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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karyopse - Kasan
spiel von antiken K. bietet die Vorhalle an der End-
seite des Erechtheions (s. d.) ans der athenischen
Akropolis dar (s. Tafel: Griechische Kunst I,
F^g. 7). Die Renaissance nahm die Kunstform der
K. wieder aus und bildete sie in ihrer Weise fort. Die
Italiener scheuten sich zwar
noch meist, grohe Lasten aus
menschliche Gestalten zu legen.
Erst in der niederländ. und
deutschen Renaissance kam die
Kunstsorm in allgemeinen Ge-
brauch. Bekannt sind nament-
lich die prächtigen K., welche
Gonjon für den Karyatiden-
saal des Louvre schuf (s. bei-
stehende Fignr). In der Ba-
rockzeit übertrug man Lasten
fast ausschließlich kräftig be-
wegten Atlanten oder bildete
die K. zu hermenartigen, mehr
architektonischen Gestaltungen
um. Erst mit dem Klassicis-
mus haben die K. wieder eine
allgemeinere Verbreitung er-
halten.
Karyopse (grch.), eine
Frucht, deren Frnchthülle sich
bei der Reise nicht öffnet und
mit dem Samen fest verwach-
sen ist. Die Früchte der Grä-
ser zeigen diese Eigenschaften,
weshalb man die K. auch als
Korn frucht bezeichnet.
UM
Karystos, Hauptort der Eparchie K. im füdl.
Euböa, an der Stelle der gleichnamigen alten Stadt,
etwa 2 km vom Meere, hat (1889) 1278, als Ge-
meinde 7431 E.; Ruinen einer venet. Burg und
Marmorbrüche mit weißem, arüngeadertem Mar-
mor, die in der röm. Kaiserzeit viel bearbeitet wurden.
Karzer, s. Carcer.
5kasak, soviel wie Kirgisen; s. anch Kosaken.
Kafalinsk. 1) Kreis im nordwestl. Teil des
russ.-centralasiat. Gebietes Syr-darja, hat 66 992,4
hkm (davon 384,9 tikm Seen) und 131859 E. -
2) Kreisstadt im Kreis K., am Kasala, einem Arm
des Syr-darja, hat (1891) 5772 E., Post, Tele-
graph und Schiffswerft. K. ist aus dem Fort Aralsk
hervorgegangen.
Kasan (tatar., spr. -sänj, "Kessel"). 1) Russ.
Militärbezirk, umfaßt die europ.-russ. Gouverne-
ments Kasan, Wjatka, Orenbnrg, Perm, Pensa,
Samara, Saratow, Simbirsk, Ufa, Astrachan mit
dem Lande der Kirgisen der Innern (Bukej ewschen)
Horde, und die russ.-centralasiat. Gebiete Turgaisk
und Nralsk und bat 2239 874 ykin mit 19 990132 E.,
d. i. 8,9 aus 1 hkui. - 2) Gouvernement im östl.
Teile des europ. Rußland, in Mitte der sog. Wolga-
OouvernemeMs und umgeben von den Gouverne-
ments Wjatka, Usa, Samara, Simbirsk und Nishe-
gorod, hat 63716,2 ^ni mit 2192614 E., d. i. 34,4
auj 1 hkm. Es wird dnrch die Wolga und Kama
in drei Teile geteilt. Der südöstliche, rechts an der
Wolga, ist von tiefen Schluchten durchschnitten und
neigt sich nach NO.; das Wolgaufer ist hier hoch.
Der südöstl. Teil, links von der Kama, hat Steppen-
charakter, der nördliche, rechts von der Kama, ist
im SO. dem ersten ähnlich, im W. eben, sumpfig
und mit dichten Wäldern (Nadelholz, durchsetzt mit
Laubhölzern, namentlich Eichen) bedeckt. Vorwie-
Artikel. die man unter K verm
gend ist die permische Formation, doch kommt im
S. auch Jura und links von der Wolga, nament-
lich im NW., Tertiär vor. Von Mineralien sind
am wichtigsten Thon, Sandstein und Gips. - Auch
von den schiffbaren Flüssen Wetlnga und Wjatka
wird K. berührt. Die mittlere Temperatur beträgt
im Sommer 18°, im Winter -13°, im Jahresdurch-
schnitt 2,7° 0. Die Bevölkerung besteht ans 42 Proz.
Russen, 31 Proz. Tataren, 21 Proz. Tschuwaschen,
5,i4 Proz. Tscheremissen; das übrige Mordwinen,
Wotjaken und Meschtscherjaken; der Religion nach
gehören 1520499 der russ. Kirche an und bilden die
Eparchie Kasan-Swijaschsk mit einem Erz-
bischof an der Spitze; etwa 629 754 sind Moham-
medaner und 12746 Heiden. Die Hauptbeschäfti-
gung bildet Ackerbau, stellenweise auch Garten- und
Obstbau, daneben verschiedene Arten der Hansindu-
strie. An Fabriken bestanden (1892) 182 mit einer
Produktion von 12 Mill. Rubel, darunter 10 Seifen-
siedereien, 49 Gerbereien, Spinnereien, Brannt-
weinbrennereien u. a. Bedeutend ist der Handel in-
folge der centralenLagedes Gouvernements zwischen
Nord und Süd. K. hat 25 Häfen an der Wolga, 19
an der Kama und etwa 200 km Eisenbahnen. Das
Gouvernement hat 1187 Schulen, darunter 831
Volksschulen, 512 russ. Kirchen, 714 Moscheen. Es
zerfällt in 12 Kreise: K., Iadrin, Kosmodemjansk.
Laischew, Mamadysch, Swijaschsk, Spahk, Tetjuschi,
Tscheboksary, Tschistopol, Zarewokokschaisk und Zi-
wilsk. - An der Stelle des Gouvernements K. und
weiter südlich bestand im 5. bis 13. Jahrh, das mäch-
tige Reich der Bulgaren (s. d.), mit dem schon die
Russen in feindschaftliche Berührungen kamen. An-
fang de513. Jahrh, wurde es von den Tataren unter-
worfen. 1438 errichtete der Chander Goldenen Horde,
Ulu Machmet, das Chanat K., das aber schon 1469
nach drei Feldzügen den Russen zinspflichtig und
1552 von diesen ganz erobert wurde. Von da an
beginnt die russ. Besiedelung. 1708 wurde das
Gouvernement K. errichtet, das einen großen Teil
Südrußlands umfaßte. Im jetzigen Umfang be-
steht es (zuerst unter dem Namen Statthalterschaft
K.) seit 1781. - 3) Kreis in der Mitte des nordöstl.
Teils des Gouvernements K., links an der Wolga,
im O. hügelig, im W. eben, dort mit lehmigem, hier
mit sandigem Boden, hat 5704,3 ^km, 358244 E.,
darunter etwa 134569 Tataren. - 4) Hauptstadt
des Gouvernements (seit 1708)
und des Kreises K., an der
links znr Wolga gehenden Ka-
sanka, 6 kiu vor deren Mün-
dung, und an den Seen Oberer
und Niederer Kaban, die durch
den Kanal Bulak mit der Ka-
sanka verbunden sind, sowie an
der Eisenbahn Rjasan-K. (Dez.
1893 eröffnet). Sie liegt auf
mehrern Hügeln inmitten einer Ebene, die im Früh-
jahr weitbin überschwemmt wird. Den höchsten Teil,
an der Nordseite, links an der Kasanka, nimmt
der Kreml ein, der auch mehrere Kirchen, dar-
unter die Kathedrale der Verkündigung Maria
(1552 erbaut), den Sumbekaturm (80 in, benannt
nach einer tatar. Prinzessin), das Regierungsge-
bäude, den Palast des Gouverneurs umfaßt. Daran
fchlieht sich nach O. und S. die eigentliche Stadt mit
mehrern Vorstädten, dem Arsker Feld, der Kasan-
schen Schweiz (einer ausgedehnten Parkanlage,
bis 200 m Höhe). Im E. liegen die Alte und die
ißt, sind unter C aufzusuchen.