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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kantakuzenos - Kantemyr
1800); Harms, Die Philosophie seit K. (Berl. 1870);
Drews, Die deutsche Spekulation scit K. (2 Bde.,
ebd. 1893).
Kantakuzenos, griech. Familie, die in der Ge-
schichte des Byzantinischen Reichs im 14. Jahrh,
hervortritt. Zu ihr gehören die byzant. Kaiser Jo-
hannes VI. (s. d.) und Matthäus (s.d.). Johan-
nes' Sohn, Manuel K., gründete 1348 das Tespo-
tat von Misthra und war der erste, der Alba-
nesen in großer Menge im Peloponnes ansiedelte.
Ilnter der Türkenherrschaft gehörten die K. zu den
vornehmen Fanariotenfamilien in Konstantinopel
und gaben der Moldau und Walachei mehrere Hospo-
dare. Am berühmtesten ist Michael K., geb. nm
1525), der durch die Freundschaft des Großwesirs
Mohammed Sokolly und die Gunst des Sultans
Selim II. als Steuerpächter zu großer Macht und
ungeheurem Reichtum gelangte, sich aber durch seine
Härte den Beinamen Scheitanoglu (Tenfels-
sohn) zuzog. Er war so reich, daß er nach der
Schlacht bei Lepanto (1571) dem Sultan 15 Ga-
leeren zu schenken vermochte; doch wurde er vom
Chan der Tataren bei Murad III. verdächtigt und
auf dessen Befehl zu Anchialo, wo er residierte,
1570 gehängt.
Ein Zweig der Familie der K. ließ sich in Rnß-
land nieder. Diesem gehörten zwei Brüder Alex-
ander K. (gest. 1841) und Georg K. (gest. 1857)
an, die zuerst in russ. Diensten, dann als Mitglieder
der hetärie (s. d.) mit den Hypsilantis sich der Be-
freiung Griechenlands annahmen, wobei sich be-
sonders Alexander auszeichnete, der auch "Briefe
eines Augenzeugen der griech. Revolution von 1821
nebst einer Denkschrift des Fürsten Alexander K.
über die Begebenheiten in der Moldau und Wala-
chei 1820-21" (Halle 1824) veröffentlichte.
Kantalupen, s. Melone.
Kantar, Handelsgewicht, s. Cantaro und Artal.
Kantära, El-, vollständig el-Kantarat el-
Ehasneh, d. i. die Brücke des Schatzes, Station
am Sueskanal, im N. vom Ballahsee. Die Kara-
wanen passieren seit alter Zeit stets diese stelle.
Die Sueskanal-Compagnie hat die alte Brücke durch
eine Fähre ersetzt; die zwischen Port-^aid und Is-
mailia verkehrenden Postdampser legen hier an.
Kantate (ital. clmtatH, "^ingstück"), ursprüng-
lich im Gegensatz zu den Sonaten, Toccaten und
andern instrumentalen Epiclstücken im allgemeinen
das begleitete Gesangstück. Noch im Anfang des
17. Jahrh, wurde der Begriff der K. auf solche Ge-
sangkompositionen beschränkt, welche aus einer
Reihe von in Charakter und Form verschiedenen
Sätzen bestanden. In der Regel verbanden Reci-
tative die einzelnen Teile; der geistige Zusammen-
bang und die Einheit des Ganzen ruhte in erster
Linie auf dem Text. Die K. wurde der Grundstock
für den Aufbau aller großen Vokalformcn: Oper,
Oratorium, Messe, Passion. Sie fand aber auch
als selbständige Gattung eine reiche Pflege in der
weltlichen wie in der kirchlichen Tonkunst. Die welt-
liche K. (von Earissimi K amm erkantate genannt)
blieb, in der ital. Schule wenigstens, auf den Solo-
gesang (vorwiegend den einstimmigen) verwiesen.
In dieser Form trat sie zunächst neben das Madri-
gal, verdrängte es allmählich und ward vom An-
fang des 18. Jahrh, ab das Hanptstück in der Kam-
mer- und Hausmusik. In dieser Blütezeit bildete
dieK. die hohe Schule für Komponisten und bänger.
Die tzauptmeister der Gattung sind L. Rossi, Ea-
Artikel, die man unter K verm
rissimi, A. Scarlatti, A. Stradella, F. Gaspanni,
E. Astorga, Händel, Porpora. Die geistliche K.
(Kirchen kantate) wurde besonders bei den Pro-
testanten ausgebildet, die in dieser Musik einiger-
maßen einen Ersatz fanden für die bedeutungslos
gewordene Meffe. Der fruchtbarste und größte Mei-
ster ist I. S. Bach, dem viele andere zur Seite
stehen. Die bedentendsten Kantatekomponisten der
letzten hundert Jahre sind: Haydn, Mozart, Nau-
mann, Winter, B. A. Weber, K. M. von Weber, A.
Romberg, F. Schneider, F. E. Fcsca. Die neuere
Zeit hat wenig in der K. geleistet. ftato.
Kantate (lat.), Name eines sonntags, s. 0an-
Kantatemesse, die am Sonntag (^ntNw (s. d.)
beginnende Buchbändlermesse ls. d.) in Leipzig.
Kante, die durch das Zusammentreffen zweier
Flächen eines Körpers gebildete Linie, auch der
scharfe Rand eines körperlichen Gegenstandes; un-
eigentlich eine genähte, geklöppelte oder gewebte
schmale Spitze; in der Weberei soviel wie Egge,
Sahlband oder Sahlleiste.
Kantele(K and ele), sinn., zitherartiges Saiten-
instrument in Forin eines Flügels.
Kantemir, Äntioch Dmitrijewitsch, Fürst, Sohn
von Demetrius Kantemyr (s. d.), geb. 1708 zu Kon-
stantinopcl, erwarb sich gründliche Kenntnisse in den
alten und neuen Sprachen und hörte Vorlesungen an
der Petersburger Akademie. Mit 22 Jahren wurde
er Resident in London, sechs Jahre später bevoll-
mächtigter Minister in Paris, wo er sich mit Mon-
tesquieu und Maupertuis befreundete. Er staro
11. April 1744. Seine neun Satiren (in syllabischem
Versmaß), in denen er sich als eifrigen Anhänger
der Reformen Peters d. Gr. zeigt, sind in der Focm
der antiken Satire und Boileau nachgeahmt. Wenn
ihnen auch eine gewisse Einseitigkeit und Oberfläcb-
lickkeit der Auffassung^anhaftct, so sind sie doch als
Schilderung der russ. bitten von großem Interesse.
K.s sonstige Werke (Oden, Psalmen, Fabeln, Epi-
steln, Epigramme und ein Epos "Peter d. Gr.")
sind unbedeutend. Die beste Ausgabe seiner Werte
ist die von Iefremow mit Biographie von Stojumn
(^2 Bde., Petersb. 1867). Deutsch erschienen seine
Satiren von Spilker (Berl. 1752).
Kantemhr (Cantemyr), moldauische Adels-
familie, die der Moldau folgende Fürsten gab:
Konstantin K. (1685-W), Antiochus K.
(1696-1701 und 1705-7), Demetrius K.(1710
-11). Letzterer, geb. 26. Okt. 1673, zeichnete sich
durch eine umfassende Gelehrsamkeit aus. Als er
17 w Fürst der Moldau geworden war, entwarf er
den Plan, das Land mit Hilfe Rußlands von türl.
Oberhobeit zu befreien. Zu diesem Zwecke schloß er
24. April 1711 zu Luzk mit Peter d. Gr. einen Ver-
trag ab, der die Moldau unter russ. Votmäßigkeit
stellte. Nach dem für Peter unglücklichen Ausgange
der Schlacht von Stanilesti (23. Juli 1711) und dem
Pruthvertrage mit der Türkei (25. Juli 1711) zog
Temetrius K. mit vielen kompromittierten Bojaren
nacb Ruhland, wo er mit Ehren und Würden über-
bäuft wurde. Er wirkte bei der Gründung der
Petersburger Akademie mit und war Mitglied der
Berliner Akademie der Wissenschaften. Er starb
23. Aug. 1723. ^eine hauptsächlichsten Schriften,
die die Rumänifche Akademie herausgeben ließ,
find: "I)635i-ipti0 ^I0iäa.vi^6", "^i'onica. I^om^nc"-
^loläoVialiiloi'", "Vita. (^0N8tI.ntiui (^ntein^rii",
"Die Schicksale der Brankowans und Kantakuzenos"
lgriechisch und rumänisch), "Iztoria ieroFliticI.", "Gc-
ißt, sind unter C aufznsuchcn.