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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karawanenhandel - Karborundum
Mittel- und Vorderasicn und in Afrika, die sich zu
gegenseitiger Hilfeleistung vereinigen und Handels-
geschäfte oder Pilgerfahrten zum Zwecke haben. Eine
solche Gesellschaft führt oft mehr als 1000 Kamele
mit sich. Eine Kamelkarawane veranschaulicht die
Tafel: Kamele, Fig. 1. Die berühmtesten K. sind
die jährlich aus Afrika und Syrien nach Mekka ab-
gehenden; iene fammelt sich in Kairo, diefe in Da-
maskus. 2)ie letztere steht unter dem besondern
Schutze des türk. Sultans. Der Anführer der Mekka-
Karawane, die von einer bewaffneten Bedeckung ge-
leitet wird, heißt Emir el-haddfch,d. i. Anfübrer
der Wallfahrt. Handelskarawanen wählen aus ihrer
Mitte einen Ansührer, der Karvan-Bafchi ge-
nannt wird. (S. auch Karawanenhandel.)
Karawanenhandel ^ diejenige Art des Han-
dels, bei welcher die von den Kaufleuten selbst
organisierte Beförderung der Güter vermittelst
Karawanen (s. d.) stattfindet. Seit uralter Zeit und
am meisten verbreitet ist der K. im Orient, wo der
internationale Landhandel in dem Kamel ein für
die Durchfchreitung der Steppen und Wüsten ge-
eignetes Transportmittel besitzt und die Händler
wegen der Unsicherheit des Weges genötigt sind, sich
zu Nei-segesellschasten zusammenzuschließen. Weiter
bedingen jene Verhältnisse, daß der K. auf be-
stimmte Straßen mit geeigneten Ruheplätzen (Oasen,
Brunnen, Karawanseraien, s. d.) sich beschränkt
(Karawanenstraftcn), an deren Knotenpunkten
sich ein lebhafter Zwischenhandel zu entwickeln pflegt.
Infolgedessen zeigt die örtliche Richtung des K. im
Laufe der Zeit nur geringe Veränderungen, und
die Anbahnung neuer Handelsverbindungen ist nur
in beschränktem Maße durchführbar. Da der K.
bedeutende Transportkosten verursacht, so ist er nur
für den Vertrieb von Warengattungcn geeignet, die
im Vergleich zum Gewicht einen hohen Wert besitzen,
z. B. des Tbees (Karawanenthee). Außer in
Asien und Afrika findet er sich auch in Amerika und
den Polarländern. Wo die gcogr. Verhältnisse das
Kamel als Transportmittel ausschließen, wird das-
selbe durch Pferd, Hund, Nenntier oder auch den
Menschen (Trägerkarawanen) ersetzt. In frühern
Zeiten bot neben dem Seehandel hauptfächlich der
K. die Möglichkeit, die Kenntnis der Zustände frem-
der Völker zu vermitteln; er hat dadurch zur För-
derung der Kultur wesentlich beigetragen. Neuer-
dings hat der K. im Orient teils infolge des dort
stagnierenden Völkerlebens überhaupt, teils wegen
des auch im Orient sich mehr und mehr verbreiten-
den modernen Verkehrswesens von seiner frühern
Bedeutung viel verloren, übrigens ist während des
Altertums und Mittelalters auch im Seeverkehr
das System des K. zur Geltung gelangt, indem die
Kaufleute ihre Schiffe zur bessern Verteidigung gegen
Seeräuber zu gemeinsamen Fahrten (Admiral-
schaften, s. d.) vereinigten. - Vgl. Karl Andree,
GeographiedesWelthaüdels,Vd.i/(2.Aufl.,Stuttg.
1877), und die unter "Handel" angegebene Litteratur.
Karawanenstratzen, Karawanenthee, f. Ka-
rawanenhandel.
Karawanken, f. Ostalpen.
Karawanseraien (d. i. Karawanenhäuser), im
Orient die in Städten, an den Landstraßen und
in unangebauten Gegenden als Obdach für die
Reisenden angelegten großen öffentlichen Gebäude.
Sie sind zum Teil prachtvoll erbaut, entbaltcn aber
kein Hausgerät, daher der Reisende Bett und Teppich
sowie Lebensmittel für sich und feine Tiere mit-
Artikel, die man untcr K vcr
bringen muß; nur Wasser pflegt er zu finden, das
oft mit beträchtlichen Kosten weit hergeleitet ist.
Meist bestehen die K. aus einem viereckigen Hofe, der
von einer Doppelreihe leerer Kammern umgeben ist
, und in der Mitte einen Brunnen einschließt. In
der Anlage ist oft auf die Möglichkeit der Vertei-
digung der Insassen gegen räuberischen Überfall
Rücksicht genommen. Eigentliche K. finden sich nur
noch in Persien; dock nehmen sie auch dort mit der
Herftelluug besserer Straßen immer mehr ab.
Karawelow, Petko (Peter), bulgar. Staats-
mann, geb. 1840, studierte in Moskau Geschichte
und Jurisprudenz, wirkte als Lehrer an Moskauer
Lehranstalten und kehrte erst nach 20 Jahren mit
den russ. Truppen ins Vaterland zurück. Dort beklei-
dete er 1878 den Posten eines Vicegouverneurs von
Widdin, war 1879 Vicepräfident der konstituieren-
den Nationalversammlung von Tirnova und einer
der Gründer und Führer der liberalen Partei. 1880
wurde er im Ministerium Zankow Finanzminister, seit
Dezember selbst Ministerpräsident. Nach dem Staats-
streich des Fürsten Alexander (s. Bulgarien, Bd. 3,
E. 723) begab er sich 1881 nach Ostrumelien, war
in Philippopel Gymnasiallehrer, später Bürger-
meister, kehrte aber nach der Wiederherstellung der
Verfassung 1883 in das Fürstentum zurück, führte ^
die Opposition gegen Zankows Kompromißpolitik ^
und war Juli 1884 bis Aug. 1886 abermals Mi-
nisterpräsident, in der Zeit der ostrumel. Revolution ,
und des serb.-bulgar. Krieges. Der <^turz des Für-
sten Alexander riß ihn mit sich; obwohl ihn Alex- ^
ander bei seiner Abdankung (7. Sept. 1886) zum
Mitglied der Regentschaft ernannte, wurde er bald i
von feinen Gegnern zum Rücktritt gezwungen und ^
ohne Beweife des Hochverrats wiederbolt verhaftet ,
und wieder entlassen. Nach der Wahl des Fürsten !
Ferdinand (7. Juli 1887) verlor er feinen Einfluß, -
blieb aber in Sofia als einer der hervorragendsten ^
Vertreter der Opposition. Nach der Ermordung des ^
Finanzministers Beltfchew (1891) wurde er aber- !
mals verhaftet und im Juli 1892 wegen Teilnahme !
an einer Verschwörung zu fünfjähriger Gefängnis- ^
strafe verurteilt. ^geflochtene Peitfche. !
Kardätsche (türk.), starke, aus ledernen Riemen ^
Karbit), czech. (^dlidoiovice, Staor in der österr. !
Vezirkshauptmannfchaft Aufsig in Böhmen, an der !
Aussig-Teplitzer Bahn, Sitz eines Bezirksgerichts 1
(163,10 ykm, 26476 deutsche E.), hat (1890) 4656 1
deutsche E., Post, Telegraph; reiche Braunkohlen- !
werke, Knopffabrikcn, eine chcm. Produkten- und Fett- "
warcnfabrik, 2 Kindcrwagenfabriken und 2 Dampf- !
mühten. In der Nähe bei dem Dorfe Pristen ein ^
Denkmal der bei Kulm 1813 gefallenen russ. Krieger. !
Karboid, eine vom Engländer K. Heoges er- !
fundene Komposition, die aus einer hydraulisch ge- j
preßten und hart gebrannten Mischung von Graphit ^
und Speckstein besteht; sie eignet sich zu Lagerschalen ^
für Wellen und machen eine Schmierung unnötig.
Karbol..., s. Carbol___
Karbon^..., s. Carbon___
Karbonaden (frz.), gebratene Hammel-, Kalbs-
und Schwcinsrippchen.
Karborundum, ein neues vorzügliches Schleif-
material, besteht aus einer Verbindung von Kohlen-
stoff mit Silicium, die sich bildet, wenn durch ein ^
pulveriges Gemenge von Sand und Koks und wenig
Kochfalz und Sägefpänen ein starker Wechselstrom
! bindurchgeleitet wird. Das Präparat, welches der
Elektriker Acheron zuerst dargestellt hat, bildet schim-
nnßt, sind unter C aufzusuchen.