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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Jura (Departement)
Paß von Verrieres (Val Travers), der Patz von
Ste. Croix zwischen dem Neuenburgersee und dem
Val Travers, die Straße über die Tete de Rang
uon Neuchütel nach Chaux de Fonds, die Pierre-
Pertnis zwischen dcnl St. Immer- und dem Birs-
thal, die Straße über den 3Nont-Terrible (les Ran-
giers), der Pahwang, der Obere und der Untere
Hauenstein im Solothurner I., die Stasfelegg und
der Bötzberg im AargauerI. Der Col de Iougne, ^
der Paß von Verriöres, die Tete de Rang, der Mont- !
Sagne zwischen Chaux de Fonds und dem St. Im- ^
merthal, die Pierrc-Pcrtuis, der Ätont-Terrible, der ^
Untere Hauenstein und derVötzberg sind jetzt über- !
schient. Die Schwierigkeit des Terrains machte viele ,
Tunnel notwendig; die längsten sind der Tunnel
von Les Loges auf der Linie Neuchatel-Chaux
de Fonds, 3263 N lang, der Tunnel de la Croix,
2919 in, auf der Linie Delsverg-Pruntrut, der Bötz-
bcrgtunnel auf der Linie Basel-Vrugg (2517 m)
und der Hauensteintunnel auf der Linie Basel-Olten.
Gewässer. Der I. gehört in seinem nordöstl.
Teil der europ. Hauptwasserscheide an und trennt
auf diefer Strecke die Gewässer des Rhone- und
Rheingebietes; weiter im SW. findet nur mehr eine
lokale Wasserscheidung statt, da der I. unterhalb
Gens von der Rhone selbst durchbrochen wird. Zum
Rhönegebietc gehören die Venoge, die Valserine,
der Ain und der Doubs; zum Gebiet der Nordsee
gehören die Birs, ferner die Zihl oder Thiele, als
Quellfluß Orbe genannt, mit der Areuse aus dem
Traversthal, die Dünnern u. s. w., welche in die
Aare münden. Mit Ausnahme des Neuenburger-
und Bielersces am südöstl. Rande sind die ^een
klein, meist Muldenseen mit einförmigen Ufern,
wie der See von ^t. Point im Gebiet des Doubs
und der Iouxsee im Gebiet der Orbe; dagegen ist
der malerische See, den der Doubs bei Les Brenets
bildet, ein Klusensee. (S. Iuragewässertorrektion.)
Das Klima ist verhältnismäßig rauher als in
den Alpen; die Winter sind lang und streng, reich
an Schnee, aber fast frei von Nebeln. Die Pflan-
zenwelt lehnt sich innig an die der Westalpen an
(s. Alpen, Bd. 1, S. 442'd), entbehrt aber der hoch-
alpinen Matten. Die steilen Kalkmassive tragen an
der Südseite hoch hinauf die Pflanzen der warmen
Thalregion, in den kahlen Schluchten und auf den
etwa 1400-1500 m hohen runden, grasigen Kup-
pen alpinen Vlütenrcichtum. Der Ackerbau ist meist
auf die Thalsohlen und die Vorstufen des Gebirges
beschränkt, auf denen, wie im Neuenburger, Solo-
thurner, Bafeler und Aargauer I., auch Rebe und
Nusibaum gedeihen. Das Gebirge liefert vorzügliche
Bausteine (Solothurner Marmor), lithographische
Schiefer, Gips, Steinsalz, Asphalt im Val de Tra-
vers, Vohnerz, Mergel und Thon.
Im ganzen ist die Bevölkerung dünn, und nur
die industriellen Hochthäler von Waadt, Neuenburg
und Vorn und die fruchtbaren Hochflächen östlich der
Virs sind dichter bewohnt. Außer Ackerbau, Vieh-
zucht und Bergbau sind die wichtigsten Erwerbs-
quellen die Fabrikation von Eisen- und Stahl-
waren in den franz. Departements I. und Doubs
und im Waadtland und Solothurn, die Uhren-
inoustrie im Waadtländer, Neuenburger und Ver-
ncr I. und im franz. Depart. Doubs, die Fabri-
kation von Spielwerken zu Stc. Croix (Waadt), dic
Cementfabrikation und die Erzeugung von Absinlh
nn Val Travers und die Glas- und Papierfabrika-
tion im Thal der Virs.
.Vrockhaus' Kouvcrsations-Lexilon. 14. Aufl. IX.
2) I. oder Deutscher I., zusammenfassende Bc-
zeichnuug des Gebirges, das sich mit dem Randen
im Kanton Schaffhausen an den eigentlichen oder
Schweizerischen I. anschließt. Es besteht aus den-
selben Formationsgliedern, wie dieser, ist jedock
tektonisch dadurch verschieden, daß sein Bau nichl
durch Faltung, sondern ausschließlich durch Brüche
bedingt ist. Er ist vom 'Rhein bis zum Main etwa
400 km lang, ohne Kcttenbildung und Längen-
thäler, zeigt dagegen viele, zum Teil ihn ganz durch-
schneidende Querthäler, nimmt ebenfalls gegen N.
an Höhe ab, hat aber seinen Steilabfall gegen NW.,
seine sanftere, oft terrassenartige Böschung gegen
SO. Durch den Durchbruch der Altmühl wird er
in zwei Abschnitte geteilt, den Schwäbischen
Jura (s. d.), zwischen Rhein und Altmühl, und den
Fränkischen Jura (s. d.), zwischen Altmühl und
Main mit der Fränkischen Schweiz im nörd-
lichsten Teile.
Jura, franz. Departement, ein Teil der alten
Freigrasschaft Burgund (Franche-Comte'), wird von
der Schweiz, Kanton Waadt (O.) und den Depart.
Doubs (NO.), Haute-Haöne (N.)^, Cöte-d'Or und
Saöne-et-Loire (W.) und Ain ("H.) begrenzt, hat
4994,m, nach Berechnung des Kriegsministerimns
5054 cilvin und (1891) 273 028 E. (darunter 3490
Ausläuder), d. i. 54 auf 1 hkm und eine Abnahme
von 2,93 Proz. gegen 1886. I. zerfällt in die
4 Arrondissements Lons-le-Saunier, St. Claude,
Dole und Poligny mit zusammen 32 Kantonen und
584 Gemeinden. Hauptstadt ist Lons-le-Saunier.
Es gehört zum Westabfall des Iuragebirges, dessen
gewellte Hochflächen sich hier zur Saöne-Ebene sen-
ken. Mt Ausnahme des Val des Rousses, dessen
kleiner See durch die Orbe zur Aare abstießt, gehört
das Departement dem Gebiet der Rhone an, der
der Ain mit der Vienne, der Ognon, der Doubs
mit der Loue und die Seille durch die Saöne zu-
fließen, über zwei Drittel der Vodenfläche sind
wenig ergiebiges Bergland mit ausgedehnten Wei-
den und Nadelwäldern^ (108 854 lia Wald), die
Ebene dagegen und die Thäler am Rande der Hoch-
fläche sind fruchtbar und liefern Getreide (1891:
503 118 di Weizen auf 42800 w Land, 22155 ui
Roggen auf 1800da, 408 000 Iii Hafer auf 17 000 kö.
174504 di Mais) und Wein von guter Qualität
(1888 auf 18097 lia 308269 Iii, 1891 auf 17261 ka
60515 di, 1881-90 im Durchschnitt 170 798 HI',
der, meist mit andern vermischt, nebst Walnüssen
den Hauptausfuhrartikcl bildet. Die besten Sor-
' ten sind die von Arbois, Salms, Chäteau-Chalon
und Lons-le-Saunier. Der Boden ist reich an
Eisen, Marmor, Kalkstein, Bohnerz und Stein-
salz. Haupterwcrbsquellen sind Acker-, Obst-und
Weinbau, Viehzucht, die in den höhern Teilen al^
Alpenwirtschaft betrieben wird und vorzüglichen Käse
liefert, die Ausbeutung der Waldungen und der
Mineralschätze, serner die Eisen- und Stahlindustrie,
die Uhrcnfabrikation, Seidenweberei, Papierfabri-
kation, Töpferei, Gerberei und die Anfertigung
von Drechslerarbeiten (wdiktwi-is). Alljährlich
wandern viele teils als Kleinhändler, teils als Ar-
deiter in das Innere Frankreichs aus und kehren
zur Erntezeit zurück. Von W. nach O. wird das
. Departement von der Bahnlinie Paris-Dijon-Neu-
! chatel, von N. nach S. von der Linie Befancon-
Lons-le-Saunier-Lyon durchzogen (im ganzen
294,6 km Eifenbahnen). Eine wichtige Wasserstraße
bietet der Rhöne-Rhein-Kanal. Das Departement
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