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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Johann Friedrich (Herzog zu Braunschweig) - Johann (König von England)
erweiterte Cüstrin, legte die Festung Peitz an, grün-
dete für die Domänenverwaltung eine kollegialische
Amtskammer in Cüstrin, förderte Ackerbau, Handel,
Verkehr und Gewerbe. Als I. 1571 starb, war ein
ansehnlicher Staatsschatz angesammelt.
Johann Friedrich, Herzog zu Braunschweig
und Lüneburg (1665-79), dritter Sohn des Herzogs
Georg, geb. 25. April 1625, machte weite Reisen und
trat 1651 in Italien zum Katholicismus über. Nach
dem Tode seines ältesten Bruders, des kinderlosen
Christian Ludwig von Celle (1665), bemächtigte er
sich durch einen Staatsstreich des erledigten Fürsten-
tums, während nach den Bestimmungen des Testa-
ments seines Vaters dem ältesten Sohn, jetzt also
Herzog Georg Wilhelm von Calenberg, stets das
Fürstentum Lüneburg und dem zweiten Sohne Calen-
berg zufallen sollte. Da aber aus diesem Bruder-
zwiste große kriegerische Verwicklungen zu entstehen
drohten, so begnügte sich I. F. mit Calenberg, dem
das bis dahin mit Üüneourg vereinigte Gruben-
hagen zugelegt wurde (Neceß vom 12. Sept. 1665).
Zur Regierung gelangt, schuf er ein stehendes Heer
von 14000 Mann und ordnete die Landesverwal-
tung im centralisierenden Sinne unter Beseitigung
der landständischen und Vermehrung der landes-
herrlichen Rechte. Unter ihm wurde Hannover der
Mittelpunkt der päpstl. Propaganda; andererseits
entfaltete sich auch hier ein reges wissenschaftliches
und künstlerisches Leben. So berief er Leibniz an
die von ihm gegründete Bibliothek. Seine Politik
war darauf gerichtet, im Einvernehmen mit Frank-
reich fein Territorium zu vergrößern, ohne sich aber
in vollständige Abhängigkeit von dieser Macht zu
begeben oder mit dessen Gegnern die Fühlung zu
verlieren. Er starb 28. Dez. 1679 ohne Hinterlassung
männlicher Erben auf einer Reife nach Italien in
Augsburg. In der Regierung folgte ihm fein
jüngster Bruder Ernst August. - Vgl. Havemann,
Geschichte der Lande Braunfchweig und Lüneburg,
Tl. 3 (Gott. 1857), S. 214fg.; Köcher, Geschichte
von Hannover und Braunfchweig, I. 1648-68
(Lpz. 1884).
Johann der Unerschrockene, Herzog von
Burgund (1404-19), geb. 28. Mai 1371 in Dijon
als Sohn Philipps des Kühnen (s. d.), beteiligte sich
1396 an dem Türkenzuge des Königs Sigismund und
entkam nur mit größter Gefahr aus der unglücklichen
Schlacht von Nikopolis. Er folgte feinem Vater
1404. Von letzterm hatte er den Haß gegen die
Orlsans geerbt, die mit Burgund um den Einfluß
am Hofe des geisteskranken Karls VI. von Frank-
reich stritten. Im Nov. 1407 ließ I. feinen Haupt-
gegner, Ludwig von Orleans, den er überdies im
Verdacht des Ehebruchs mit feiner Gemahlin hatte,
nachts in Paris ermorden. Nun gelangte I. zu maß-
gebender Stellung, und 1409 muhten die Orlöans
zu Chartres sich mit ihm versöhnen. Bald aber ent-
brannte der Kampf aufs neue, in dem sich I. bald
(1413) mit der Pariser Zunftopposition, bald (1417)
mit der Königin Isabeau gegen den Dauphin (den
fpätern Karl VII.), ja selbst mit den Nationalfein-
den, den Engländern, verband. Als endlich eine
Versöhnung zwischen I. und dem Dauphin auf der
Ionnebrücke bei Montereau stattfinden sollte, wurde
I. 10. Sept. 1419 dort von den Begleitern des letz-
tern ermordet. Der Sohn I.s, Philipp der Gute,
trat nun als Rächer des Vaters auf.
JohannI.,König von Dänemark, Norwegen
den Joh ann II., war schon als Knabe 1457 von den
Schweden als Nachfolger seines Vaters Chnstian I.
von Oldenburg anerkannt worden und galt, als er
1481 diesem in den andern Reichen nachfolgte, auch
in Schweden als Oberherr, obwohl die thatsächliche
Regierung in den Händen des Reichsverwesers
Sten Sture lag. 1497 zog er mit einem etwa 30000
Mann starken Heer nach Schweden, eroberte Stock-
holm und wurde hier mit seinem Sohne Christian
zum König gekrönt. 1500 zog er dann mit den
Herzögen von Schleswig-Holstein und einem zahl-
reichen Söldnerheer, der "großen Garde", und
Holstein. Rittern gegen die Vauernrepublik der Dith-
marscken, erlitt aber bei Hemmingstedt eine gewal-
tige Niederlage. Das ermutigte auch die Schweden
zur Losreißung von der Union; sie eroberten 1501
Stockholm, nahmen I.s Gattin, Christina von Sach-
sen, gefangen und wählten sich wieder Reichsver-
weser. (S. Schweden.) In dem folgenden Kriege
mit Schweden kämpfte der König auch gegen Lübeck
mit Erfolg. 1512 kam es zum Frieden, aber I.
starb schon Febr. 1513. Seine Anfprüche auf Schwe-
den gingen auf feinen Sohn Christian II. über.
Johann, König von England (1199-1216),
geb. 24. Dez. 1166 zu Oxford, jüngster Sohn Hein-
richs II., war der Lieblingssobn seines Vaters, der
ihn einst Ohne-Land genannt hatte, obgleich er
mit Gütern reich ausgestattet war. Er nahm an
den Empörungen seiner ältern Brüder gegen Hein-
rich teil und suchte, während sein Bruder Richard I.
Löwenherz auf dem Kreuzzuge abwesend war, die
Herrschaft an sich zu reißen. Sein Plan mißlang;
aber als Richard nach kurzer Regierung gestorben
war, bestieg 1.1199 den Thron, obgleich Arthur,
der Sohn seines verstorbenen ältern Bruders Gott-
fried, ein näheres Anrecht darauf hatte. Derselbe
erreichte aber nur die Huldigung in Anjou, Maine
und Touraine. 1200 siel er in I.s Hand und ist
wahrscheinlich von ihm ermordet worden. Den dar-
auf folgenden Aufstand der franz. Provinzen Eng-
lands gegen I. benutzte Philipp August von Frank-
reich, um mit leichter Mühe 1203 die Normandie zu
erobern und dann sich nach Süden zu wenden. 1206
befaß I. trotz seiner Versucke zur Rückeroberung nur
noch einen kleinen südl. Rest seines festländischen Be-
sitzes. Auch in England hatte schon ein verhängnis-
voller Streit begonnen. I. verweigerte dem von
Papst Innocenz III. zum Erzbischof von Canterbury
bestimmten Stephan Langton den Eintritt in das
Reich; 1208 folgte das Interdikt, diefem der Bann,
diefem 1212 die Abfetzungsbulle und der päpstl. Auf-
trag an Philipp August von Frankreich zur Voll-
streckung. DenKampfmitdiesem Gegner vor Augen,
den eigenen, von ihm unaufhörlich gereizten Va-
sallen mißtrauend, wagte I. keinen Widerstand; er
nahm von Innocenz sein eigenes Königreich zu
Lehen (15. Mai 1213), schwur Treue und versprach
einen jährlichen Tribut. Der Rachekrieg, den jetzt
I. gegen Frankreich unternahm, endete 1214 nach
guten Anfängen mit einer vollkommenen Nieder-
lage bei Bouvines. Jetzt erhob sich der längst
grollende engl. Adel unter Langtons Führung.
Auf der Wiefe Runymede bei Windfor ertrotzten
die Barone den "Großen Freibrief", die N^na.
Owrt^ (s. d.) vom 15. Juni 1215. Der König
war nicht gewillt, seine Zusagen zu halten; sofort
verweigerte er, gestützt auf einen Dispens feines
päpstl. Lehensherrn, die Erfüllung dieses Vertrags.
Der Bürgerkrieg begann, I. hatte Glück, manche