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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karlsruhe (Flecken) - Karlsruher Rheinbahn
im Deutschen Reiche gegründet, ging hervor aus
der Bauschule des Oberbaudirektors Weinbrenner,
einer privaten Gewerbeschule in Freiburg i. Br. und
der 180? gegründeten Ingenieurschule des Obersten
Tulla. Sie'zählt (Sommer 1893) 4l Professoren,
16 Lehrer und Privatdocenten, 13 Assistenten, 634
Studierende, 47 Hospitanten; ein Gymnasium,
1583 in Durlach gegründet, 1724 nach K. verlegt
(Direktor Dr. Wendt, 28 Lehrer, 18 Klassen, 628
Schüler), ein städtisches simultanes Realgymna-
sium (Direktor Treutlein, 23 Lehrer, 9 Klassen, 476
Schüler), eine städtische Oberrealschule, zwei Lehrer-
und ein Lehrerinnenseminar, eine großherzogl.
Turnlehrerbildnngsanstalt, ein Mädchengymna-
sium, 1893 eröffnet, eine höhere Mädchenschule,
Victoriaschule sür Mädchen, ein Kadettenhaus
i220 Kadetten), 1. April 1892 eröffnet, und eine
Militär-Lehrschmiede; ferner eine Kunstschule, Kunst-
gewerbeschule mit Museum, Malerinnenschule, Bau-
gewerken-, Gewerbe-, Obst- und Wiesenban-,
Handelsschule, Kunststickerei-, Haushaltungsschule,
Luisenschule des Frauenvereins und ein Konser-
vatorium der Musik.
Sammlungen. Die großherzogl. Hof- und
Landesbibliothei in dem Gebäude der verewigten
grohherzogl. Sammlungen ist 1500 zu Pforzheim
gegründet, um 1565 nach Durlach, 1674 nach Basel,
1765 nach K. verlegt und enthält die Büchcrsamm-
lung Joh. Reuchlins, die Rastatter Hos-, die fürstl.
Speierische (Vruchsaler) und mehrere Kloster- u. s. w.
Bibliotheken, namentlich die des Klosters Rcichenan
u. a. mit insgesamt (1892) 156 842 Bänden und
3725 Handschriften. In demselben Gebäude befin-
den sich die Altertümer-, die Mineralog, und geo-
log., zoolog., ethnogr. Sammlung, die der modernen
Waffen- und Kanonenmodelle aus der bad. Zeug-
haussammlung und das grohherzogl. Münzkabinett.
Bedeutend ist das grofthcrzoglich bad. General-Lan-
dcsarchiv am Schloßplatz. Die Kunsthalle birgt
Gipsabgüsse und eine Sammlung neuerer Gemälde
und Kupferstiche sowie Fresken von Moritz von
Schwind im Treppenhaus und Kartons von Over-
beck, Schwind, Schnorr von Carolsfeld u. a. in den
Korridoren, die Kunstgewerbeschule-Sammlungen.
In der Landesgewevbehalle kommen die neuesten
Erzeugnisse der in- und ausländischen Industrie in !
stetem Wechsel zur Ausstellung. !
Vereine und Wohlthätigkeitsanstaltcn. !
Zur Pflege der Musik, der Geselligkeit und anderer
künstlerischer und gemeinnütziger Bestrebungen be-
stehen zahlreiche Vereine, ferner eine Freimaurer-
loge "Leopold zur Treue". Das städtische Kranken-
haus enthält 300 Betten, die Diakonissenanstalt hat
100 Diakonissinnen und 50 Probeschwcstern. Her-
vorragend ist die Thätigkeit des bad. Frauenvereins
unter der Leitung der Großherzogin Luise, der in
K. seine Centralverwaltung hat. Derselbe zerfällt
in die Abteilungen für Unterricht, Kinder-, Kranien-
und Armenpflege und unterhält zahlreiche Anstalten,
von denen ein Teil in dem 1891 auf Kosten der Stadt
K. erbauten "Luiscnhaus" vereinigt sind (vgl. Ge-
schichte des Vadischen Frauenvereins, Karlsr. 1881
und die Jahresberichte des Vereins).
Industrie, Handel. Das gewerbliche Leben
bat sich in den letzten Jahrzehnten lebhaft entwickelt.
Von größern industriellen Unternehmnngen bestehen
eine Maschinenbaugesellschaft (besonders Lokomo-
tivenfabrik), Waggon-, Nerkzeugmaschiuenfabriken,
Eisengießerei, Pauspapier-, Nähmaschinen-, Ofcn-
fabriken, eine Syphonfabrik, eine großartige deutsche
Metallpatronenfabrik, mehrere Erportbrauereien,
ferner Vaugeschäfte, Tapeten-, Parfümerie-, Hand-
schuhleder-, Möbel-, Cementfabriken u. a. K. ist
Sitz der Badischen Landwirtschaftlichen Berufs-
genossenschaft, der 2. Sektionen der Steinbruchs-,
der Brauerei- und Mälzerei-, der Südwestdeutschen
Holz- und der Südwestlichen Baugewerks-Berufs-
genossenschaft, der 4. Sektion der süddeutschen
Eisen- und Stahl-Berufsgenossenschaft, der 8. Sek-
tionen der Berufsgenossenschaft für Feinmechanik
sowie der Gas- und Wasserwerke.
Der Handel erstreckt sich besonders auf Kolonial-,
Holz-, Eisen-, Manufaktur- und Kurzwaren und
wird unterstützt durch eine Handelskammer, Reichs-
bankstelle (Umsatz 1892'. 1212 Mill. M.), Filialen
der Badischen Bank (1892: 1057 Mill. M.) sowie
der Rheinischen Kreditbank und 20 Privatbank-
und Wechselgeschäfte.
Verkehrswesen. K. hat einen Hauptbahnhof
im S. der ^tadt, ferner je einen am Mühlburg er
Thor und für die Lokalbahn nach Spöck und liegt
an den Linien Mannheim-K. (62 kiu), Heidelberg-
Basel, K.-Maxau (10,? km), K.-Pforzheim (43,4 km)
und Eppingen-K. (47,8 km) derVad. Staatsbahnen.
Außerdem führen Dampfstraßenbahnen nach Dur-
lach, Durmersheim und Spöck und eine Pferdebahn
nach der Vorstadt Mühlburg. Eine Etaatsbahn-
linie K.-Nastatt-Rhein ist, vornehmlich zu strate-
gischen Zwecken, in Ausführung, geplant eine Neben-
bahn nach Herrenalb (Albthalbahn). - K. hat zwei
Postämter erster Klasse, das eine mit Zweigstelle,
ein Telegraphenamt erster Klasse und Fernsprechein-
richtnng mit 281 Sprechstellen und Fernsprechver-
bindung mit Frankfurt a. M., München, Pforzheim,
Durlach und Ettlingen.
Auch die Wasserstraße des Rheins dient dem
Verkehr der Stadt, namentlich für die Zufuhr von
Kohlen mittels der Hafenanlagen in Marau und
Leopoldshafen. Geplant ist die Verbindung der
Stadt mit dem Rhein durch einen Kanal.
Vergnügungsorte und Umgebung. Zu
Spaziergängen bietet der Stadtpark mit Stadt-
gartensee, der Schloßgarten, der Lauterberg und
die nähere Umgebung mit dem Hardtwald, dem
Wildpark und den zahlreichen gut unterhaltenen
Straßen darin vielfach Gelegenheit, weiterhin sind
Marau mit den Rheinbädern, Durlach mit dem
Turmberg (Drahtseilbahn), der Stutcnsee, ferner
der Schwarzwald, Odenwald, Heidelberg und andere
Orte beliebte Ausflugspunkte. - Vgl. Chronik der
.r>aupt- und Residenzstadt K. (1. bis 7. Jahrg.,
Karlsr. 1886-92); Fecht, Geschichte der Stadt K.
(ebd. 1887); Illustrierter Führer durch K. (4. Allst.,
cbd.1890);F.vonWeech,K. GeschichtcderStadtund
Verwaltung (ebd. 1893, im Erscheinen begriffen).
Karlsruhe in Schlesien, Flecken im preuß.
Reg.-Bez. und Kreis Oppeln, an der Nebenlinie
Namslau - Oppeln der Preuß. Staatsbahnen, Sitz
eines Amtsgerichts (Landgericht Oppeln), hat (1890)
2014 meist cvang. E., Post, Telegraph, ein Schloß
des Herzogs von Württemberg, ein Kiefernnadel-
bad und eine Dampfsägemühle.
Karlsruher Lokalbahnen, s. Deutsche Eisen-
bahnen (Bd. 4, S. 1004) v, 111, Nr. 17.
Karlsruher Rheinbahn, von Karlsruhe über
Maxau nach Mitte Rheinbrücke (9,7 km, 1862 und
1865 eröffnet), von der Stadt Karlsruhe erbaut
und vom bad. Staate betrieben.
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