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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kamptz - Kamtschatka
verdrängt und wird höchstens noch statt des Leders
zur Herstellung von Abziehriemcn, Mcsserputzbret-
tern u. dgl. verwendet.
Kamptz, Karl Alb. Christoph Heinr. von, preuß.
Staatsmann, geb. 16. ^ept. 1769 zu Schwerin,
wurde 1790 Assessor bei der Iustizkanzlei in Neu-
strelitz, 1792 Kanzleirat und 1798 von der Ritter-
schaft zum Beisitzer des Hos- und Landgerichts
der Herzogtümer Mecklenburg erwählt. 1804 er-
nannte ihn der König von Preußen zum Reichs--
kammergerichtsassessor in Wetzlar. Nach Auflösung
des Reichs blieb er in Wetzlar und nahm bis 1809
an den noch zu erledigenden Geschäften des Reichs-
kammergerichts teil; 1811 kam er in den ^ berappella-
tionssenat des preuß. Kammergerichts, wurde 1812
vortragender Rat im Departement der höhern Po-
lizei, 1817 Direktor im Polizeiministerium und Mit-
glied des Staatsrats, 1822 erster Direktor der Unter-
richtsabteilung im Kultusministerium und 1824
auch Direktor im Justizministerium. 1832 wurde er
Iustizminister und mit Fortführung der Gesetz-
revision und obersten Leitung der Iustizangelegen-
heiten in den Rheinprovinzen beauftragt. Seine
Eingriffe in die rhein. Rechtsprechung verwickelten
ihn in Streitigkeiten mit den rhein. Richtern, die
ihn veranlaßten, 1838 zurückzutreten; 1842 wurde
er mit Beibehaltung seiner Stellung im Staatsrate
pensioniert. Er starb 3. Nov. 1849 in Berlin. K.
war eins der einflußreichsten Mitglieder der Re-
aktionspartei und einer der eifrigsten Demagogen-
verfolger. Er schrieb: "Beiträge zum mecklenb.
Staats- und Privatrecht" (6 Bde., Schwer, und Neu-
strelitz 1795-1805), "Mccklenb. Rechtsansprüche"
(2 Bde., Rost. 1800-4), "Civilrecht der Herzogtümer
Mecklenburg" (Tl. 1, Abteil. 1 u. 2, Schwer. 1805),
"Codex der Gendarmerie" (Berl. 1815; beim Wart-
burgfest ^s. d. j mit verbrannt), "Beiträge zum
Staats- und Völkerrecht" (Bd. 1, ebd. 1815), "Die
Provinzial- und statutarischen Rechte in der preuß.
Monarchie" (3 Bde., ebd. 1826-28), "Aktenmähige
Darstellung der preuß. Gesetzrevision" (ebd. 1842),
"Zusammenstellung der drei Entwürfe des preuß.
Strafgesetzbuchs" (Abteil. 1-3, ebd. 1846). Auch
gab er 1814-46 die "Jahrbücher für die preuß.
Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwal-
tung" und 1817-39 (bez. 1843) die "Annalen der
preuß. innern Staatsverwaltung" heraus.
Kamrat, auch Komrat, öulgar. Kolonie im
Kreis Vender des russ. Gouvernements Bessarabien,
am Ialpuch und an der Straße von Kischincw nack
Ismail, hat (1885) 6186 E., Post, Telegraph, zwei
Kirchen, Realschule, Ackerbau, Töpserei und Färberei.
In K. befindet sich die Hauptverwaltung aller bulgar.
Kolonien in Bessarabien.
Kamrüp, sanskr. Niua-rüM, Distrikt mit gleich-
namiger Hauptstadt (12 000 E.) in der indobrit.
Provinz Assam, zu beiden Seiten des Brahmaputra.
Nach N. steigt der Boden zu den Vhotanbergen, im
S. zu den Khaßibergen an; an den Nordabhängen
der letztcrn befinden sich die Theegärten der europ.
Pflanzer. K. hat 9991 hkin, (1881) 644960 E., dar-
unter 91,7 Proz. Hindu, 8,2 Proz. Mohammedaner.
Kamsin, Wind, s. Chamsin.
Kamthi, Kampti, engl.XaiuMe, Handelsstadt
im Distrikt Nagpur der indobrit. Centralprovinzcn,
am Kanhan, an der Eisenbahn Raipur-Nagpur-
Vombay, hat (1891) 43159 E. Die Bewohner
treiben beträchtlichen Handel in gröbern Geweben,
nnop. Kurzwaren, Bauhof iFlößerei), Salz, Vieh
Vrockhauö' KonversationZ-Lexikon. 14. Aufl. X.
und Getreide; der Handel mit letzterm liegt fast
ganz in der Hand der Kaufleute aus Marwar.
Kamtschadalen, die Einwohner von Kam-
tschatka, auch Itelmen genannt (sie selbst nennen
sich Kroschscha, d.i. Menschen), gehören zu der
nordischen gemischten Gruppe der Mongolenähn-
lichen, wohnen an Küsten und Flüssen der südöstl.
Halste der Halbinsel. Die K. sind auf etwa 1200
zusammengeschmolzen, ernähren sich kümmerlich
vom Fischsang und werden durch Syphilis und
Trunksucht stark decimiert.
Kamtschatka, Halbinsel im äußersten Nordosten
Asiens, bildet den Bezirk Petropawlowsk des russ.-
sibir. Küstengebietes, ist 270000 hkin groß, 1350km
lang, 225-450 km breit und im O. vom Vering-
oder Kamtschatkischcn Meere, im W. vom Ochotski-
schen Meere umgeben. K. erstreckt sich von SSW.
nach NNO. Die südlichste Spitze der Halbinsel ist das
Kap Lopatka unter 51" 4' nördl. Br. und 154° 22'
östl. L. von Greenwich. K. ist von hohen Gebirgen
durchzogen, deren höchste Spitzen sich zwischen dem
53. und 54." nördl. Br. befinden. Hier teilt sich der
Gebirgsrücken in zwei Arme; der östliche läuft pa-
rallel mit dem Meeresufer nach Norden und fällt
in steilen Felsgruppen ins Beringmeer; der westliche
ist niedriger. In geolog. Hinsicht ist die vulkanische
Thätigkeit bemerkenswert, die sich vom 62." nördl. Br.
an durch das Hervortreten von 21 heißen Quellen
(bis 106° 0.) äußert. Zwischen dem 58. und 57."
finden sich die ersten, ietzt bereits erloschenen Vul-
kane; vom 57." nördl. Br. an bis zur Südspitze der
Halbinsel ist das ganze östl. User sehr reich an teils
noch thätigen (12), teils erloschenen (26) Vulkanen.
Unter den erstern sind die höchsten der Kljutschew
(4877 m), dessen letzte Eruption 1854 stattfand, und
der Schiweljutsch (3215 m). Heftige Erdbeben sind
häufig. Die Westseite der Halbinsel ist mir von
niedrigen Berg- und Hügelreihen durchzogen. Unter
den Mineralien sind Basalt, Mandelstein, Trachyt
u. a. vorwaltend. Auch Kupfer, Magneteisenstein,
Braunkohle und Bernstein finden sich in großer
Menge vor. K. ist von zahlreichen Flüssen durch-
strömt, von denen der bedeutendste, der Fluß K.,
die Halbinsel in einem großen Teile ihrer Länge
durchfließt. An ihren Ufern liegen die fruchtbaren
Landstricke, wo man Hafer, Gerste, Roggen, Kar-
toffeln und Gemüse baut, währeud das übrige Land
sick für die Bodenkultur nicht eignet.
Das Klima ist strenger, als dies nach der Lage
zu erwarten wäre; der Winter währt neun Monate.
Die mittlere Temperatur von Petropawlowsk ist
sür das Jahr ^2,2</, für den Januar -8,4°, für
den Juli ^ 14,6° l^'. Milder ist es nur in den Ge-
birgsthälern. Ernste Wälder von Fichten, sogar von
Tsugatannen der gegenüber liegenden nordamerik.
Küste, und Laubwälder der Ermannsbirke sind hier
noch zu großer landschaftlicher Schönheit, besonders
in der östl. Halste der Halbinsel, entfaltet; mächtige
Stauden, Doldengewächse von wahrhaft baum-
artigem Wuchs geben ihr einen merkwürdigen
Charakter. Die westl. Küste bietet vielfach sumpfig-
moorige Flächen und führt mit einer Zwergform
der Zirbelkiefer in Krummholzbestäuden zu der arkti-
schen Flora des Tschuktschenlandes über. Die Ge-
wässer sind ungemein reich an Fischen, besonders
Lachssormen, das Meer an Walen, Robben, Kabel-
jaus, Heringen und Wasservögeln. Von Säuge-
tieren giebt es namentlich schwarze Bären, wilde
Renntiere, Wölfe, Füchse, Ottern, Zobel, Hermeline,
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