Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

136
Kardamomöl - Kardinal
kannt. Die Eamen aller Sorten enthalten als
Hauptbestandteil ein ätherisches Dl (s. Kardamom-
öl), das den Geruch und den Geschmack bewirkt,
sowie ein fettes Al. K. gehören zu den stark reizen-
den, erhitzenden, magenstärkenden Gewürzen und
werden in der Heilkunde, in der Liqueurfabrikation
und in manchen Gegenden auch als Gewürz für
Speisen gebraucht. Hauptmärkte für K. sind Bom-
bay, London, Hamburg und Amsterdam. Bombay
führt jährlich gegen 100 000 kF aus. Ceylons Aus-
fuhr betrug 1888/89 301700 engl. Pfund, Deutsch-
lauds Einfuhr (1892) 362 Doppelzentner.
Kardamomöl, das ätherische Öl der Früchte von
Niottari^ caräaiuoinuin It^/"'ie ei Maton (s. Karda-
momen); es ist dünnflüssig, hellgelb, von 0,897 spec.
Gewicht bei 20" 0., besitzt sehr aromatischen Ge-
ruch und Geschmack und dient als Zufatz für feine
Liqueure und Zur Herstellung von Gewürzertrakt-
kompositionen. Das Kilogramm kostet 135-150 M.
Kardätsche (vom lat. cin-änu8, Distel), eine Art
Striegel, die aus den Fruchtköpfen der Karden- oder
Kardätsch endistel (f. Vii)3acu8) hergestellt wird; eine
Drahtbürste, überhaupt eine steife, fcharfe Bürste,
mittels deren die Haare der Pferde und des Rind-
viehs gereinigt werden; außerdem ist K. gleichbedeu-
tend mit Karde (s. d.); daher Kardätschen oder
Kardieren soviel wie Kratzen oder Krempeln,
Umordnen der Gespinstfasern in der Spinnerei
mittels der Karden in folcher Art, daß ein Flor zu
stände kommt, in welchem die Fasern gleichmäßig
verteilt sind.
Kardätsch end istel, s. Vip8acu3.
Karde (vom lat. cln-änu3, Distel), die in der
Tuchfabrikation zum Rauhen (s. Appretur, Bd. 1,
S. 761 ^ und 762 d) des gewalkten Gewebes benutz-
ten Fruchtköpfe der Karden- oder Kardätfchcndistel
(f. Oi^8^cn8); ferner cylinder- oder plattenförmige
Körper, die mit dicht nebeneinander stehenden Me-
tallhätchen bcfctzt find und gleichfalls in der Rauh-
mafchine sowie in der Kratz- oder Krempelmaschine
(s. Spinnerei) Verwendung finden.
Kardeele, s. Kabel (S.2d). ^Vii)8aou3.
Kardendistel, soviel wie Kardätschendistel, s.
Kardenpflanzen, soviel wie Dippceen (s. d.).
Kardentrommel, soviel wie Nauhtrommel, f.
Appretur (Bd. 1, S. 702d).
Kardia (grch.), Herz, auch der dem Herzen nahe-
liegende Magenmund; Kardia knin, herzstärken-
des Heilmittel (f. Analeptika).
Kardialgie (grch.), s. Magenkrampf.
Kardieren, f. Kardätsche.
Kardinal (lat. caräiiMii8, von cai-äo, d. i. Thür-
angel), seit Ende des 5. Jahrh, allgemeiner Titel
für alle an einer bestimmten Kirche fest angestell-
ten Geistlichen, feit dem 11. Jahrh, auf die den
Papst an den verschiedenen Kirchen Roms vertreten-
den und ihn zugleich beratenden Bischöfe, Presbyter
und Diakonen beschränkt, wozu schon im 8. Jahrh,
noch sieben Bischöfe der Umgegend von Rom tameu.
Papst Innoccnz IV. gab den K. den Rang vor den
Bischöfen und den roten Hut, Vonifacius V11I. zu
Anfang des 14. Jahrh, den Fürstenmantel, Paul II.
1464 das Vorrecht des lveiften Zelters mit roter
Decke und goldenen Zügeln, und Urban VIII. 1630
den Titel <d^inin6nti88iini" (Eminenz). Das Ba-
seler Konzil wollte nur 24 K. ernannt wissen, Sir-
tus V. jedoch setzte ihre Zahl, nach dem Vorbilde
der Ältesten in Israel, auf 70 fest. Sie zerfallen in
drei Klassen: in 6Kardinalbischöfe(vonOstia,Porto,
Artikel, die man unter K verm
Eabina, Palestrina, Frascati und Albano), in 50
Kardinalpresbyter und 14 Kardinaldiakonen, welche
beiden letztern Klassen ihre Titel nach den Pfarr-
und Stiftskirchen und von den Kapellen in Rom
führen. Der Anteil, den das Kardinalkolle-
gium, d. h. die Gesamtheit der in Rom anwesen-
den K., am Kirchenregiment nimmt, bestebt in
dem ihm von Nikolaus II. 1059 verliehenen Reckte
der Papstwahl und in einer beratenden Thätig-
keit bei allen wichtigen Angelegenheiten (cau8Ä6
m^oi-68) in den Konsistorien (s. d.), sowie in
einem mehr selbständigen Einfluß auf die kirchliche
Verwaltung durch Leitung der päpstl. Gerichtshöfe
und Verwaltungskollegien und durch die Kongrega-
tionen (s. d.). Die wichtigsten weltlichen Mnter der
K., die auch nach dem Aufhören des Kirchenstaates
bestehen blieben, sind die des Kardinalstaats-
sekretärs (Minister des Auswärtigen), dem seit
1833 ein Kardinalstaatssekretär für das Innere zur
Seite steht, des Kardinalkämmerers (Oainsr-
I6ng0 ^s. d.^j, Finanzminister), des Kardinalvice-
kanzlers (Leiter der päpstl. Kanzlei) und des Kar-
dinalvikars (Stellvertreter des Papstes für das
Bistum Rom). Die Ernennuug der K., die größten-
teils Italiener sind, erfolgt durch den Papst; auswär-
tige, auf Empfehluug kath. Fürsten ernannte, heißen
Kronkardinäle; der älteste Kardinalbischof, der
zugleich Bischof von Ostia ist, steht an der Spitze
des Kardinalkollegiums und trägt den Ehrentitel
Kardinaldekan. Den Gewählten wird ihre Wahl
durch Überreichung des Kardinalshutes bekannt ge-
macht; die Einführung erfolgt unter der Ceremonie
des Muudfchließens undOffnens, worauf die Über-
gabe des Ringes erfolgt. Die Kleidung der K. besteht
(außer bei Ordensgeistlicheu, die die Farbe ihrer Or-
den beibehalten) in einem Chorrock mit kurzem Pur-
purmantel und in einem Käppchen, darüber der Kar-
dinalshut (s.d.). Im Wappen führen sie unter dem
Kardinalshut noch eine Grafenkrone; ihre Einkünfte
beziehen sie aus ihren Nebenämtern und Pfründen.
Im weltlichen Range stehen die K. auf gleicher
Stufe mit den Prinzen aus regierenden Häusern.-
Vgl. Cristofori, Ltorig. äei (^räiuHli otc. (Rom
1888 fg.). - K. hieß auch ein Befehlshaber der
Landsknechte (s. d.).
Kardinal, Getränk, f. Bifchof.
Kardinal, Name einer Anzahl Kernbeißersinken
((^occodoruZ H^'s">?s. und (^i'äinHii8 Fo??a^).) von
Amerika. Jetzt versteht man darunter vorzugsweise
den roten K. (Ooccod0i'U3 vir^iniHnii8 _/^.) aus
Nordamerika, von Kerubeißergröße, kräftiger Ge-
stalt, mit großer fpitzer Tolle, dickem, rotem Schnabel
und fcharlachrotem Gefieder bei schwarzem Gesicht.
Derselbe ist im Vogelhandel ziemlich gemein. Der
deutsche Name K. umfaßt auch noch andere, dem
roten K. systematisch ferner stehende Vögel, so die
grauen K. (I^aro^i-ia, ^3o^a^.) von Südamerika,
mit roten Köpfen, fchiefergrauer Ober- und weißer
Unterseite, die meisten geschöpft, eine Art rund-
köpfig; besonders beliebt aus diefer Gattung sind
der Graukardinal (I^i-o^ri^ oucuUHtH ^llN.)
und der Dominikaner kardinal (?ai'03.ri^
iQrvatll. ZoM.). Auch einen den Ammern zuge-
hörigen Vogel bezeichnet man als Grünkardinal
((Judei'nkti-ix ci-isiHtsIia. I^'s?'??.), der oberseits
dunkel grünlichgelb, an Oberkopf und Schöpf
schwarz, unterseits lebhaft hellgelb und gleichfalls
in Südamerika heimifch ist. Alle K. sind als Stuben-
vögel beliebt, als Sänger indessen mehr in ihrer
ißt, sind unter <3 aufzusuchen.