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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kálnoky; Kalocsa; Kalogeros; Kalokagathós; Kalomel; Kalong; Kalora; Kalorescenz; Kalorie; Kalorifere; Kalorik; Kalorimeter

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Kálnoky - Kalorimeter

Kálnoky, Gustav, Graf, österr. Staatsmann, geb. 29. Dez. 1832 zu Lettowitz in Mähren, aus einer alten siebenbürg. Adelsfamilie, trat 1854 in den diplomat. Dienst und wurde zuerst der Gesandtschaft in München, dann der in Berlin zugeteilt. Von 1859 bis 1870 war er Legationssekretär in London und wurde 1871 mit der Führung der Botschaftsgeschäfte in Rom interimistisch betraut. Von Rom zurückgekehrt, wurde er nach kurzer Disponibilität 1874 zum Gesandten in Kopenhagen ernannt, das er nach Abschluß des Vertrags zwischen Österreich und Preußen, worin Österreich auf die Ausführung des Art. 5 des Prager Friedens verzichtete (s. Dänemark, Bd. 4, S. 772 a), 1879 verließ, worauf er zunächst in außerordentlicher Mission nach Petersburg ging. 1880 wurde ihm die Geheimratswürde verliehen und erfolgte seine Ernennung zum Botschafter am russ. Hofe. In dieser Stellung verblieb K. bis zu seiner Nov. 1881 erfolgten Ernennung zum Minister des Äußern und des kaiserl. Hauses, als Nachfolger von Haymerles. K. setzte die Friedenspolitik seiner Vorgänger fort, hatte wiederholte Zusammenkünfte mit Bismarck und später mit Caprivi zum Behufe der Befestigung des deutsch-österr. Bundes und machte seine Petersburger Beziehungen auch zu Gunsten einer Besserung des Verhältnisses zu Rußland geltend. (S. Österreichisch-Ungarische Monarchie, Geschichte.)

Kalocsa (spr. kállotscha), Groß-Gemeinde und Hauptort des Stuhlbezirks K. (43 304 E.) im ungar. Komitat Pest-Pilis-Solt-Klein-Kumanien, Hauptort des ehemaligen Komitats Pest-Solt, 5 km links von der Donau, an der Linie Kis-Körös-K. (31 km) der Ungar. Staatsbahnen, Sitz eines röm.-kath. Erzbischofs (zur Kirchenprovinz Kalocsa-Bács gehören die Erzdiöcese K. und die Suffraganbistümer Csanád-Temesvár, Siebenbürgen oder Erdely und Groß-Wardein), hat (1890) 18176 meist magyar. kath. E. (442 Deutsche), darunter 233 Evangelische und 806 Israeliten, Post, Telegraph, eine schöne Kathedralkirche, großartige erzbischöfl. Residenz mit einer Bibliothek (30 000 Bände), ein Priesterseminar, ein erzbischöfl. Obergymnasium, eine Lehrer- und Lehrerinnen-Präparandie und Sternwarte.

Kalogeros (grch., "frommer Greis"; Mehrzahl Kalogěri), in der griech. Kirche seit dem 5. Jahrh. Bezeichnung für Mönch.

Kalokagathós (grch., d. i. [moralisch] schön und gut), im alten Athen Bezeichnung für einen Mann von guter Herkunft, Erziehung und Lebensart: Kalokagăthie, das Wesen, die Eigenschaften und Tugenden eines K., sittliche und bürgerliche Vortrefflichkeit.

Kalomel (Calomel, Calomelas), alter Name für Quecksilberchlorür (s. d.).

Kalong, s. Flederhunde und Tafel: Fledermäuse I, Fig. 4.

Kalora, die frühern Herrscher von Sindh (s. d.).

Kalorescenz oder Kalescenz (lat.) heißt nach Tyndall (1866) die Umwandlung von ausschließlich dunkeln Wärmestrahlen in leuchtende Strahlen. Bei dem hierzu gehörigen Experiment stellte Tyndall in den durch einen Hohlspiegel konzentrierten Strahlenkegel eines leuchtenden Davyschen Kohlenbogens ein Glaskölbchen, das eine Lösung von Jod in Schwefelkohlenstoff enthielt. Eine solche Jodlösung läßt nur die dunkeln Wärmestrahlen, aber gar keine leuchtenden Strahlen durch; sie kann daher dazu dienen, die erstern von von letztern zu trennen. Das Glaskölbchen konzentrierte mithin, ähnlich einer Glaslinse, die dunkeln Wärmestrahlen noch stärker als der Hohlspiegel. Im Brennpunkte des Kölbchens wurde ein Platinblech rot- bis weißglühend. Es wurden also bei diesem Versuche dunkle Wärmestrahlen in leuchtende Strahlen oder Strahlen niedriger in jene höherer Brechbarkeit oder auch Strahlen von größerer in solche von kleinerer Wellenlänge umgewandelt. Hier liegt nur die gewöhnliche Erfahrung vor, daß genügend erhitzte Körper zu glühen beginnen. Bei der Fluorescenz (s. d.) findet gewöhnlich die entgegengesetzte Umwandlung, nämlich kurzwelliger in langwellige Strahlen statt.

Kalorie, Calorie (frz.; abgekürzt Cal.), die Einheit der Wärmemenge, ist gleich derjenigen Wärmemenge, welche nötig ist, um 1 kg Wasser von 0° auf 1° C. zu erwärmen. (S. Wärme und Wärmemenge.)

Kalorifere, die (frz. calorifère), auch der Kalorĭfer, Luftheizungsofen, s. Heizung (Bd. 8, S. 1010 b).

Kalorik (lat.), Lehre von der Wärme.

Kalorimeter (lat.-grch., Wärmemesser), Vorrichtung zur Bestimmung von Wärmemengen und von specifischen Wärmen. Die gewöhnliche Form des K. ist ein gegen Wärmestrahlung und Wärmeleitung möglichst geschütztes, gewöhnlich mit Wasser gefülltes Metallgefäß, das ein Thermometer enthält. Ist darin die Wassermenge p von der Temperatur t enthalten und bringt man einen Körper von dem Gewicht P, der Temperatur T und der specifischen Wärme S hinein, so stellt sich durch raschen Ausgleich die gemeinsame Temperatur τ her. Hierbei ist die von dem Körper abgegebene Wärmemenge PS(T-τ) gleich der von dem K. aufgenommenen Wärmemenge p(τ-t), woraus die specifische Wärme gefunden wird: S = p(τ-t)/P(T-τ). Bei Ausführung des Versuchs hat man zu berücksichtigen, daß auch die Gefäßwand und das Thermometer erwärmt wird. Man denkt sich zu diesem Zwecke das Gefäß und das Thermometer durch eine Wassermenge von derselben Wärmekapacität ersetzt und addiert dieses Gewicht π (den sog. Wasserwert) zu p hinzu. Ferner hat man zu beachten, daß während des Ausgleichs das K. von der wärmern oder kältern Umgebung Wärme gewinnt oder an dieselbe abgiebt. Diese letztere Wärmemenge muß durch Versuch und Rechnung ermittelt werden, um S genau zu bestimmen. - Bringt man durch einen auf 100° C. in Wasserdampf erwärmten Körper von dem Gewicht P und der specifischen Wärme S in einem mit Eis gefüllten Gefäß die Eismenge p zum Schmelzen, so ist die von P abgegebene Wärmemenge 100 PS gleich der Schmelzwärme 80 p, demnach S = 4p/5P. Hierauf beruht das Eiskalorimeter von Black, Lavoisier und Laplace, das von Bunsen so eingerichtet wurde, daß man die geschmolzene Eismasse durch die Volumenänderung des Eises erkennen und ablesen kann. In ähnlicher Weise kann man mit Hilfe des K. die Schmelzwärme und Dampfwärme bestimmen. Genaue kalorimetrische Arbeiten der neuern Zeit rühren insbesondere von Regnault und Bunsen, Pfaundler u. a. her. Den Grundgedanken hat Black gefaßt. - Auch als Pyrometer (s. d.) kann das K. dienen.

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]