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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karlsbader Salz - Karlsdor
nisterkongreß (Karlsbader Konferenzen) ge-
troffenen Verabredungen zur Unterdrückung der
sog. demagogischen Bewegung (s. Demagog). Die
Angst vor einer weitverzweigten, gegen die deut-
schen Fürsten gerichteten Verschwörung, die na-
mentlich durch die Attentate Sands und Lönings
geweckt war, wurde von Metternich geschickt benutzt,
um zuerst mit den preuh. Staatsmännern in Teplitz
(1. Aug. 1819) und dann mit den Vertretern der in
seinen Augen zuverlässigsten Staaten in Karlsbad
(Aug. und Anfang Sept. 1819) sich über gemein-
same Anträge beim Bundestage zu einigen. Diese
bestanden in folgenden Punkten: 1) Durch eine pro-
visorische Exekutionsordnung soll den Beschlüssen
der Bundesversammlung, die sie zur Erhaltung
der Sicherheit, der öffentlichen Ordnung und zum
Schutze des Besitzstandes zu fassen sich für be-
rechtigt hält, die gehörige Vollziehung gesichert
werden. 2) über die Universitäten, den Geist der
Lehrer, die Disciplin und geheime Verbindungen
der Studierenden soll durch besondere Kuratoren
oder Regierungsbevollmächtigte eine genauere Aus-
sicht angeordnet werden. 3) über periodische Schrif-
ten und solche, die nicht über 20 Bogen im Druck
betragen, soll, einstweilen auf fünf Jahre, eine
strengere Censur angeordnet werden. 4) Zur Unter-
suchung der "revolutionären Umtriebe und dema-
gogischen Verbindungen" soll eine Central-Unter-
suchungskommission niedergesetzt werden. 5) Es
wurde als "eins der ersten und dringendsten Ge-
schäfte" bezeichnet, zu einer vor allem der Auf-
rechthaltung des monarchischen Princips angemesse-
nen Auslegung des Art. 13 der Bundesakte (be-
treffend die landständischen Verfassungen in den
deutschen Staaten) zu schreiten.
Durch Einschüchterung der zum Teil nicht in-
struierten Bundestagsgesandten gelang es, 20. Sept.
die einstimmige Annahme beim Bundestage durch-
zusetzen; die vielfachen Vorbehalte der abstimmen-
den Gesandten veröffentlichte man nicht. Die K. B.
bildeil in der deutschen Entwicklung den verhängnis-
vollen Wendepunkt, mit dem die patriotischen Hoff-
nungen vollends zu Grabe getragen und der Politik
der Überwachung auf der einen, der Gärung auf
der andern Seite die Wege geöffnet wurden. - Vql.
Agidi, Aus dem I. 1819 (2. Aufl., tzamb. 1801);
von Weech, Korrespondenzen und Aktenstücke zur
Geschichte der Ministerkonferenzen von Karlsbad
und Wien (Lpz. 1865).
Karlsbader Salz, s.Karlsbad (S.170d). Das
künstliche K. S. (8a1 (^i'olinnin laotitium) ist nach
dem Arzneibuch für das Deutsche Reich eine Mischung
aus 22 Teilen entwässertem Natriumsulfat, 1 Teil
Kaliumsulfat, 9 Teilen Natriumchlorid und 18 Tei-
len Natriumbicarbonat. 6 3 des Salzes, in 1 1
Wasser gelöst, geben ein dem Karlsbader ähnliches
Wasser. Die krystallisierten künstlichen K. S. be-
stehen aus krystallisierten: Natriumsulfat.
Karlsbahn, von Hümme nach Carlshafen
(16,5 kin, 1848 eröffnet), Strecke der ehemaligen
Hessischen Nordbahn (s. d.), jetzt preuß. Staatsbahn.
Karlsberg, Berg (107 m) auf der pommerschcn
Seenplatte bei Oliva, mit schöner Aussicht auf das
Meer und das Schwabenthal. ^Vd. 3, S. 230a).
Karlsberge, Teil des Böhmerwaldes (s. d.,
Karlsborg, schwed. Festung in Westergötland,
aus der Felsenspitze Vanä's-udde an der Westseite
des Wetternsecs, an der Mündung des Götakanals
und an der Linie Sköfde-K. der Schwed. Staats-
bahnen. Die Anlage der Festung ward 1819 von
Karl XIV. Johann beschlossen und in neuester Znt
uach erweitertem Plane vollführt. K. dient als
Hauptdepot des schwed. Heers.
Karlsbrunn, auch Freudenthaler oder
Hinnewieder Bad, Mineralbad im Gcrichtsbe-
zirk Würbenthal der österr. Vezirkshauptmannschaft
Freudenthal in Osterreichisch-Schlesien, zur Gemeinde
Dürrseisen gehörig, hat etwa 50 E., 12 Logierhäuser,
Post, Telegraph, kath. Kirche und eine Badeanstalt.
Die neun kohlmsäurehaltigen Eisenquellen (7,5"O.),
von denen die Wilhelmsquelle eine der stärksten
Stahlquellen ist (1,3306 doppeltkohlensaures Eisen
in 10000 Teilen Wasser), entspringen in einen:
Thale am Fuße des Altvaters. Das Wasser dient
znm Trinken und Baden, besonders das der Mazi-
miliansquelle bei Vlutarmut und Nervenleiden
(1893: 738 Kurgäste). - Vgl. Steinschneider, Der
Kurort K. (Wien 1875); Ludwig, Der Eisensäuer-
ling der Wilhelmsquelle zu K. (in der "Wiener
mediz. Wochenschrift", 1882).
Karlsburg, ungar. ^^uiÄ-^^iervü.r, d. i. ^Ida
.InU^, auch Belgrad oder Weihenburg, Stadt
mit geordnetem Magistrat, mit dem Titel königl.Frci-
stadt, und Festung nn ungar. Komitat Unterwcißen-
! bürg (^8<i)-^0ii6i-) in Siebenbürgen, am rechten
Marosufer, an der Linie Arad-Tövis der Ungar.
Staatsbahnen, besteht aus der aus felsiger Anhöhe
gelegenen Festung und aus der am Fuße des Berges
liegenden ^tadt/ist Sitz des lat.-kath. Bischofs von
Siebenbürgen, dessen Bistum König Ladislaus I.
(1077-95) gründete, eines Gerichtshofs, Verg-
gerichts, Bezirksgerichts, einer Gcniedirektion, eines
Artilleriezeugdcpots sowie des Kommandos der
69. Infanteriebrigade und hat (1890) 8167 magyar.
und rumän. E. (897 Deutsche), darunter 1835 Rö-
misch-, 2319 Griechisch-Katholische, 1457 Griechisch-
Orientalische, 1120 Evangelische und 1357 Israeli-
ten, in Garnison 1 Bataillon des 50. Infanterie-
regiments "Friedrich Wilhelm Ludwig, Großherzog
von Baden", 2 Bataillone des 62. Infanterieregi-
! ments "Ludwig, Prinz von Bayern", das 28. Feld-
jägerbataillon und das 2. Festungsartilleriebataillon
(ausschließlich der 2. und 3. Compagnie), Post, Tele-
graph, 2 Klöster, eine theol. Lehranstalt, ein bi-
sch öfl. Lyceum, kath. Obergymnasium und archäol.
Museum mit reicben Sammlungen. In der 1443
von Johann Huuyady erbauten got. Kathedral-
kirche sind Gräber der Hunyady, der siebenbürg.
Fürsten, des Kardinals Martinuzzi u. a. In der
Festung befindet sich auch das Vatthyanische In-
stitut mit Sternwarte, Bibliothek, Münzen-, Antiten-
nnd Mineraliensammlung, ferner das vom Fürsten
Gabriel Bethlen erbaute Gebäude für die ehemalige
Universität, an welcher auch der deutsche Dichter
Martin Opitz lehrte, jetzt Infanteriekaserne, endlich
die Münze, in welcher alle siebenbürg. Münzen ge-
prägt wurden. K. hat bedeutenden Getreide- und
Weinbau s"Nozsamal"-Wein) und Viehzucht. Die
Festung (ein Fünfeck) wrrrde 1715 nach einem Plane
des Prinzen Eugcn von ^avoyen angelegt und nach
Kaiser Karl VI., dessen Reiterstandbild hier steht,
benannt. 1848-49 hatte der Platz eine lange Be-
lagerung zu überstehen. In der Nähe lag die röm.
KolonieÄpulum; hier wurden zahlreiche röm. Alter-
tümer und Münzen aufgefunden. Im Mittelalter
war K. die Nesidenz der Fürsten Siebenbürgens.
Karlsdor, Karldor, herzoglich braunschw.
Goldmünze mit dem Brustbilde des Herzogs auf der
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.