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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Justinianus II. - Justinus II.
Uprauda. Seinem Oheim Iustinus I. folgte er!
Aug. 527 auf dem Throns, nachdem er bereits ,
1. April desselben Jahres von diefem zum Mit- !
regenten ernannt worden war. Großen Einfluß !
übte auf I. feine Gemahlin Thcodora (s. d.). Sie >
vornehmlich regte zu den lange fortgesetzten, doch !
vergeblichen Bestrebungen an, die Monophysiten ^
mit der orthodoxen Kirche zu vereinigen. Auch der
Nika-Aufstand (s. d.) von 532 war namentlicb
durch die parteiische Gunst, die Thcodora der Partei
der Blauen erwies, verursacht worden. Nach außen
wurden die Macht und die Grenzen des Reichs unter
1. weit ausgebreitet, vornehmlich durch feine großen
Feldherren Velifar und Narscs. Im Osten Zwar ^
mußte der Friede von dem Pcrserkönig Khosrev Nu^
shirvan feit 531 immer von neuem erkauft werden;
dagegen sielen im Westen durch die Zertrümmerung
der Herrfchaft der Vandalen, die Velisar 533-531 !
vollbrachte, Afrika, Sardinien und Corsica, durch ^
die Zerstörung des Ostgotischen Reichs, die nach ^
langem, von Velifar 535 begonnenem Kriege durch
Narses 554 vollendet wurde (s. Ostgoten), Sicilicn !
und Italien dem Byzantinischen Reiche wieder zu. ^
Auch in Spanien wurde um 554 ein großer Teil des ^
Küstenlandes den Westgoten abgewonnen. (Vgl.
die Nebenkarte: Oströmifches Reich beimTode
I.s zu der Karte: Vyzantinifches Rcick,Vd. 3,
2. 814.) Freilich war die Folge diefer Eroberungen !
cine Überfpannung der Kräfte des Reichs, und nur !
;n oft blieb die Balkanhalbinfcl gegenüber den Ein- z
sällcn der Slawen und Bulgaren nur fcklecdt ge-
schützt. Die größte Berühmtheit hat I. durch die
Kodifikation des röm. Rechts erlangt, die von dem ^
Justizminister Tribonianus u. a. in den 1.530-534 !
ausgeführt wurde. (S. ^orpiiä ^ni-ik und Römifches
Recht.) Durch große Bauten wurde die Abgabenlast
unterI.freilich gesteigert. Doch dienten diese Bauten
nicht allein zur Verherrlichung der Kirche, wie denn
in Konstantinopel 25 neue Kircben, unter diesen
532-537 die prächtige Sophienkirche, erbaut wur- !
den, sondern auch zum Nutzen des Staates, wie
namentlich die Reihe von Festungswerken, durch
welche I. feit 530 die östl. Grenze, die Donaulinic
und die verfchiedenen Paßlandfchaften zwifchen dem
Balkan und dem Isthmus von Korinth zu schützen
suchte. Die Überreste antiken Lebens schwanden
unter I. durch die von ihm befohlene Schließung
der neuplatonischen Universität in Athen (529) und
durch das Aufhören des Konfulats feit 541. I. starb
14. Nov. 565. Auf dem Throne folgte ihm fein Neffe
Iustinus II.- Vgl. Isambert, Iiiswire äs ^uLtiuien
(2Bde., Par. 1856); Bryce, 1.ik6 ok<I. dv'liieopliiluä
(in der "^i^ü^d di^wi-iolU I^evis^v", Bd. 2, 1886).
Iuftinianus II. Rhinotmetos (d.i. mit ab'
gefchnittener Nase), byzant. Kaiser (685-711), geb.
um 670 als Sohn Konstantins IV. Pogonatus, folgte !
15. Sept. 685 feinem Vctter auf dem Throne. Er ^
führte Kriege gegen die Slawen von Macedonicn ,
und die Bulgaren, am längsten aber gegen den '
Chalifen Abdulmelik. Durch seine Grausamkeit ^
und die Zurücksetzung und Einsperrung seines
Feldherrn Leontius erregte er eine Empörung des-
selben, wurde von ihm 6^)5 mit Unterstützung der
Blauen entthront und mit abgeschnittener Nase nach
der Stadt Cherfon auf der Krim verbannt. Erst im
Sommer 705 wurde I. durch den Vulgarentönig
Tcrbelis wieder auf den Thron gesetzt. Sckon 707
geriet er mit diesem in Krieg, wurde von ihm be- !
siegt und flod nach Konstantinopel; nicht minder
wurde das Reich von den Arabern bedrängt. I.
aber, anstatt die Reichsfeinde energifch zu bekriegen,
unternahm 710 und 711 einen Rachezug gegen die
Einwohner von Cherfon. Diese stellten ihm Phi-
lippicus Vardancs als Gegenkaiser entgegen, und
diesem gelang es, zu Ende 711 des von seinen Truppen
verlassenen I. an der kleinasiat. Küste des Schwarzen
Meers habhaft zu werden und ihn zu ermorden.
Iustinopölis, f. Capodistria und Eocssa.
Iustlllus, Marcus Iunianus, röm. Historiker,
der wahrscheinlich zu Rom im Zeitalter der Anto-
nine, um 160 n. Chr., lebte, ist der Verfaffer
eines Auszugs aus dem verloren gegangenen
größern Gcschichtswcrke des Pompezus Trogus
if. d.). Von Ausgaben sind zu erwähnen: die mit
den Anmerkungen der ältern Erklärer verfehene
von Frotfchcr (3 Bde., Lpz. 1827-30), die kritifchcn
Bearbeitungen von Dübner (ebd. 1831), Johanneau
und Dübner (2 Bde.. Par. 1838), Jeep (Lpz. 1853:
kleinere Ausg. 1872) und von Rühl (ebd. 1886).
Iuftinus der Märtyrer, ältester Kirchen-
vater, einer der Apologeten (s. Apologie), stammte
aus Sichem (^I^via ^Lüpolig) in Samarien, trat,
nachdem er verschiedenen philos. Systemen, zuletzt
dem des Plato sich zugewandt hatte, zum Christen-
tum über und fuchte nunmehr diefes als die voll-
kommenste Philosophie zu erweisen. Seine Schriften
sind für die Entwicklung der kirchlichen Glaubens-
lehre um die Mitte des 2. Jahrh., befonders für
die Anwendung der Alerandrinischen Logoslehre
auf die cln'istl. Weltanschauung von größter Wich-
tigkeit. Er lehrte längere Zeit in Rom und erlitt
bier um 165 den Märtyrertod. Seine Schrift wider
die Gnostiker seiner Zeit, die noch Irenäus und
Hippolytus benutzten, ist verloren gegangen, da-
gegen besitzen wir noch seine nicht vor 150 verfaßte
Apologie an Antoninus Pius und Marc Aurel mit
einem bald nachher abgefaßten Anhange (der fog.
"zweiten" Apologie) und fein "Gefpräch mit dem
Juden Tryphon". Was fonft unter feinem Namen
auf uns gekommen ist, stammt nicht von ihm. -
Vgl. Semisch, I. der Märtyrer (2 Bde., Vresl. 1840
-42); Volkmar in den "Theol. Jahrbüchern", 1855;
Aube", 8Äint-^!.i8tiii, plii1o80plio ot luart)!-(Par.
1875); (üoi'MZ ^.poloFkwi-niu, hg. von Otto, Bd. 1
-3 (Jena 1876 fg.); Engelhardt,' Das Christentum
I. des Märtyrers (Erlangen 1878); Stählin, I. der
Märtyrer und fein neuester Beurteiler (Lpz. 1880);
Flemming, Zur Beurteilung des Christentums
Justins des Märtyrers (ebd. 1893).
Iustinus I., byzant. Kaifer (518-527), seiner
Abkunft nach ein armer Bauerssohn aus Bederiana
in Dardanien, kam als Gardesoldat unter Kaiser
Anastasios I. empor, wurde zuletzt Kommandant
der Garde und nach des Anastasios' Tode durch die
von idm reich beschenkte Truppe 9. Juli 518 n. Chr.
im Alter von 68 I. zum Kaiser ausgerufen. Per-
fönlich ein eifriger Gönner der Orthodoxie, war I.
politisch unbedeutend; schon bei seinen Lebzeiten
galt daher als eigentlicher Leiter der Regierung fein
von ihm adoptierter Schwestersohn Iustinianus 1.
(s. d.j, der zuletzt auch formell zum Mitregenten er-
nannt wurde. I. starb 1. Aug. 527.
Iustinus II., byzant. Kaifer (565-578), Sohn
der Vigilantia, der Schwesterdes Iustinianus I., war
zur Zeit der Hcrrfchaft feines Oheims Kuropalates
oder Palastmarschall und wurde nach Iustinians
Tode (14. Nov. 565) Kaiser. Er stellte zu Anfang
seiner Regierung viele der drückendm MWände der