Syrische Krieg und der Verfall des Osmanenreichs seit 1840" (Frankf. 1856); seine "Gesammelten Schriften" (4 Bde., Berl. 1883-84) gab Thomas heraus.

Joci causa, s. Jocus.

Jocketa, Dorf in der Amtshauptmannschaft Plauen der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, 9 km im NO. von Plauen, auf der Höhe über dem romantischen Trieb- und Elsterthal, an der Mündung der Trieb in die Elster und der Linie Leipzig-Hof der Sächs. Staatsbahnen, hat (1890) 215 E., Postagentur, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Wasserleitung und ist eine vielbesuchte Sommerfrische. Die Bahn überschreitet hier auf einem 68 m hohen, 281 m langen Viadukt mit zwei Bogenreihen das Elsterthal; durch einen der untern drei Bogen führt die Linie Weischlitz-Gera der Sächs. Staatsbahnen mit der unter J. gelegenen Haltestelle Barthmühle. In der Umgegend befinden sich Eisenlager und Eisenwerke.

Jockey (engl., spr. dschockĕ), Reitknecht oder Reitbursche. Meistens versteht man unter J. den berufsmäßigen Rennreiter. Im Gegensatz dazu steht der Herrenreiter (s. d.), oder kurz Gentleman rider oder kurze Gentleman, auch Gentleman-Jockey genannt. Rennen, in denen dieser reitet, schließen das Reiten von J. aus. Sind J. für einen bestimmten Rennstall engagiert, so dürfen sie ohne Erlaubnis ihres Herrn für andere Personen nicht reiten. Jeder J. muß, wenn er als solcher thätig sein will, von den betreffenden Rennvereinen eine sog. Reitlicenz besitzen. Diese kann ihm, wenn er sich gegen das Rennreglement vergeht, zeitweilig oder ganz entzogen werden. Geringere Verstöße finden in Geldstrafen ihre Erledigung.

Jockeyklub, eine geschlossene Gesellschaft, deren Mitglieder Förderer und Liebhaber von Pferderennen sind. J. giebt es in Wien, Pest, Paris und London.

Jockeyreiten, Wettrennen, bei dem nur Jockeys (s. d.) reiten.

Jocosa, s. Jocus.

Jocus (lat.), Scherz; auch der Genius des Scherzes; Jocusstab, Stab mit einem Brustbilde, welches die Freude oder auch ein Zerrbild mit Schellenkappe vorstellt; joci causa (im klassischen Latein: per jocum), Spaßes halber; extra jocum oder joco remōto, Spaß beiseite; inter jocos et serĭa, unter Scherz und Ernst; jokōs, scherzhaft, spaßig; jocōsa, scherzhafte Dinge, Possen; joculātor, Spaßmacher, Gaukler; davon Jongleur (s. d.).

Jod (Buchstabe), s. J (S. 812).

Jod (vom grch. ioeidēs, d. i. veilchenfarbig), chem. Zeichen J, Atomgewicht 126,9, ein nichtmetallisches, zu den Halogenen gehörendes einwertiges Element. Es wurde 1811 von Courtois entdeckt, aber erst von Davy und Gay-Lussac genauer untersucht und als Element erkannt. Das J. ist in der Natur sehr weit verbreitet, kommt aber immer nur sehr spärlich und nie im freien Zustande, sondern nur in Verbindungen mit Metallen vor. Es findet sich in einzelnen seltenen Mineralien als Jodsilber, Jodquecksilber oder Jodammonium, spurenweise in Phosphoriten, Steinkohlen, in sehr vielen Heil-^[folgende Seite]