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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Johann (Kurfürst von Sachsen) - Johann Wilhelm (Herzog zu Sachsen)
die Königin Carlotta, Schwester Ferdinands VII.
von Spanien, und ihr jüngerer Sohn Dom Miguel
traten. Letzterer zog im Mai 1823 einige Regimenter
auf seine Seite und brachte auch I. in seine Gewalt,
der nun unter dem Einfluß seiner Gemahlin die
Verfassung aufhob, die Kloster erneuerte und der
Geistlichkeit die eingezogenen Güter zurückgab. Da
I. jedoch auf die Absicht, alle Liberalen zu vernich-
ten, nicht einging, suchte ihn Miguel ganz beiseite zu
schieben. Der Anschlag mißlang dadurch, daß der
König 9. Mai 1824 auf ein engl. Schiff flüchtete
und von hier aus, durch die Gefandten der Groß-
mächte unterstützt, den Sohn für einen Hochverräter
erklärte. Miguel mußte sich unterwerfen und wurde
auf Reisen geschickt, worauf I. die Verfassung wie-
der in Kraft fetzte. Er starb 10. März 1826; schon
vor seinem Tode hatte sich die Verbindung Portu-
gals mit Brasilien gelöst, da I. 15. Nov. 1825 die
Unabhängigkeit Brasiliens unter seinem Sohn Dom
Pedro anerkannt hatte.
Johann der Beständige,Kurfürst von Sach-
sen (1525-32), geb. 30. Juni 1468, vierter Sohn
des Kurfürsten Ernst (s. d.), ward am Hofe Kaiser
Friedrichs III. erzogen, focht unter Maximilian 1.
gegen die Ungarn und Venetianer und führte nach
des Vaters Tode mit feinem Bruder Friedrich dem
Weifen die Regierung bis zu dessen Tode (5. Mai
1525). Zunächst unterdrückte I. energisch den
Bauernkrieg und sicherte die Reformation in dem
Kurgebiet. Der kath. Reaktion gegenüber verband
er sich 1526 zu Gotha und Torgau mit Philipp von
Hessen und setzte mit diesem in Speyer den dem
Evangelium günstigen Reichstagsbeschluß durch,
worauf er die folgerichtige Durchführung der luth.
Kirchenordnungen in seinem Lande begann. In den
Packschen Händeln mäßigte er 1528 den kriegerischen
Eifer Philipps, trat aber 1529 auf dem zweiten
Reichstage in Speyer neben diefem um fo entschlos-
sener auf, unterzeichnete als führender Fürst die
"Protestation" und behauptete auf dem Augsburger
Reichstage (1530) gegen das persönliche Andrängen
des Kaisers seine prot. Haltung. Damals erwarb
er sich den Namen des "Beständigen". Unter seiner
Mitwirkung und Führung kam 1530 der Schmal-
kaldische Bund zu stände. I. starb 16. Aug. 1532.
Johann Friedrich der Großmütige, Kur-
fürst von Sachsen (1532-47), Sohn Johanns des
Beständigen, geb. 30. Juni 1503 zu Torgau, re-
gierte nach des Vaters Tode (Aug. 1532) in streng
prot. Sinne, nach außen als führender Fürst den
Schmalkaldifchen Bund vertretend, nach innen durch
Visitationen, Kirchenordnungen, Pflege der Witten-
berger Universität u. s. w. dieLandeskirche ausbauend.
1535 erhielt er zu Wien die Bestätigung der Kur-
würde. Die Ausbreitung des evang. Geistes in
Nieder- und Oberdeutschland, die Verjagung des
Katholikenführers Herzog Heinrich von Vraun-
schweig 1542 und seine Gefangennehmung 1545
drängten Karl V. dahin, 1546 kriegerisch gegen den
Schmalkaldischen Bund einzuschreiten. Der nun-
mehr vom Kaiser geächtete I. F. führte mit Philipp
von Heffen das Bundesheer an der obern Donau,
dem indes Karl V. durch geschickte Bewegungen zu
begegnen wußte. Infolge des Einfalls des Herzogs
Moritz in sein Stammland eilte I. F. im November
dorthin zurück, trieb den Herzog über das Erz-
gebirge, erlag aber 24. April 1547 auf der Lochauer
Heide hinter Mühlberg a. E. den vereinigten
Truppen des Kaifers und des Herzogs und wurde
gefangen. Der Kur beraubt, zum Tode als Rebell
verurteilt, erkaufte sich I. F. durch die Witten-
berger Kapitulation, 19. Mai 1547, das Leben,
blieb aber Karls Gefangener, bis die Empörung des
Kurfürsten Moritz den Kaiser bewog, I. F. zu ent-
lassen. Im Sept. 1552 heimgekehrt, bestrebte er sich
vergebens, die Kur wiederzuerlangen, und muhte
sich mit der Rückgabe der Amter Altenburg und Neu-
stadt im Naumburger Vertrag 24. Febr. 1554 be-
gnügen. Er starb 3. März 1554, nachdem er noch
1553 die an seinen Bruder Johann Ernst vergebene
Pflege Coburg bei dessen Tode geerbt hatte, zu
Jena, dem Hauptsitze der vor Moritz geretteten Er-
nestinischen Lande. Sein Denkmal zu Jena (von
Drake) wurde 1858 enthüllt.
Johann Friedrich II. oder der Mittlere,
Herzog zu Sachsen, ältester Sohn Joh. Friedr.
des Großmütigen, geb. 8. Jan. 1529, hatte sich nach
der Schlacht bei Mühlberg nach Gotha gerettet und
übernahm sodann mit seinem Bruder Johann Wil-
helm (s. d.), zugleich im Namen des noch unmündigen
Bruders Johann Friedrich III. (geb. 17. Jan.
1537), die Verwaltung des zufolge der Witten-
berger Kapitulation der Ernestinischen Linie zuge-
teilten Länderteils. Durch feinen Vater veranlaßt,
stiftete er 1547 die Universität Jena, die er aber erst
1558 einweihen konnte. Nach dem Tode des Vaters
follten zufolge testamentarischer Anordnung die drei
Söhne gemeinschaftlich regieren, doch schon im März
1557 überliehen die beiden jüngern dem ältern
Bruder die Regierung auf bestimmte Zeit allein.
Nach dem kinderlosen Ableben Johann Friedrichs III.
1565 teilten die beiden Brüder die Lande in den
Weimar, und gothaischen Teil, von denen der erste
dem iüngern, der andere dem ältern Bruder auf
drei Jahre eingeräumt wurde. I. F. mischte sich in
den von Flacius (s. d.) gegen die Wittenberger
geführten theol. Streit; verhängnisvoll war seine
Parteinahme für Wilhelm von Grumbach (s. d.),
der 1563 in die Acht erklärt wurde. Da I. F. nicht
bewogen werden konnte, dem Geächteten und dessen
Anhängern feinen fernern Schutz zu versagen, so
erklärte der Kaiser ihn selbst 1566 in die Acht und
lieh 1567 seine Unterthanen an seinen Bruder Jo-
hann Wilhelm weisen, worauf Kurfürst August von
Sachsen, beauftragt mit der Vollziehung der
Acht, 13. April 1567 das feste Schloß Grimmen-
stein bei Gotha durch Kapitulation einnahm. I. F.
wurde gefangen zuerst nach Dresden, dann nach
Wien und hierauf zu ewigem Gefängnis nach
Wienerifch-Neustadt gebracht, wohin ihm 1572 seine
Gemahlin Elisabeth, die Tochter Friedrichs III. von
der Pfalz, folgte, die daselbst 8. Febr. 1594 starb.
I. F. selbst, während des Türkenkrieges 1595 nach
Schloß Steier in Oberösterreich gebracht, starb hier
infolge eines Falles 9. Mai 1595. - Vgl. Beck,
I. F. der Mittlere, Herzog zu Sachfen (2 Bde.,
Weim. 1858); ders., Geschichte des MrMchen
Landes, Bd. 1. (Gotha 1868); Ortloff, Geschichte der
Grumbachschen Händel (4 Bde., Jena 1868-70).
Johann Wilhelm, Herzog zu Sachsen, geb.
II. März 1530 in Torgau als zweiter Sohn Jo-
hann Friedrichs des Großmütigen, regierte seit
1554 mit seinem Bruder Johann Friedrich II. (s. d.)
gemeinsam und kämpfte 1557-58 für Heinrich II.
von Frankreich. Bei der Teilung mit feinem Bruder
1565 erhielt er die frank. Landesteile und nahm
feinen Sitz in Coburg. Er half die Acht an seinem
Bruder vollstrecken und erhielt vom Kaiser dessen