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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karl XI. (König von Schweden) - Karl XII. (König von Schweden)
brücken und der Katharina, einer Tochter Karls IX.,
kämpfte im Dreißigjährigen Kriege unter Torsten-
son und zeigte bald hervorragendes Fetdherrntalent.
1648 ward er zum Generalissimus der schwed. Heere
in Deutschland ernannt; 1649 gelang es der Königin
Christine, seine Wahl zum Thronfolger durchzusetzen,
und am Tage ihrer Thronentsagung (6. Inni 1654)
ward K. zum König von Schweden gekrönt. Seine
Politik war auf die Gründnng einer schwed. Ostsec-
macht gerichtet; zu diesen: Zwecke begann er Krieg
mit Polen, der anfangs mit glänzendem Erfolge
geführt wnrde; bald mußte er jedoch, von neuen
Feinden angegriffen, Verbindung mit dem Großen
Kurfürsten von Brandenburg suchen, dessen Hilfe
mit immer größern Zugeständnissen erkauft werden
mußte, bis diefer endlich im Vertrage von Labiau
^1656) die Souveränität in Preußen und Ermland
erhielt. (Vgl.Schwedisch-Polnisch-Brandenbnrgisch-
DänischerKrieg von 1655 bis 1660.) .hierauf wandte
sich K. gegen Dänemark und rieb diefe Macht fast
gänzlich aus. Der 26. Febr. 1658 nach glücklich voll'
brachtem Znge über die gefrorenen Belte eiligst ge-
schlossene Friede von Noeskilde verschaffte Schweden
seine natürlichen Grenzen, indem die Provinzen
Blekinge, Schonen, Halland und Bohuslän auf
immer mit den übrigen Teilen des Reichs vereinigt
wurden. Da aber Dänemark Schwierigkeiten bei
der Erfüllung gewisser Friedensbedingnngen machte
und einen engern Anschluß an Schweden abwies, so
begann K. aufs nene den Krieg, der indessen nicht
von gleichem Erfolge gekrönt wurde. Nach dem miß-
lungenen Versuch der Erstürmung von Kopenhagen
und der verlorenen Schlacht bei Nyborg auf Fünen
fand er es nötig, sich mit den Ständen über die
Mittel zur Weiterführung des Kampfes zu verstän-
digen. Auf dem zu diesem Zwecke nach Göteborg be-
rufenen Reichstage starb er plötzlich 13. Febr. 1660.
Karl XI., König von Schweden (1660-97),
geb. 24. Nov. 1655, Sohn des vorigen und der Hed-
wig Eleonore von Holstein-Gottorp, war erst 4 I.
alt, als ihm die Krone zufiel. Während seiner
Minderjährigkeit (1660-72) führten die Königin-
Witwe und die höhern Neichsbcamten die Regie-
rung. Ein mit Frankreich geschlossener Vertrag riß
Schweden in den Krieg Ludwigs XIV. gegen Hol-
land und Brandenburg hinein; nach der Niederlage
der Schweden beiFehrbellin (1675) rüsteten sich der
Kaiser, das Deutsche Reich, Holland und Dänemark,
Schweden aus seiner Machtstellung zu verdrängen.
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, eroberte
das schwed. Pommern und vertrieb die Schweden
aus Preußen. Am gefährlichsten war aber der dän.
Angriff, der auf die neuerworbenen südschwed. Pro-
vinzen gerichtet war. Jedoch gelang es K. durch die
Siege bei Halmstad und Lund (1676) und Lands-
trona (l677), seine Stellung zu behaupten, und der
auf Ludwigs XIV. Geheiß geschlossene Friede (1679
zu St. Germain, Fontaincbleau und Lund) führte
keine erhebliche Beschränkung der schwed. Macht her-
bei. K. konnte sich nun ungestört den innern An-
gelegenheiten widmen. Er brach die aristokratische
Übermacht und regelte seine Souveränitätsrechte
nach sranz. Muster. Heer und Flotte wurden neu
geschaffen, und die Finanzen besserten sich dergestalt,
daß in den letzten Jahren K.s keine außerordent-
lichen Steuern nötig waren. Die gesamte Verwal-
tung ward neu organisiert, die Rechtspflege ver-
bessert und eine neue Redaltion der Landesgesetze ins
Werk gesetzt. K. starb 5. April 1697 zu Stockholm.
Artikel, die mau untl'r 5l v^vn
KarlXII.,König von Schweden(1697-1718),
geb. 27. Inni 1682 zu Stockholm, der SohnKarls XI.,
wurde, obgleich er bei dem Tode seines Vaters (1697)
erst 15 I. alt war, doch von den Ständen für voll-
jährig erklärt. Die Thronbesteigung des jnngen
Herrschers schien den eifersüchtigen Nachbarn gün-
stig, um das im Norden übermächtige Schweden zu
demütigen. Friedrich IV. von Dänemark, August II.
von Polen und Zar Peter I. schlössen ein Bündnis,
das den Nordischen Krieg (s. d.) znr Folge hatte.
K. wandte sich zuerst gegen die Dänen, die in das
Gebiet seines Schwagers, des Herzogs von Holstein-
Gottorp, eingefallen waren. Die ichwcd. Flotte,
verstärkt von einem engl.-holländ. Geschwader, lan-
dete unter der Leitnng des Königs im Norden von
Seeland, worauf diefer im Begriff war, zur Be-
lagerung Kopenhagens zu fchrciten, al5 der zu
Travendal unterhandelte Friede 18. Aug. 1700 den
Herzog von Holstein in alle Rechte, deren man ihn
hatte berauben wollen, wieder einsetzte. Kanm war
der Friede mit Dänemark abgeschlossen, so eilte K<
nach Livland, den Russen entgegen, die, 40009
Mann start, er unter den Mauern von Narwa mit
etwa 8000 Schweden 20. Nov. 1700 völlig schlug.
Nach diesem Skge setzte K. über die Düna (9. Juli
1701), griff die Sachsen, dieRiga belagerten, an und
trug anch über sie einen vollständigen Sieg davon.
K. hätte jetzt einen Frieden schließen können, der
ihn znm Schiedsrichter des Nordens gemacht haben
würde; statt dessen verfolgte er den König August II.
nach Polen. Umsonst versuchte August durch die
Gräfin Königsmark mit ihm in Unterhandlungen
zu treten. Der Krieg dauerte fort; die Schweden er-
fochten einen glänzenden Sieg zu Klissow (19. Juli
1702), und 1703 war ganz Polen von ihnen besetzt.
Der poln. Thron wurde für erledigt erklärt, und
durch K.s Einfluß ward Stanislaus Lch.czynski
zum König erwählt. August floh nach Sachsen,
aber K. verfolgte ihn auch hierhin und diktierte
24. Sept. 1706 zu Altranstädt (s. d.) die Bedingun-
gen des Friedens. Nachdem auch der Kaiser im
Vertrage zu Altranstädt (31. Aug. 1707) den Pro-
testanten in Schlesien volle Gewissensfreiheit zuge-
stauden hatte, verließ K. im September mit seinem
43 000 Mann starken Heere Sachsen, um gegen
Moskau zu ziehen. In der Gegend von Smolensk
änderte er aber auf die Vorschläge des Kosaken-
Hetmans Mazeppa (s. d.) feinen Plan und wandte
sich nach der Ukraine, in der Hoffnung, daß die Ko-
saken sich mit ihm verbinden würden. Diese Aus-
sicht schlug fehl; General Lewenhaupt, der Verstär-
kungen und Lebensmittel aus Livland herbeiführen
sollte, langte nur mit wenigen erfchöpften Truppen
an, und K. selbst wurde beim Rekognoscieren ge-
fährlich am Fuße verwundet. Diese Unistände und
noch mehr der Mangel an Übereinstimmung zwischen
den Generalen Renskiöld und Lewenhaupt waren
die Ursache, daß K. in der entscheidenden Schlacht
bei Pultawa 8. Juli 1709 völlig besiegt wurde und
ans türk. Gebiete Schutz suchen mußte.
Jetzt erhoben sich K.s Feinde mit neuer Hoffnung.
August II. widerrief den Vertrag von Altranstädt,
Peter I. drang in Livland ein und Friedrich IV. von
Dänemark landete in Schonen. Aber während der
General Stenbock die dän. Armee 10. März 1710
bei Helsingborg schlug, unterhandelte K. zu Kon-
stantinopel mit der Pforte und wußte sie Zu be-
wegen, den Rnssen den Krieg zu erklären. Am
Pruth wurde Peter 1. Juli 1711 geschlagen und er-
ißt, sind unter C anfznsuchc'n.