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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Joseph Clemens (Kurfürst von Köln) - Joseph (Le père)
und die Verwaltung umgestalten, und da die Stände
energisch widerstrebten, wurde die alte Landesver-
fassung von Brabant, die ^o^euzo enti-66 (s. d.),
Mnz aufgehoben (Juni 1789). Es brach darüber im
Spätherbst ein allgemeiner Ausstand los, der durch
die in Frankreich soeben von der Revolution gewon-
nenen Erfolge ermutigt und von der franz. Umsturz-
partei auch mit den Waffen unterstützt wurde. Die
taiscrl. Truppen wurden vertrieben; im Jan. 1790
proklamierten die niedcrländ. Provinzen ihre Un-
abhängigkeit und ihre Lossagung von ^sterreicb.
Auch in Ungarn war die Unzufriedenheit so hock
gestiegen, daß man einen gewaltsamen Ausbruck
befürchten mußte. Um diese Gefahr abzuwenden,
widerrief I. Anfang 1790 alle während seiner Rc-
gicruug für Ungarn erlassenen Verordnungen, mit
"Ausnahme des Toleranzedikts und der Abschaffung
der Leibeigenschaft. Dazu kamen die Mißerfolge der
auswärtigen Politik und die Gefabr eines Angriffs
von feiten Preußens. Von körperlichen Leiden und
Familienunglück schwer mitgenommen, erfüllt von
der schmerzlichen Empfindung, sür seine besten Ab-
sichten im Volte kein Verständnis zu finden, siechte
der Kaiser hin: er starb 20. Febr. 1790 in Wien.
Sein Nachfolger in Asterreich wie in der deutschen
Kaiserwürde war sein Bruder Leopold II. Kaiser
Franz II. ließ I. 1807 in Wien ein ehernes Reiter-
standbild (von Zauuer) setzen; 1892 wurde ihm in
Brunn ein Denkmal errichtet.
Vgl. Groß-Hoffinger, Lebens- und Rcgierungs-
gcsch'ichteI.s II. (4Bdc.,Stuttg. 1835-37); Arneth,
Geschichte Maria Theresias (10 Bde., Wien 180:'.
- 79); ders., Maria Theresia und I. II. (3 Bde.,
ebd. 1867); ders., I. II. und Katharina von Rußland.
Ihr Briefwechsel (ebd. 1869); Brunner, ^ori'LFpon-
clancc3 intime cio i'ompLreur ^s. II üvoc lüodenxi
^ "Hnnit2 (Mainz 1871); Arneth, I. II. und Leo-
pold von Toscana. Ihr Briefwechsel 1781 - 90
(2 Bde., Wien 1872); Beer, I. II., Leopold II. und
Kaunitz. Ihr Briefwechsel (ebd. 1873); Wendrinsky,
Kaiser I. II. (ebd. 1880); Lustkandl, Die Iosephini-
schen Ideen und ihr Erfolg (ebd. 1881); Beer, I. II.
<im "Neuen Plutarch", Bd. 9, Lpz. 1882); Nosinich
und Wiener, Kaiser I. II. als Staatsmann und Felo-
lierr (Wien 1885); Brunncr, I. II. Charakteristik
seines Lebens, seiner Regierung und seiner Kirchcn-
rcform (2. Aufl., Freiburg 1885). Würdigung von
I.s deutfcher Politik bei Ranke, Die deutschen
Mächte und der Fürstenbund, Bd. 1 (Lpz. 1871).
Joseph Clemens, Herzog in Bayern, Kurfürst
'ron Köln, geb. 1671, wurde schon mit 13 Jahren
Bischof von Frcising und ein Jahr später auch
Bischof von Regcnsburg. 1688 bewarb er sich
gegen den franz. Kandidaten, Wilhelm von Fürsten-
berg, um das Erzbistum Köln und wurde, trotz ge-
ringerer Stimmeuzahl bei der Wahl, vom Papst
und den Kurfürsten anerkannt. Die Doppclwahl in
Köln lieferte neben den von Ludwig XIV. auf die
Pfalz erhobenen Ansprüchen die Veranlassung zu
dem Kriege mit Frankreich von 1688 bis 1697, in
welchem (Okt. 1689) die kurfürstl. Residenz Bonn
nach schwieriger Belagerung von den Brandenbur-
gern unter Kurfürst Friedrich III. erobert wurde.
Während des Spanischen Erbfolgckriegcs stand I. C.
mit seinem Bruder, dem bayr. Kurfürsten Max Ema-
uucl, auf der Seite Ludwigs XIV.; er mußte 1703
nach Frankreich flüchten, wurde von Kaifer Iofcph in
die Reichsacht erklärt, doch durch den Badencr Frie-
dcn wieder in seine Lande emgcsetzt. Maßlos eitel
und verschwenderisch, befand sich I. C. stets in Geld-
verlegenheit; seine Unterthanen hatten schwer dabei
zu leiden. Er starb 1723. ^stein.
Joseph, Fürsten von Liechtensteins. Liechten-
Ioseph, König von Neapel und später von
Spanien, s. Bonaparte (Bd. 3, S. 272).
Joseph I., Emanucl, König von Portugal
i1750-77), geb. 1715 als Sohn Johanns V., be-
stieg 1750 nach dem Tode seines Vaters den Thron
und berief sofort Pombal (s. d.) zur Regierung,
dessen Einfluß er sich völlig überließ, während er
selbst sich seinen Vergnügungen hingab. Ein Mord-
versuch, der 1758 gegen ihn unternommen wurde
lf. Aveiro, Dom Jose), führte zur Vertreibung der
Jesuiten. Er starb 1777 nach längerer Krankheit,
während der seine Gemahlin Maria Anna, Tochter
Philipps V. von Spanien, die Regentschaft führte.
Ihm folgte seine älteste Tochter Maria I.
Joseph, Friedr. Wilh., Prinz von Sachsen-
H ildbur g h ausen, österr. Feldmarschall und des
Deutschen Reichs Feldzcugmeister, geb. 8. Okt. 1702,
trat als Stabskapitän 1719 in das österr. Regiment
Seckcndorf, kämpfte 1734 als General bei Parma
und Guastalla, zeichnete sich 1735 als Feldmarschall-
lieutenant beim Rückzug des Heers mehrfach aus
und vertrieb die Spanier aus Mantua. 1736 unter-
drückte I. als Feldzeugmeister einen Aufstand der
Kroaten, kämpfte 1737 in Bosnien gegen die Türken,
wurde vor Vanjaluka, das er seit 23. Juli belagerte,
4. Aug. zurückgeschlagen, entschied jedoch das Treffen
bei Kornja zu Gunsten der Kaiserlichen. 1739 deckte
er den Rückzug nach dem Gefecht bei Krozka und
trug 23. Juli 1739 wcseutlich zum Sieg iu der eben-
dort gelieferten Schlacht bei. I. wurde 1739 Reichs-
feldzcugmeistcr und Ritter des Goldenen Vließes
und 1741 zum österr. Feldmarschall ernannt. 1743
wurde er kommandierender General von Inner-
Ostcrreich, von Varasdin und Karlsstadt und er-
warb sich in dieser Stellung große Verdienste um
Organisiernng der Militärgrenze. 1749 erbat er
seinen Abschied, übernahm aber beim Ausbruch
des Siebenjährigen Krieges das Kommando über
die Reichserekutionsarmee und wurde mit dem
franz. .Heere des Herzogs von Soubisc zugleich bei
Rohbach (5. Nov. 1757) von Friedrich d. Gr. ge-
schlagen, worauf er sich ins Privatleben zurückzog.
I. starb 14. Jan. 1787.
Joseph (genannt 1^0 pöre, eigentlich Franc ois
Leclcrc du Tremblay), franz. Kapuziner,'geb.
1577 in Paris, bildete sich durch Reisen und bewährte
sich im Kriegsdienste, trat 1599 in den Kapuzincr-
ordcn und zeigte als Prediger, Professor und Missio-
nar den lebhaftesten Eifer für die Aufgaben seines
Ordens. Nach dem Tode Heinrichs IV. erlangte
er polit. Einfluß bei Hofe und wurde mehr und
mehr Nichelieus Mitarbeiter; Ordensgeneral und
Papst erteilten ihm Dispens dazu. Auf wichtigen
Sendungen (1624 nach Rom, 1630 nach Regens-
burg u. s. w.) vertrat I. Nichelieus Politik. In
Richelieus Nähe bearbeitete er als sein eigentlicher
Bureauleiter mit vier andern Kapuzinern die ge-
heimen Sachen für den Kardinal und übertraf seinen
Meister noch in der Wahl gewaltsamer, skrupelloser
polit. Mittel; nur in seinem obersten, ganz inner-
lichen Endziel war er idealer, eifriger katholisch
gerichtet als jener. Richelieu bestimmte den Pater
zu seinem polit. Nachsolger und bemühte sich jahre-
lang um den Kardinalshut für den Mönch, die "graue
Emincnzv; der Papst gewährte ihn nicht, denn ge-