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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kaiserstuhl - Kaiser-Wilhelms-Spende

pfälz. Aufstandes Sitz der provisorischen Regierung. - Vgl. Lehmann, Urkundliche Geschichte der Bezirkshauptstadt K. und des ehemaligen Reichslandes (Kaisersl. 1853); Hollensteiner, K. wie es war und ist (ebd. 1860); Jost, Geschichte der Stadt K. (ebd. 1886).

Kaiserstuhl, vulkanisches Gebirge im bad. Kreis Freiburg in der oberrhein. Tiefebene, nordwestlich von Freiburg, liegt völlig isoliert, besteht aus 40-50 Basalt- und Doleritkegeln und bedeckt bei 7 km Breite, 15 km Länge und 37 km Umfang etwa 110 qkm. Auf dem höchsten Berge, den Neun Linden (557 m), ist oben ein runder Platz, der Totenkopf, auf dem König Rudolf I. von Habsburg nach der Sage Gericht hielt. - K. wird auch der Königsstuhl (s. d.) bei Heidelberg genannt. - Vgl. Knop, Der K. im Breisgau (Lpz. 1892).

Kaiserstuhl, Stadt im Bezirk Zurzach des schweiz. Kantons Aargau, auf dem Abhange eines Berges am linken Ufer des Rheins, über den eine neue eiserne Brücke führt, an der Linie Stein-Säckingen-Winterthur (Station Weiach-K.) der Schweizer Nordbahn, hat (1888) 370 E., darunter 44 Evangelische; Post, Telegraph, einen Turm mit röm. Unterbau; Stickerei.

Kaiserswerth, Stadt im preuß. Reg.-Bez. und Landkreis Düsseldorf, 10 km nördlich von Düsseldorf, rechts des Rheins, hat (1890) 2379 E., darunter 756 Evangelische und 35 Israeliten; Post, Telegraph, evang. und kath. Kirche, eine berühmte von Pastor Fliedner (s. d.) gegründete Diakonissenanstalt, eine Emeritenanstalt für Priester der Erzdiöcese Köln, zur Zeit unbenutzt, ein kath. Kranken- und Pflegehaus. Mit der Diakonissenanstalt verband Fliedner allmählich außer der daselbst bereits bestehenden Kleinkinderschule und dem Asyl mit dem Magdalenenstift 1836 ein Krankenhaus (1889 neu gebaut), 1842 ein Waisenstift für Mädchen aus mittlern Ständen, eine Heilanstalt für weibliche Gemütskranke (1852), ein Feierabendhaus für die alten und kranken Schwestern (1854). Nach seinem Tode kam 1865 eine Diakonissenschule zur Heranbildung jüngerer Mädchen für den Diakonissenberuf dazu. Die Anstalten zu K. sind seit 1836 aus dem kleinen Gartenhause zu Straßen mit stattlichen Gebäuden angewachsen, in denen täglich 850 Menschen beköstigt werden. Die Zahl der Stationen, darunter Kairo, Bukarest, Pest und Rom, ist 1889 bereits auf 214 mit insgesamt gegen 800 Schwestern und einer jährlichen Ausgabe von über 700 000 M. gestiegen. In K. und Umgegend bestehen eine mechan. Seidenweberei, eine chem. Farbwarenfabrik, eine Papier- und Preßspanfabrik und eine Orgelbauanstalt; Lokalschiffahrt zwischen Düsseldorf und Ürdingen über K. - Pippin von Heristal schenkte dem heil. Suitbert die Rheininsel, auf welcher dieser das Kloster K. stiftete; um das Kloster entstand bald der Ort. In der 1243 vollendeten roman. Stiftskirche befindet sich der Reliquienschrein mit den Gebeinen des Heiligen. Anno von Köln entführte hier 1062 den jungen König Heinrich IV. Friedrich I. Barbarossa erweiterte die kaiserl. Pfalz, von der noch gewaltige Reste an Basalt-, Trachyt-, Ziegel- und Tuffsteinbauten vorhanden sind. Von da an führte der Ort den Namen K.; früher hieß er Suitbertus-Werth. Seit Anfang des 14. Jahrh. gehörte die Stadt zu Jülich, wurde dann an die Pfalz und Cleve, 1425 an den Kurfürsten von Köln verpfändet. Sonst war K. eine Festung, die 1689 von den Brandenburgern belagert und 1702 von den Kaiserlichen und Preußen erobert ward. - Vgl. Disselhoff, Das Diakonissen-Mutterhaus zu K. am Rhein und seine Tochterhäuser (neue Ausg., Kaisersw. 1892).

Kaiserthaler, ehemals Thaler im 20-Guldenfuß oder Konventionsthaler = 4 M. 21 Pf. (S. Maria-Theresienthaler.)

Kaisertinte, s. Tinte.

Kaisertranklimonade, s. Geheimmittel.

Kaiser-Wilhelms-Inseln, Archipel von sechs größern Inseln im südl. Eismeere, zu Grahamland gehörig, zwischen 63° und 64° 30' westl. L. von Greenwich, hat etwa 110 km Länge. Dahinter die 28-34 km breite Bismarckstraße.

Kaiser-Wilhelms-Land, Deutsch-Neuguinea, das unter dem Schutze des Deutschen Reichs stehende Gebiet der Neuguinea-Compagnie, im nordöstl. Teil der Insel, wird westlich von dem holländ. Teil, südlich von dem engl. Teil der Insel begrenzt. Es erstreckt sich vom 141. Längengrade ostwärts, seine südlichste Grenze fällt mit dem 8.° südl. Br. zusammen; es bedeckt 181 650 qkm. K. ist in der Hauptsache Gebirgsland, nur der Norden enthält eine etwas ausgedehntere Ebene (s. Kaiserin-Augusta-Fluß); sonst steigen fast an der ganzen Küste die Gebirge steil aus dem Meere auf oder sind nur durch ein sehr schmales Korallenvorland von demselben getrennt. Etwas genauer bekannt ist bis jetzt nur das Finisterregebirge. Es streicht wie die meisten andern von NW. nach SO. An Wasserläufen ist das Land sehr reich, doch sind es meist nur Gebirgsbäche. Mit Dampfern befahrbar sind nur wenige, darunter der gewaltige Kaiserin-Augusta-Fluß. Über das Klima, die geolog. Verhältnisse, Flora, Fauna und Bevölkerung s. Neuguinea, über Verwaltung, Anbau und Handel sowie Kolonisierung s. Neuguinea-Compagnie. Hierzu Karte: Kaiser-Wilhelms-Land, Bismarck-Archipel, Salomon-und Marshall-Inseln.

Kaiser-Wilhelms-Spende, allgemeine deutsche Stiftung für Altersrenten- und Kapitalversicherung. Nach den Attentaten auf Wilhelm I. wurde 1878 durch Sammlungen ein Kapital von 1,7 Mill. M. zusammengebracht und dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm mit der Bitte übergeben, über dessen Verwendung Bestimmung zu treffen. Er widmete dasselbe der Errichtung einer "Allgemeinen deutschen Stiftung für Altersrenten- und Kapitalversicherung" unter dem Namen K. Mehrere hundert Zahlstellen nehmen Einlagen im Betrage von 5 M. bez. einem Vielfachen von 5 M. entgegen, wofür der Bezug einer Rente oder eines Kapitals (frühestens mit Eintritt des 56. Lebensjahres) ausbedungen werden kann; die Höhe derselben bemißt sich unter Zugrundelegung eines Zinsfußes von 3½ Proz. nach dem Beitrittsalter. So beträgt z. B. für 5 M. Einlage bei einem Kinde, welches im 1. Jahre versichert wird, beim frühesten Fälligkeitstermin die Rente jährlich 4,27 M., das Kapital 57,11 M., beim spätesten Fälligkeitstermin mit 70 Jahren die Rente 19,01 M., das Kapital 151,25 M. Eine Kündigung der Einlagen, in der Regel erst nach 5 Jahren, ist jetzt in Dringlichkeitsfällen auch schon nach 6 Monaten zulässig. Bis Ende 1893 waren im ganzen 17 231 Mitglieder eingetreten, davon, waren 13 325 als solche verblieben; 968 Personen hatten bis dahin Renten erhalten. Die Mitglieder gehören den verschiedensten Berufsklassen an, nur zum geringen Teil der

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