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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kalidasa - Kalide
Geschosses erforderlich ist. Das K. geschieht meist
mit besondern Kalibriermaschinen und besteht
im wesentlichen darin, daß die Hülsen durch genau
gearbeitete glasharte Stahlcylinder hindurcbgcpreßt
werden. Das K. muß sowohl bei neuen Hülsen als
auch bei gebrauchten Hülsen vor ihrer Wiederver-
wendung stattfinden.
Kälidäsa, der ausgezeichnetste uuter den Kunst-
dichtern Indiens, aus dein 6. Jahrh. n. Chr., lebte !
am Hofe eines Vikramäditja und wird zu den sog. !
"neun Perlen" desselben gerechnet. Sein frühestes
Werk ist der 1l3,schnvam<^ ("Geschlecht des Ragbu"),
ein Kunstepos in 19 Gesängen^ das die Geschichte
der alten Herrscher von Ajödhja (heute Oudh) aus
dem Geschlechte des Raghu behandelt (hg. von
Stcnzler mit lat. Übersetzung, Lond. 1832, und mit
dem Kommentare des Mallinatha am besten von
Paraba, 3. Aufl., Bombay 1886; mit Mallinatha,
Auszügen aus andern Kommentaren, engt. über-
ietzung und Anmerkungen vonNcmdargikar,2. Aufl.,
ebd. 1891; deutsch nachgebildet von Graf Schact in
"Orient und Occident"/Vd. 3, Stuttg. 1890). Ein
zweites Kunstepos ist der Xum^i'Hsamdiin.vI. in
sieben Gesängen, welches dem Titel nach ("Ent-
stebung des Kumara") die Geburt des siriegs-
gottcs Kumara (s. Karttikeja) schildern soll, aber
nur bis zur Vermähluug des Civa und der Par-
vati geht (hg. von Stenzler mit lat. Übersetzung,
Lond. 1838). Eine Fortsetzung, Bück 8-17, fübrl
die Legende bis zur Tötung des Dämons Tä-
raka durch Kumara fort. Davon ist wahrscheinlich
Buch 8 noch echt, Buch 9-17 sicher untergeschoben.
Alle 17 Gesänge (1-8 mit dem Kommentar des
Mallinatha, 9-17 mit einem modernen Kommen-
tar) sind am besten hg. von Parvanikara und
Paraba (2. Aufl., Bombay 1880). Während der
ItaFliuvHMhH nicht frei ist von den Künsteleien
der ind. Kunstdichtcr, hält der Ivumär^llipdiiavci
sich davon sern, und namentlich Buch 3 und 4,
die Verbrennung des Liebesgottes durch Civa und
die Klage feiner Frau Rati, sind hochpoetis'ch. Aus-
gezeichnet durch Gefühl und vortreffliche Natur-
icbilderungen ist das lyrische Gedicht des K., der
>l6ZIilu!üta. ("Wolkenbote"), in welchem ein ver-
bannter Halbgott einer Wolke Grüße an seine ferne
Geliebte aufträgt und ihr den Weg fchildert, den fic
nehmen soll. Herausgegeben ist der NeFliaäiNa, mit
Glossar von Gildemcister (Bonn 1811) und Stcnzler
(Vrcsl. 1874); außerdem mit dem Kommentar des
Mallinätha bäufig in Indien, z. B. von Godabole
und Paraba (2. Aufl., Bombay 1886). Ins Deutscbe
übersetzt ist er von Mar Müller i.Nönigsb. 1847),
Schütz (Bielef. 1859) und Fritze (Cbemnitz 1879!.
Unter den Dramen des K. ist das frübeste das NiUn-
vilvi^nimiti-am, ein Lustspiel in fünf Akten, das die
^iebcsgeschichte der Malavikä und des Königs Agni-
mitra behandelt (hg. von Tullbcrg, Bonn 1840;
Bollensen, Lpz. 1879, und ^hantar Pandurang
Pandit, 2. Aufl., Bombay 1889, mit dem Kommen-
tar des Kätajavema; mit demfelben Kommentare
und erklärenden engl. Anmerkungen von Paraba,
ebd. 1890; ins Deutsche übersetzt von Weber, Berl.
1856, und Fritze in Reclams "Universalbibliothek").
Die gefeiertste Dichtuug des K. ist das Drama
(MnntlM in sieben Akten, dessen Htoff aus dem
^IlclddürNtH (s. d.) genominen, aber von K. künst
lerisch umgestaltet worden ist (vgl. B. Müller, K.5
^aknnt^iü. und ihre Duelle, Breslau ohne Jahr).
Es giebt mehrere Bearbeitungen, von denen die sog.
Artikel, die man unter K vcrm
bengaliscke Recension dem Original am nächsten steht
(hg. von Pischel, Kiel 1877); ihr am meisten gleicht
die kacmirische Recension lbg. von Vurkhard, Wien
1884),' während die sog. Devanägarl-Recension eine
kürzere und jüngere Überarbeitung enthält /hg. oon
Böhtlingk, Bonn 1842; Monier Williams, Hertford
1853; 2. Aufl., Orf. 1876; Burkhard, Vresl. 1872;
sebr oft in Indien, mit dem Kommentar des Ilä^ill-
vadkana von Godabolc und Paraba, 3. Aufl.,
Bombay 1891); ihr schließt sich in noch ver-
kürzter Gestalt an die dravidische oder südind. Re-
cension (hg. Madras 1874 in Tclugudruck). Die
s'HkuntaiH wurde ins Deutsche übersetzt in der
Fassung der bengalischen Recension nach der cngl.
Übersetzung Sir/William Iones' (Kalkutta 1789)
von I. G. Forster (2. Aufl. besorgt von Herder,
Franks, a. M. 1803); dann von B. Hirzel (Zur. 1833;
2. Ausg. 1849; nach der Ausgabe von Chezy, Par.
1830); am besten von Fritze (Schloß-Chemnitz 1877);
nach der Devanägarr-Recension von Böhtlingk in
seiner Ausgabe, E. Meier (Hildburgh. 1867), Lobe-
danz (8. Aufl., Lpz. 1892) und Rückert (ebd. 1867).
Für die deutsche Bühne wurde die ^kum^iü. bear-
beitet von Wolzogen 1869 (Schwerin) und Donsdorf
1876 (Wien). Das dritte Drama des K. ist die
Viki-amurvn^i oder Illva^i, dem die alte Sage von
Purüravas und Urvaci (s. Apsaras) zu Grunde liegt
lbg. von Lenz, Verl. 1833; mit lat. Übersetzung und
^pMi'^wZ criticuZ, ebd. 1834; von Bollensen,
Vetersb. 1846, mit deutscher Übersetzung; mit dem
Kommentar des Ranganatha von Paraba und
Telang, Bombay 1888; in der verkürzten dravi-
dischen Recension von Pischel, Bcrl. 1875, und voi^
Shankar Pandurang Pandit, 2. Aufl., Bombay
1889; ins Deutsche übersetzt von Höfer, Berl. 1837;
Hirzel, Frauenf. 1838; Lobcdanz,3.Aufl.,Lpz.1884;
Fritze in Rcclams "Universalbibliothet").
Der ind. Tradition nach hat es drei verschiedene
Dichter K. gegeben, und so gehören vielleicht die
unter K.s Namen sonst noch gehenden Werke, wie
der IMsinpI^i-a, eine Schilderung der verschiede-
nen Jahreszeiten (hg. von P. von Bohlen mit latei-
nischer und freier deutfcher Übersetzung, Lpz. 1840;
mit dem Kommentar des NanirüinÄ, Bombay 1885",
der ^i-utadmidN, ein kleines metrisches Lehrbuch,
das Prakritgedicht I5ävlm^va,1,a, oder 86wdiuiäl^
<hg. von S. 'Goldschmidt,'^trahb. 1880-84) u. a.,
den beiden andern K. an. Dem alten K. sind sie
jedenfalls abzusprechen. Als Verfasser des Xalöda^,
eines übertünstelten schwülstigen Gedichts, das bis-
ber dem K. zugeschrieben wurde (hg.^ von Benary,
Berl. 1830 und sonst), hat sich Ravideva, der Sohn
des Naräjana, herausgestellt, dem auch das ge-
schmacklose XHv^NiM?8iiH8Hin angehört (hg. von
Höser, Sanskritlesebuch, Verl. 1849). - Vgl. Huth,
Die Zeit des K. (Berl. 1890).
Kalide, Tbeod., Bildhauer, geb. 8. Febr. 1801
zu Königsdütte in Oberschlesicn, widmete sich an-
fangs der Gießerei, dann der Plastik. Einige seiner
frühern Schöpfungen entstanden noch unter der
Aufsicht von Rauch, desfen Richtung er indes in
feinem bekanntesten und oft reproduzierten Werke:
Knabe mit einem Schwan (für den Schloßgarten in
Charlottenburg) wie in dem sterbenden Löwen auf
dem Grabe Scharnhorsts auf dem Invalidenkircb-
bof zu Berlin verließ. Mit besonderer Vorliebe der
Tierdarstellung zugewandt, erreichte K. seinen Höhe-
punkt in der Trunkenen Bacchantin auf einem Pan-
ther (1878 für die Berliner Natioualgalerie ange-
ißt, find unter C aufzusuchen.