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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kandele - Kandis
staltete den Schaft aber weit reicher und schmückte
ihn nicht nnr mit Laub und Ornament, sondern auch
mit vielen kleinen Figuren. Solche in Bronze aus-
geführte K. sind noch mehrfach in Italien erhalten,
z. V. in der Certofa zu Pavia und in der Samm-
lung Correr zu Venedig. Im 18. Jahrh, wurden sie
vielfach in Eisen geschmiedet, mitunter in sehr reichen
Nokokoformen, und zur Beleuchtung von .hallen,
Straßen und Plätzen verwendet; im 19. Jahrh,
wurde das gefchmiedete Eisen durch Gußeisen er-
setzt. Die moderne Beleuchtung durch Gas in Ver-
bindung mit dem Wiederaufleben derKunstindnstrie
hat dem K. erhöhte Bedeutung gegeben. Vielfach
verwendet wurden auch die K. für die auf den Al-
tar der christl., namentlich kath. Kirchen zu stellen-
den Kerzen. Das 16. und 17. Jahrh, bildete sie
vorzugsweise in Silber, Bronze oder Zinn, das 18.
fügte mit Vorliebe Porzellan hinzn. In neuerer Zeit
hat man auch diesem Teile des Kirchenschmuckes er-
höhte Aufmerksamkeit zugewendet. ^ .
Kandele, s. Kantete.
Kandeln, auskehlen, rinncnförmig aushöhlen.
Rändern, Stadt im bad. Kreis und Amtsbezirk
Lörrach, 12 km im N. von Lörrach, an der Kander,
in 354 in Höhe, hat (1890) 1481 E., darunter 140
Katholiken; Post, Telegraph, eine Gewerbebank;
Wollspinnerei, Fabrikation von Halbtuch, Papier
und feuerfesten steinen, Wein- und Getreidehandel.
Hier fand 20. April 1848 ein Gefecht statt zwischen
den Frcischaren Heckers und den bad. Regierungs-
truppen unter Friedr. von Gagern, der hier siel.
In der Nähe die Ruine Saufenburg und das
Schloß Bürgeln auf der Höh, jetzt Luftkurort.
Kanderthal, das Thal der Kander im Verner
Oberlande, die am Kanderfirn des Tschingelhorns
entspringt und 4 kni südlich von Thnn in den
Thunersee mündet. Die oberste Thalstufe, das
Gafterenthal, liegt in 16 - 1300 in Höhe, ist
10 km lang und endet mit der romantischen Gaste-
renklus. Das K. im engern Sinne ist 11 km lang,
an der Sohle selten über 1 km breit, reicht nördlich
bis zur Tellenburg unweit Frutigen und zerfällt in
die Thalstufen von Kandersteg und Kandergrund.
Links wird das Thal von der felsigen Kette des
Lohner (3055 m) umfchlosscn, die sich südlich an das
vergletscherte Massiv des Wildstrubel (3253 m) an-
schließt, rechts von den Ausläufern des Dolden-
horns (3647 m) und der Blümlisalp (3670 m).
Den Thalhintergrund bildet der nördl. Absturz der
Gcmmi (s. d.). Das Thal bildet die Gemeinde Kan-
dcrgrund des bernischen Amtsbezirks Frutigen mit
(1888) 1111 reform. E., deren Haupterwerbsquellen
Feldbau, Alpenwirtschast und der lebhafte Tou-
ristenverkehr bilden. Namentlich ist Kandersteg
(1169 m), das oberste Dorf des Thals, wo sich der
Saumweg über die Gemmi und die Fußwege des
Lötschenpasscs, des Tschingclpasses u. s. w. an die
13 kin lange Poststraße von Frutigen anschließen,
eine beliebte Ausgangsstation für Bergtouren. Zu
den schönsten Punkten der Umgebung gehören der
Öschincnsee (1592 m) und der idyllische Blaue See
unweit der Ruine Felsenburg. Unterhalb Frutigen
beginnt die Fahrstraße. Früher mündete die Kan-
dcr 2 kin unterhalb Thun in die Aare; um die
häufigen Überschwemmungen zu verhüten, wurde
1711 -14 ein Kanal (1 Km) quer durch den Mo-
ränenhügel gegraben und der Fluß in den See ge-
leitet, wo seine Geschiebe seitdem ein Delta, das
Kandergric s (70 na), gebildet haben. Die Kan-
Artikcl, die man unter K verm
der ist 44kin lang; das Gefalle betragt 3 Proz.,
das Flußgebiet 1305 ykni.
Kandesch, s. Khandesch.
Kandh, s. Kondh.
Kandi, engl. Candy, Hauptort im Innern der
brit. Insel Ceylon (s. d.), rings von einer doppelten
Reihe bis zu 610 in hoher Berge umgeben und starl
befestigt, an der Bahnlinie Colombo-K. (132 kni), hat
(1891) 20252 E. Der srühere königl. Palast dien:
teilweise zur Wohnung des Gouvernementsagenten,
der Empfangssaal bildet die Gerichtshalle. Die vier
Hindu- und zwölf buddhistischen Tempel sind im
Verfall. In einem der letztern wird in einem kost-
bar verzierten, Karandha genannten Schreine dio
Dalada, d. h. der heilig verehrte Zahn von Buddha
aufbewahrt. K. ist einer der Hauptpunkte des pror.
Missionswescns auf Ceylon. Eine 1,5 km lango
Vorstadt führt zu dem berühmten königlich botau.
Garten zu Paradenia. - K. wird als Stadt zu
Anfang des 14. Jahrh. n. Chr. erwähnt. Haupt-
stadt der Insel wurde es 1592 nach Zerstörung der
frühern Hauptstadt Kotta und der Niederlage von
Radscha Singha II. durch Wimula Dharma. Bei
den Kriegen mit Portugiesen, Holländern sowie
Engländern 1803 und 1815 litt die Stadt sehr.
Kändi, ostind. Gewicht, s. Candy.
Kandidat (lat. c3.näiäaw8, abgekürzt cnnä.),
bei den Römern (benannt nach der glänzend wei-
ßen Toga, toFH canäiäa), der Bewerber um ein
Staatsamt (Quästur, Adilität, Prätur, Konsulat).
In dieser Toga pflegte man bei Bekannten und
Unbekannten herumzugehen (aindii-e), sie um ihre
stimme zu bitten und während des Wahlakts neben
dem wahlleitenden Beamten sich aufzustellen.
Gegenwärtig heißt K. jeder Bewerber um ein
Amt, Mandat u. s. w.; man spricht in diesem Sinne
von Präsidentschaftskandidaten, Reichstagskandi-
daten; insbcfondere aber bezeichnet man mit K. den,
welcher die erste für die Anwartschaft auf ein Amt
vorgeschriebene Prüfung bestanden oder sich wenig-
stens zu derselben gemeldet hat, und unterscheidet
daher K. der Theologie, der Medizin sowie Rechts-
kandidaten, Berg-, Forst-, Schulamtskandidaten
u. s. w. Kandidatur, Bewerbung um ein Amt;
kandidieren, als Bewerber austreten.
Kandieren (frz.), mit Zucker überziehen, ver-
zuckern, f. Kanditen. Das K. der Samen ist ein
Überziehen derselben mit düngenden Stoffen, um
den jungen Pflanzen sogleich aufnehmbare Nähr-
stoffe darzubieten. Die Samen werden in Leim-
wasscr eingequellt und dann mit SuperPhosphat,
Guano und sonstigen käuflichen Düngftoffen über-
streut. Das K. nut Chilesalpeter besteht in einem
Einweichen der Samen in konzentrierter Lösung',
beim Trocknen krystallisiert der Salpeter auf dcr
Oberhaut der ^cnnen. (S. Körncrdünaun^
Kandille, f. Kantille. sKreta (s. d.>.
Kandiot, Bewohner der Insel Candia oder
Kandis oder Kandiszucker, große wohlaus-
gebildcte reine, farblose oder schwach oder stärker
gelb und braun gefärbte Zuckerkrystalle. Dieselben
werden aus Rohzucker durch ein Raffinerieverfah-
ren hergestellt, und zwar nur aus dem reinsten
und hellfarbigsten Rohzucker, welcher ein farbloses
Klärsei liefert. Der farbige K. kann nicht aus dunt-
lcrm Rohzucker hergestellt werden, weil dcr unan-
genehme Geschmack nach Rübenmclasse den daraus
erhaltenen dunkeln K. unbrauchbar machen würdc.
Zu dem sarbigcn bis dunkelsten K. wird vielmehr
ißt, sind unter C aufzusuchen.