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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kap-Hoornfahrer; Kap Hoorn; Kaphereus; Kapidschi; Kapieren; Kapillargefäße; Kapillarität; Kapillarsirup; Kapillarzucker; Kapir; Kapitai; Kapital; Koba

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Kaphereus – Kapital (volkswirtschaftlich)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Kaphaus'

wächshäuser, Bd. 7, S. 967b), muß ein möglichst helles Glasdach, entweder ein- oder zweiseitig, mit oder ohne Stehfenster, eine gute Lüftungsvorrichtung sowie eine zur Erzielung einer Wärme von 5–7°R. bei stärkster Winterkälte ausreichende Heizungsanlage erhalten, sodaß sich im Innern eine möglichst gleichmäßige Wärme und eine frische, aber trockne Luft erhalten läßt. Das K. soll außerdem so eingerichtet sein, daß die Pflanzen möglichst nahe unter dem Glasdache zu stehen kommen.

Kaphereus, bekannter unter dem verdorbenen ital. Cavo d'oro, Kap im Süden von Euböa. Zwischen K. und der Insel Andros besiegten die Griechen 1. Juni 1825 die türk. Flotte.

Kap Hoorn, s. Hoorn, Kap.

Kap-Hoornfahrer, s. Kap.

Kapidschi, türk. Titel, s. Kapudschi.

Kapieren (lat.), fassen, begreifen.

Kapillārgefäße (Kapillāren), s. Haargefäße.

Kapillarität (lat.) oder Haarröhrchenwirkung, die Niveauveränderungen in engen Rohren oder Kanälen, wenn dieselben mit ihrem untern Ende in eine Flüssigkeit eintauchen. Diese Erscheinungen treten namentlich in kapillaren, d. h. nur haarweiten Röhren auf, daher der Name. Wenn die Substanz der Röhre von der Flüssigkeit benetzt wird, wie Glas vom Wasser, so findet im Röhrchen eine Erhebung über den äußern Flüssigkeitsspiegel statt, und zwar ist die Höhe der gehobenen Flüssigkeitssäule umgekehrt proportional dem Durchmesser des Röhrchens. In einem 1 mm weiten Glasröhrchen steigt das Wasser 30 mm hoch über den äußern Spiegel, in einer 2, ½, ⅓ mm weiten Glasröhre steigt also das Wasser 15, 60, 90 mm hoch. In der gleichen Röhre steigen verschiedene benetzende Flüssigkeiten nicht gleich hoch; so steigen z. B. Weingeist, Terpentinöl und Petroleum ungefähr nur halb so hoch als Wasser. Flüssigkeiten, welche die Substanz des Röhrchens nicht benetzen, wie Quecksilber in Berührung mit Glas, erleiden eine Depression, die um so bedeutender ist, je enger das Röhrchen. Aus diesem Grunde sollen enge Röhren nicht zu Barometern verwendet werden, weil sie eine zu starke Depression der Barometersäule bewirken würden. Die Oberfläche (Meniskus) der Flüssigkeitssäule in einer engen Röhre ist gekrümmt und zwar konvex bei nicht benetzenden Flüssigkeiten (z.B. Quecksilber), dagegen konkav bei benetzenden (z.B. Wasser). Wie enge Röhren, so wirken auch die feinen Kanäle im Löschpapier, in Lampendochten u.s.w. So steigt z. B. das Petroleum aus dem Gefäß durch K. in dem Docht bis zum Brenner empor. Auch der Saft in den Pflanzen steigt vermöge der K. bis zur höchsten Spitze empor. Bei den Erscheinungen der K. wirken mehrere Ursachen zusammen. Die schwere Flüssigkeit strebt möglichst tief zu sinken, ihre freie Oberfläche, welche die Eigenschaft einer gespannten Haut hat (s. Oberflächenspannung), möglichst zu verkleinern und ihre Berührungsfläche zwischen der Röhrenwand zu vergrößern. Je nach dem Verhältnis der Kohäsion der Flüssigkeit zu der Adhäsion zwischen dieser und der Gefäßwand zeigt sich die eine oder die andere Wirkung (K. oder Depression). Mathem. Theorien der K. rühren her von Clairault, Th. Young, Laplace, Poisson und Gauß.

Für die Landwirtschaft ist die K. des Bodens eine wichtige Eigenschaft der Ackererde, durch die in trockner Zeit die Feuchtigkeit aus dem ↔ Untergrunde bis zu den Pflanzenwurzeln gehoben wird. Am größten ist die K. beim Thon- und Moorboden, am geringsten beim Sandboden.

Kapillārsirup, Kapillārzucker, s. Traubenzucker.

Kapir, s. Kefir.

Kapitaï (Capitay, Kabitaï) und Koba, zwei Küstenlandschaften in Französisch-Guinea, südlich von Senegambien im westl. Afrika, zwischen dem Rio Pongo im N. und dem Fluß Scarries im S. Der Fluß Dembia trennt Koba von Kapitaï. Koba hat einen Flächeninhalt von 660 qkm, Kapitaï von wenigstens 1650 qkm; beide Landschaften zusammen zählen etwa 30000 E., welche den Baga und eingewanderten Susu angehören. Koba ist flach und hat ausgedehnte Palmenhaine, Kapitaï zeigt den Charakter eines Gebirgslandes. Koba ist wichtig wegen der Produktion von Kolanüssen, dem bedeutendsten Handelsartikel nach dem Binnenlande, den portug. und brit. Besitzungen Senegambiens.

Kapitāl (aus dem lat. capitale [debitum], d. i. Hauptschuld), im volkswirtschaftlichen Sinne ein Vorrat von solchen Gütern, die selbst Produkte der menschlichen Arbeit sind und als Mittel zu weiterer Produktion verwendet werden. Bloße Naturfaktoren, insbesondere aber auch der Grund und Boden in seinem natürlichen Zustande gehören also in diesem Sinne nicht zum K., obwohl sie ebenfalls unmittelbar zu produktiven Zwecken benutzt werden können. Das volkswirtschaftliche K. besteht demnach zunächst aus den Gebäuden, Maschinen, Werkzeugen u.s.w., welche der Produktion dienen, aus den Vorräten von Rohstoffen und Halbfabrikaten, die zu unmittelbar brauchbaren Gütern umgewandelt werden sollen, und von Hilfsstoffen, die (wie z.B. Kohlen) bei dem Produktionsprozeß verbraucht werden. Auch die durch Kultur, Düngung, Drainierung u.s.w. bewirkten Verbesserungen der Grundstücke bilden einen Teil des K., der allerdings mit der Naturgrundlage des Bodens vollständig verschmolzen ist und nur theoretisch von derselben wieder getrennt werden kann. Man pflegt auch häufig die in der Gesellschaft vorhandenen Vorräte von Lebensmitteln für den Unterhalt der Arbeiter zu dem volkswirtschaftlichen K. zu rechnen, indem auch diese als Mittel oder Unterstützung der fernern Produktion erscheinen. Das Geld ist kein unmittelbares, eigentliches Produktionsmittel; doch wirkt es indirekt als solches, indem es bei der tauschwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung zur Erleichterung des Produktionsprozesses wesentlich beiträgt.

Im privatwirtschaftlichen Sinne erscheint das K. als Vermögen, welches für die Besitzer (Kapitalisten) eine Quelle von Einkommen bildet. Unter diesen Begriff in seinem weitesten Sinne fällt sowohl der Grundbesitz wie das bewegliche Kapitalvermögen; doch wird zweckmäßiger der erstere als eine besondere ökonomische Kategorie für sich behandelt. Das materielle K. umfaßt die sachlichen Produktions- und Erwerbsmittel, das immaterielle Kenntnisse, Fähigkeiten, Rechte, wertvolle Verhältnisse, wie Besitz einer renommierten Firma. Erwerbs- und Produktionsmittel, die augenblicklich unbenutzt liegen, heißen totes K. Man unterscheidet ferner in jedem kapitalistischen Unternehmen das stehende oder Anlagekapital (s. d.) und das umlaufende oder Betriebskapital (s. d.). Die von Hermann eingeführte Teilung des K. (im weitern Sinne) in Produktivkapital und Nutzkapital beruht auf der Unterscheidung, daß die K. entweder

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 113.

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