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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karl XV. (König von Schweden und Norwegen) - Karl II. (König von Spanien)
erhielt er den Oberbefehl in Antwerpen, um die
belg.-Holland. Küste gegen die auf Walcheren ge-
landeten Engländer zu verteidigen. Schon im Sep-
tember ward er wieder abberufen, weil Napoleon
ihm nicht ohne Grund zum Vorwurf machte, daß er
mit den revolutionären Demokraten in Verbindung
stehe. Doch kam eine Art Aussöhnung zu stände,
und der Kaiser ernannte ihn, um ihn zu entfernen,
zum Generalgouverneur von Nom.
Bevor er diefe Stellung antrat, überbrachte ihm
eine schwed. Gesandtschaft (Sept. 1810) die Nach-
richt von seiner Ernennung zum Kronprinzen von
Schweden. König Karl XIII. hatte Bernadotte
(16. Aug.) den Ständen vorgeschlagen und diese
hatten ihn (21. Aug.) einstimmig gewählt, unter
der Bedingung, daß er das franz. Bürgerrecht
aufgebe und zur luth. Kirche übertrete. Mit Na-
poleons Bewilligung nahm er die Wahl an und
wurde, uachdcm er die Vorbedingungen erfüllt hatte,
durch eine Akte vom 5. Nov. 1810 von Karl XIII.
förmlich adoptiert, worauf er den Namen Karl
Johann annahm. Schon im nächsten Jahre fun-
gierte er während einer Krankheit des Königs als
Regent und gewann überhaupt bald den größten
Einfluß auf die Negierung. Gegen Napoleon ver-
trat er mit Energie die Interessen seines Adoptiv-
vaterlandes. Als es darüber zur Entzweiung kam,
wandte er sich dem Kaiser Alexander von Rnßland
zu, der ihm bereits in dem geheimen Allianztraktat
von Petersburg, 24. März (5. April) 1812, den
Besitz Norwegens zusicherte. Die Alliauz zwischen
Schweden und Rußland wurde bei eiuer persön-
lichen Zusammenkunft zwischen K. und Kaiser Alex-
ander in Äbo besiegelt und mit England zu Arebro
im Juli 1812 Frieden geschlossen. 30000 Schweden
unter K.s eigener Führung stießen im Frühling 1813
zu den alliierten Heeren, und K. befehligte die sog.
Nordarmee, der zeitweilig auch dieSchlesische Armee
unter Blücher beigeordnet war. Nach der Schlacht
dei Leipzig, in der er nur eine passive Rolle spielte,
blockierte er Hamburg, zwang Friedrich VI. von
Dänemark im Frieden zu Kiel (14. Jan. 1814) zur
Abtretung Norwegens und rückte dann langsam
gegen Frankreich, wo er erst nach der Eroberung
von Paris eintraf. Er kehrte indes bald zurück und
bewirkte, dah das widerstrebende Norwegen sich
friedlich der schwed. Dynastie unterwarf (Juli bis
Nov. 1814). Während Napoleons Rückkehr 1815
hielt Schweden sich neutral, was die Alliierton dem
Kronprinzen zur Last logten. Am 5. Febr. 1818
succedierte er seinem Adoptivvater und ließ sich zu
Stockholm und Trondhjem krönen. In der innern
Verwaltung hielt K. an einer konservativen Richtnng
fest, geriet aber dadurch in einen ziemlich scharfen
Konflikt mit der liberalen Opposition. (S. Schweden
und Norwegen.) Er starb 8. März 1844 in Stock-
holm. In der Regierung folgte ihm fein einziger
Sohn Oskar I. (s. d'.). Die Enthüllung von Reiter-
standbildern für K. erfolgte zu Stockholm 1854, zu
Kristiauia 1875.
Vgl. Geijer, XonunZ Oari XIV. 5oIilM8 kisto
ria (deutsch von Dietrich, Stockh. 1844); Sarrans,
Hiäwiro äs NernNäotw, lHarisg XIV ^63.n (2 Bde.,
Par. 1845); Schinkel, Minnen ur 3v6riA68 n^rs
Historik V-XII (hg. von Bergmann, Rogberg,
^ellstenius und Alin', 12 Bde., Stockh. 1852-81;
nebst Anhang, Bd. 1-2, Ups. 1880-93); Vlom-
berg, NarLkalk VLrnaäottL (Stockh. 1889); F. U.
Wrangel, I^än niÄi-LiiHi1l8 LernkäottOL un^änin
(ebd. 1889); Wiehr, Napoleon und Vernadotte im
Herbstfeldzuge 1813 (Berl. 1893).
Karl XV., König von Schweden und Nor-
wegen (1859-72), geb. 3. Mai 1826 zu Stockholm,
ältester Sohn des Königs Oskar I., führte anfangs
den Titel eines Herzogs von Schonen und folgte
feinem Vater 8. Juli 1859, nachdem er während
dessen Krankheit schon die letzten beiden Jahre die
Regierung geführt hatte. K. war ein eifriger An-
hänger der skandinavistischen Ideen, gewährte den
Dänen in ihrem Streite mit Deutschland den eifrig-
sten Beistand der schwed. Diplomatie, protestierte in
dem Deutsch-Dänischen Kriege von 1864 zunächst
gegen die Occupation Schleswigs und begann darauf
Rüstungen zu Wasser und zu Lande. In Schweden
und besonders in Norwegen zeigte sich indes wenig
Kriegslust. Da auch die Westmächte neutral blieben,
so folgte der König deren Beispiel. K.s Regierung^
zeit war für die beiden vereinigten Königreiche eine
Periode von lebhafter Entwicklung. Das wichtigste
Ereignis war die auf Initiative der Regierung in
der Session des schwed. Reichstags 1865 -W
durchgesetzte Reform der schwed. Repräsentation.
(S. Schweden.) K. starb 18. Sept. 1872 zu Malmö.
Er war eine reichbegabte Natur und hat sich als
Schriftsteller bekannt gemacht. Seine Gedichte sind
auch in deutscher Übersetzung ("Dichtungen von K.
Aus dem Schwedischen von A. von Winterseld",
Verl. 1866) erschienen. Auch als Maler war er
uicht ohne Talent. Da K< aus seiner Ehe mit der
niederländ. Prinzessin Luise von Oranien keinen
männlichen Erben, sondern nur eine Tochter, die
31. Okt. 1851 geborene Prinzessin Luise Iosephine
Eugenie (vermählt mit dem Kronprinzen Friedrich
von Dänemark), hinterließ, so folgte ihm sein Bruder
als Oskar II. (s. d.). - Vgl. Morin, König, Dichter
und Maler (Lpz. 1875); Adlersparre, ^rs episoder
i konrmF (^i-i XV. lil (Stockh. 1893).
Karl I., König von Spanien, s. Karl V.
röm.-deutschcr Kaiser (^. 144 d).
Karl II., König von Spanien (1665-1700),
Sohn Philipps IV^, der letzte Habsburger auf dem
span. Throne, geb. 6. Nov. 1661, regierte lange
unter Vormundschaft seiner Mutter Maria Anna
von Osterreich, welche die Regierung unter dem
Widerstreit der Parteien mühsam leitete. Vermehrt
wurden die Schwierigkeiten durch die übergriffe Lud-
wigs XIV., der in dem Devolutionskriege die bur-
gund. und niederländ. Provinzen überfiel und große
Stücke davon abriß. Als ferner der Friede von
Nimwegen 1679 Spanien wieder neue Verluste
(Franche-Comte und mehrere niederländ. Festun-
gen) brachte, suchte es Frankreichs Freundschaft,
mdem K. jetzt die Tochter des Herzogs von Orleans
heiratete. Der Tod der Königin (1689) löste wieder
das Band; in dem zweiten Koaiitwnskriege stand
K. aufs neue bei den Verbündeten, erlitt dafür aber
1694-97 den Einfall der franz. Truppen über die
Pyrenäen bis Barcelona und erhielt im Frieden
von Ryswijk keine von den verlorenen Provinzen
zurück. K. starb 1. Nov. 1700. Als Erben seiner
Krone hatte er zunächst den Kurprinzen Ferdinand
von Bayern eingesetzt, der das nächste Anrecht hatte.
Dieser starb aber bereits im Febr. 1699, und nun
gelang es nach langen Intriguen Frankreichs, das
ungeteilte Erbe dem Enkel Ludwigs XIV., Philipp
von Anjou, zugesprochen zu sehen (durch Testament
vom 3. Okt. 1700). Über K.s Grabe erhob'sich der
Spanische Erbfolgekrieg (s. d.).
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C ausznsuchen.