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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Johann Kasimir (Herzog vou Sachsen-Coburg) - Johann (von Schwaben)
tur und machte ihn zuerst auf Dante aufmerksam.
1828 ließ er die Übersetzung der ersten zehn Gesänge
von Dantes -"Hölle" und 1833 die übrigen Gesänge
der "Hölle", mit einem (Philalethes unterzeich-
neten) Vorwort und Anmerkungen, zur Privat-
verteilung drucken. Überdies nahm er regen Anteil
an dem auf seine Anregung 1821 gestifteten Säch-
sischen Altertumsverein, dessen Vorsitzender er lange
Zeit war. Nach Erwählung seines ältern Bruders
zum Mitregenten übernahm er das Kommando der
Kommunalgarden, das er viele Jahre hindurch bei-
behielt. Ferner erhielt er Sitz und Stimme im Ge-
heimen Rat und, als dieser 1831 aufgelöst wurde, den
Vorsitz im ^taatsrat, nahm auch als Mitglied der
Ersten Kammer den regsten und förderlichsten An-
teil an der Neugestaltung Sachsens. Einen Beweis
seiner erfolgreichen Dante-Studien, die sich auf eine
großartige Dante-Bibliothek stützten, lieferte er in
der metrischen Übertragung der "Oivina commoäiH"
mit kritischen und histor. Erläuterungen (3 Bde.,
Lpz. 1839-49; 2. Aufl. 1865-66 sowie vier un-
veränderte Abdrücke 1868, 1871, 1877 u. 1891).
Nachdem er 9. Aug. 1854 den Thron bestiegen hatte,
förderte er in den deutfchen Angelegenheiten die
Bundesreformverfuche vom mittelstaatlichen Stand-
punkt aus, beteiligte sich daher auch lebhaft an den
Verhandlungen des Frankfurter Fürstentages im
Aug. 1863, vermochte aber den König Wilhelm von
Preußen, bei dem er persönlich in Baden-Baden er-
schien, nicht zur Teilnahme Zu bewegen. In der
schleswig-Holstein. Frage trat er von Ansang an
für das Erbrecht Friedrichs (VIII.) von Augusten-
burg und für dessen Anerkennung durch den Bundes-
tag ein, stellte auch seine Truppen zur Vundes-
exekution in Holstein (Dez. 1863). Als Preußen
insolge der Bundestagssitzung vom 14. Juni 1866,
in welcher Sachsen zu Gunsten des österr. Mobili-
sierungsantrags gegen Preußen gestimmt hatte,
den Bundesvertrag für gebrochen erklärte und ein
Heer in Sachfen einrücken ließ, verließ I. 16. Juni
Dresden und zog sich 18. Juni mit der sächs.
Armee über das Erzgebirge nach Böhmen zurück.
Hier hielt er sich anfangs in Prag auf, ging aber
4. Juli nach Wien und nahm seinen Aufenthalt in
Schönbrunn, später während der Friedensunter-
handlungen mit Preußen in Karlsbad. Als der
Friede 21. Okt. abgeschlossen war, hielt er 3. Nov.
seinen Einzug in Dresden. Seine Proklamation
rom 26. Okt. und der Besuch, den er 17. Dez. mit
dem Kronprinzen Albert dem König Wilhelm in
Berlin abstattete, leiteten das neue Bundesverhält-
nis hoffnungsreich ein. Feste Bundestreue bewährte
er vor allem beim Ausbruch des Deutsch-Französi-
schen Krieges und bei der Wiederaufrichtung des
Deutschen Reichs. Für die Gesetzgebung desselben
bewährte er bis zuletzt das eingehendste Interesse.
Er starb 29. Okt. 1873 in Pillnitz. Sein Denkmal
(Reiterstandbild von I. Schilling) wurde 18. Juni
1889 in Altstadt-Dresden enthüllt.
Vermählt war I. seit 10. Nov. 1822 mit Amalie
Augusta (geb. 13. Nov. 1801, gest. 8. Nov. 1877),
einer Tochter des Königs Maximilian Joseph von
Bayern und Schwester der verwitweten Königin
Maria von Sachsen. Von den drei Prinzen und
sechs Prinzessinnen, welche dieser Ehe entsprossen,
leben: sein Nachfolger, König Albert (s. d.); Prinz
Georg (s. d.); Prinzessin Elisabeth, geb. 4. Febr.
1830, vermählt 1850 mit Ferdinand, Herzog von
Genua, der 1855 starb. - Vgl. Joh. Paul von Falken-
stein, I. König von Sachsen (Dresd. 1878), und des-
selben Artikel in der "Allgemeinen Deutschen Bio-
graphie", Bd. 14, S. 387 fg.; beide Arbeiten be-
ruhen teilweise auf eigenen handschriftlichen Auf-
zeichnungen I.s.
Johann Kasimir, Herzog von Sachsen-
Coburg, geb. 12. Juni 1564 als dritter Sohn
Herzog Johann Friedrichs II. zu Sachsen (s. oben,
S. 932 d), wurde nach der Gefangennahme feines
Vaters von seiner Mutter Elisabeth sorgfältig
erzogen und übernahm 1586 mit seinem Bruder
Johann Ernst die Regierung, bis 4. Dez. 1596 die
Teilung erfolgte, in der I. K. Coburg, Johann
Ernst Eisenach erhielt. Im Dreißigjährigen Kriege
anfangs neutral, fchloß er sich später an Gustav
Adolf an. Er starb 16. Juli 1633.
Johann, Herzog von Sachsen-Weimar, geb.
22. Mai 1570 zu Weimar als Sohn des Herzogs
Johann Wilhelm zu Sachsen (s. oben, S. 932d),
regierte mit seinem Bruder Friedrich Wilhelm ge-
meinsam bis zu dessen Tod 1602 und übernahm dann
die Vormundschaft über die Söhne desselben und die
Regierung des Weimar. Landesanteils. Er that viel
MSchule und Kirche, starb aber schon 31. Okt. 1605.
Johann (3rnst,HerzogvonSachfen-Weimar
(1605-26), ältester ^ohn des vorigen, geb. 21.Febr.
1594 zu Altenburg, folgte 1605 seinem Vater un-
ter der Vormundschaft der Kurfürsten Christian II.
und Johann Georg I. von Sachsen und übernahm
1615 die Regierung selbst. Er trat in die Dienste
Friedrichs V. von der Pfalz, fpäter in die Christians
von Dänemark, unterwarf 1626 fast ganz Schlesien,
wurde dann von Wallenstein hart bedrängt, Mug
sich aber nach Ungarn durch, wo er 14. Dez. 1626
zu St. Martin plötzlich starb.
Johann Adolf II., Herzog von Sachsen-
Weißenfels-Querfurt (1736-46), geb.4. Sept.
1685, befehligte 1702 am Rhein das Querfurtsche
Kontiilgent, trat in Hess. Dienste und zeichnete sich
bei Höchstäot, Turin und Malplaquet aus, worauf
er 1709 als Generalmajor in kursächs. Dienste trat.
Im Nordischen Kriege zeichnete er sich namentlich vor
Stralsund sowie 1716 in Polen aus, befehligte 1718
die fächs. Hilfstruppen in Ungarn und während des
Polnischen Thronfolgekrieges 1733 und 1734 in
Polen, leitete gemeinsam mit dem russ. Feldmarschalt
Münnich die Belagerung von Danzig und wurde
1735 kursächs. Generalfeldmarschall und General-
seldzeugmeister des Reichs. 1736 gelangte er zur
Regierung, übernahm 1742 den Oberbefehl über
die fächs. Truppen und führte diesen auch im zweiten
Schlesischen Kriege. I. A. starb beim Besuch der
Leipziger Messe 16. Mai 1746; er war der letzte
Herzog von Sachsen-Weißenfels-Querfurt. - Vgl.
Lebcn und Thaten des Herzogs I. A. (Frankf. und
Lpz. 1744).
Johann, genannt Parricida, eigentlich I.
von Schwaben, geb. 1290. Sein Vater Rudolf,
ein Sohn König Rudolfs I. von Habsburg, war
über die österr. Stammlinie mitbelehnt,' seiner
Mutter Agnes aber, einer böhm. Königstochter,
war die Graffchaft Kyburg besonders verschrieben,
und ihm nach Wenzels III. Tode ihre Näherrechte
auf Böhmen vererbt worden. Als I., zur Voll-
jährigkeit herangewachsen, seinen Oheim, König
Albrecht I., wiederholt um sein Erbteil bat, ver-
weigerte dieser sogar die Auslieferung Kyburgs.
Hierüber erbittert, verschwor sich I. mit den ober-
schwäb. Rittern Walther von Eschenbach, Rudolf