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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kasernenarrest - Kasimir
einer decentralisierten Kasernenanlage sind trotz des
größern Grund- und Bodenbedarfs da, wo derselbe
billig zu haben ist (also im allgemeinen außerhalb
der großen Städte), nicht höher als die einer centrali-
sierten, weil der Van mehrerer kleiner Gebäude sich
meist billiger stellt als der eines einzigen großen,
welches bedeutende Mauerstärken und oft kostspielige
Fundamentierung verlangt.
Die mit der baulichen Centralisation verbundenen
gesundheitlichen Nachteile lassen sich bis zu einem
gewissen Grade beschränken durch dasjenige, was
im Gegensatz zu der eigentlichen oder baulichen
Decentralisation als Decentralisation im
Innern bezeichnet werden kann. In fast allen
ältern K. dienen die Mannschastsstuben nicht bloß
als Wohnräume in dienstfreien Stunden und als
Schlafräume, sondern gleichzeitig zum Waschen,
Essen, Putzen u. s. w. Dadurch sind zahlreiche
Quellen für Luftverunreinigung gegeben, welcke
um so nachteiliger wirken, als der Luftwechsel in
centralisierten K. ihrer ganzen Anlage nach ohnehin
beschränkt ist. In neuern K. ist meist von vornherein
auf besondere Putz' und Speiseräume Bedacht ge-
nommen, in den K. des Königreichs Sachsen auch
auf befondere Wasch- und ^xhlafräume. überhaupt
stellen mehrere sächsische K., besonders in Dresdcn-
Albertstadt, den durchgebildetsten Typus centrali-
sierter K. dar, indem sie mit der angedeuteten De-
centralisation im Innern zweckmäßige Heizungs-
und Lüftungseinrichtungen, freie Höhenlage und
andere Vorzüge vereinigen. Eigenartig ist auch das
Barackenkasernement zu Leipzig-Gohlis, insofern
bei diesem zu der durch den Barackentypus gegebenen
baulichen Decentralisation die nämliche Decentrali-
sation im Innern (Trennung der Wohn- und Schlaf-
räume, Anlage befonderer Waschräume, Putzräume, !
Eßräume) hinzutritt. - Vgl. Fr. Richter, Gebäude
sür militär. Zwecke (im "Handbuch der Architektur",
4. Tl., 7. Zalbbd., Darmst. 1887).
Kasernenarrest, s. Hausarrest.
Kaferneninspektor, s. Inspektor.
nierung von Marinemannschaften in Reichskriegs- !
Häfen oder Kolonialhäfen bestimmt sind. !
Käsespirillen, eine Art der Batterien, die aus
altem Käse gezüchtet worden sind. Sie sind deshalb
interessant, weil sie große Ähnlichkeit mit den Cho-
lerabacillen haben und wie diese auf flüssigen Nähr-
böden häusig große schraubig gewundene bewegliche
Fäden (Spirillen) bilden. Beziehungen der K. zu
Krankheiten des Menschen, insbesondere zu Fällen
von Käsevergiftung, wurden noch nicht beobachtet.
Käfestoff, s. Casem.
Käfevergiftung, die nach dem Genuß von sehr
alten, in Zersetzung begriffenen Käfefortcn beobachte-
ten Vergiftungserscheinungen. Als Ursache wird ein
specifisches, aus dem Käse sich entwickelndes Gift,
das sog. Käsessi ft, angesehen, über dessen Ent-
stehung und Natur die Ansichten der Forscher noch
weit auseinandcrgehen. Vaughan stellte aus faulen-
dem Käse eine krystallinische, in Wasser, Alkohol
und Äther lösliche, bei 100° <^. flüchtige, scharf und
stechend schmeckende und deutlich torisch wirkende
Substanz dar, welche er Tyrotorikon nannte
und sür die eigentliche Ursache der K. hält. Andere
Forscher betrachten die massenhaft im faulenden
Käse sich entwickelnden Mikroorganismen, insbe-
sondere die versckiedenen Fäulnisbakterien, wieder
andere die in ranzigem Käse im Überschuß vor-
handenen freien Fettsäuren als Nrsache der ein-
tretenden Vergiftung; neuerdings führt man die
K. auf die Bildung von Ptomamen (s. d.) zurück.
Am häusigsten kommt die K. im nördl. Deutsch-
land (Mecklenburg, Pommern, Westfalen) sowie
in den Vereinigten Staaten von Amerika (Ohio,
Michigan) vor, wogegen sie in Frankreich trotz des
massenhaften Konsums weicher fetter Käsearten so
gut wie unbekannt ist. Das äußere Ansehen sowie
der Geruch und Geschmack des giftigen Käses lassen
oft durchaus nichts Abweichendes erkennen. In
andern Fällen dagegen wurde der Geschmack als
auffallend bitter und kratzend, der Geruch und die
chem. Reaktion als intensiv sauer hervorgehoben.
Die Symptome der K. treten mitunter schon nach
einer halben Stunde, gewöhnlich aber erst 1-2
Stunden als heftiger Brechdurchfall auf, wozu sich
Schwindel, Angst und Doppelsehen, Kopfschmerzen,
große Mattigkeit und Muskelschwächc gesellen. Die
Behandlung besteht in möglichst schneller Entfernung
des Giftes durch Magenausspülung, Vrech- und
Abführmittel sowie in der Darreichung stärkender
und anregender Mittel (Wein, Cognac, starker Kaf-
Käsi, s. Kadi. ^feeu.s.w.).
Kasiasker,Kasileschker oder Kadi-Asker,
Richter der Armee, ist der Titel eines im Range
gleich aus den Großmufti (s. Mufti) folgenden Be-
amten des Korps der Ulema (s. d.) in Konstan-
tinopel und zugleich höchsten richterlichen Würden-
trägers. Es giebt zwei K., nämlich den von Rume-
Uen und den von Anatolien. Die Befugnisse des
letztern sind im Laufe der Zeit sehr beschränkt wor-
den, während der K. von Rumelien die Nevisions-
instanz für sämtliche geistliche Gerichtshöfe derTürkei
bildet. Durch die neue Gerichtsordnung von 184?
hat die Stellung der K. viel an Einfluß verloren.
Kasi-Kumuch, Bezirk im südwestl.Teil des rnss.-
kaukas. Gebietes Dagestan, am nordöstl. AbHange
des Kaukasus und im Gebiet des Kasi-Kumuchischen
Koj-su, hat 2250,0 qkm, 51458 E., davon etwa
35000 Kasi-Kumuchen (s. Nogaier). Sie sind leiden-
schaftliche Anhänger des Islam (Sunniten), woher
ihr Name Kasi oder Gasi, d. i. Kämpfer für den
Glauben. Das Land ist ärmlich; viele Bewohner
gehen zeitweilig in die benachbarten Länder auf Er-
werb als Schwertfeger, Kupferschmiede, Tagelöhner
u. s. w. Sitz der Verwaltung ist im Dorf K. oder
Kumuch. - K. war bis 1820 ein selbständiges
Kasilefchker, s. Kasiasker. Khanat.
Kasimir, ein dünner und leichter geköperter Stoff
aus sehr feinem Streichwollgefpinst, öfters mit Kette
aus Kammgarn oder Baumwolle, der fchwächer ge-
walkt und weniger gerauht, aber fast ebenso kurz
geschert ist wie Tuch. K. wird glatt, gerippt und ge-
mustert, einfarbig und meliert hergestellt und als
Sommerstoff für männliche Kleidungsstücke, beson-
ders mit ausgepreßten Mustern versehen (gaufriert)
als Westenstoff verwendet, doch ist er in neuerer
Zeit vielfach durch die feinern Buckskins verdrängt.
Ein dichteres und festeres, stärker gewalktes und ge-
rauhtes Gewebe mit Kette und Einschlag aus Streich-
garn wird Doppelkafimir genannt.
Kasimir, eigentlich Kazimi erz, Name von vier
poln. Fürsten und Königen:
K. I. war der Sohn Mscislaws II. Als seine
Mutter Rira, Tochter des Pfalzgrafen bei Rhein,
welche nach Mscislaws Tode 1034 die vormund-
schaftliche Regierung übernommen hatte, vor dem
poln. Adel nach Deutschland fliehen mußte, ver-
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