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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Katechugerbsäure – Katharer

lichen, sehr leichten und daher auf Wasser schwimmenden Würfeln in den Handel. Den wirksamen Bestandteil aller dieser verschiedenen Sorten, die in der Heilkunde als zusammenziehende, blutstillende und fäulniswidrige Mittel sowie zu Zahntinkturen gebraucht werden, bilden zwei dem K. eigentümliche Stoffe, die Katechugerbsäure und die Katechusäure oder das Katechin (s. d.). Erstere verhält sich ähnlich wie die gewöhnliche Gerbsäure, wird aber durch Eisenoxydsalze nicht blauschwarz, sondern graugrün gefällt, ist in Wasser, Alkohol und Äther löslich und soll im K. bis zu 54 Proz. enthalten sein. Das K. ist geruchlos und schmeckt anfangs rein zusammenziehend, dann nicht unangenehm süßlich. Es wird als Gerbematerial in der Lederfabrikation, zur Erzeugung von Braun in der Baumwoll- und Wollfärberei und in der Pharmacie zur Bereitung der Katechutinktur (Tinctura Catechu, aus 1 Teil K. und 5 Teilen Spiritus) angewendet. Die Orientalen kauen es, gleich dem Betel, um das Zahnfleisch zu stärken und den Atemgeruch zu verbessern. Es wird zu diesem Zweck im östl. Asien, Ostindien, auf den ostind. und den Südsee-Inseln seit den ältesten Zeiten in großen Massen konsumiert. Deutschlands Einfuhr betrug 1892 67523 Doppelcentner im Werte von 3,24 Mill. M.

Katechugerbsäure, s. Katechu.

Katechumenat, s. Katechumenen.

Katechumenen (grch.), in der alten christl. Kirche die Gesamtheit derer, die im christl. Glauben Unterricht erhielten (s. Katechetik), aber die Taufe noch nicht erhalten hatten. Mit ihren Lehrern, den Katecheten, bildeten sie den Katechumenat. Sie wurden in verschiedene Klassen eingeteilt, nahmen beim Gottesdienst einen besondern Platz ein und durften bei Austeilung des Abendmahls nicht gegenwärtig sein. (S. Messe.) Das allgemeine Aufkommen der Kindertaufe brachte diese Einrichtung in Wegfall. Erst im Protestantismus bezeichnete man wieder als K. die jungen Christen, die durch Unterricht auf die Konfirmation (s. d.) und zur Zulassung zum Abendmahl vorbereitet wurden. Diesen Sinn hat das Wort noch gegenwärtig.

Katechumenenöl, s. Chrisma.

Katechupalme, s. Areca.

Katechusäure, s. Katechin.

Katechutinktur, s. Katechu.

Kategorie (grch.), eigentlich Weise der Aussage, Aussageform, ein von Aristoteles eingeführter Ausdruck für gewisse letzte oder Urbegriffe der Erkenntnis, denen alles irgendwie Denk- oder Aussagbare sich schließlich unterordnen muß. Aristoteles stellte als solche auf die Begriffe Substanz, Qualität, Quantität, Relation, Ort, Zeit, Wirken, Leiden, Lage (oder Verhalten) und Haben. Diese Zehnzahl ist willkürlich und Aristoteles selbst legt darauf kein Gewicht, So sind die beiden letzten K. offenbar nicht von gleich ursprünglichem Charakter wie die übrigen acht; Aristoteles selbst vernachlässigt sie meist. Aber auch die übrigbleibenden stellen, nach Auswahl und Anordnung, offenbar kein fertiges System dar; es gehört daher mit zu den Gedankenlosigkeiten der Scholastik, daß sie dies «System» der zehn K. von Jahrhundert zu Jahrhundert fortschleppte. Erst Kant unternahm es, die wahren Stammbegriffe des menschlichen Verstandes oder «reinen Verstandesbegriffe» nach einem Princip abzuleiten. Es sind nach ihm solche Grundbegriffe, die, als Ausdruck ebenso vieler ursprünglicher Funktionen der «synthetischen Einheit», in ihrem Verein die Möglichkeit oder Grundgesetzlichkeit der Erfahrung (d. i. des in Raum und Zeit Erkennbaren) darstellen. Eben damit sind sie zugleich die Grundfaktoren, aus denen der Gegenstand in der Erfahrung sich aufbaut, oder die Faktoren der Objektivierung der Erscheinungen. Sie und die aus ihnen abgeleiteten Grundsätze sind daher von gültiger Anwendung in den Grenzen möglicher Erfahrung, nicht aber, wenn man über diese Grenzen hinausgeht und nach den Dingen an sich fragt. Als Leitfaden zur Aufstellung seines Kategoriensystems benutzt Kant eine vierfache Einteilung der Urteile (der Quantität nach in allgemeine, besondere und einzelne, der Qualität nach in bejahende, verneinende und unendliche, der Relation nach in kategorische, hypothetische, disjunktive, der Modalität nach in problematische, assertorische, apodiktische); daraus ergaben sich dann zwölf K., unter denselben vier Titeln: Quantität, Qualität, Relation, Modalität geordnet: Einheit, Vielheit, Allheit; Realität, Negation, Limitation; Substantialität, Kausalität, Wechselwirkung; Möglichkeit, Wirklichkeit, Notwendigkeit. Auch dies neue Kategoriensystem und seine Ableitung ist sehr bestritten und in der That von Kant selbst nicht ausreichend begründet. Keiner der bisher versuchten Umgestaltungsversuche ist durchgedrungen. Doch besteht die Aufgabe unveränderlich fort, auch hat in jüngster Zeit namentlich H. Cohen (in «Kants Theorie der Erfahrung», 2. Aufl., Berl. 1885, und «Das Princip der Infinitesimal-Methode», ebd. 1883) viel zur Klärung und tiefern Begründung der einzelnen K. und entsprechenden Grundsätze beigetragen.

Kategorisch (grch.), eigentlich aussagend, dann bestimmt, unbedingt, gebieterisch. Ein kategorisches Urteil heißt bei den Logikern ein solches, in welchem das Prädikat vom Subjekt nur einfach (sei es bejahend oder verneinend) ausgesagt wird (A ist B oder A ist nicht B), im Unterschied vom hypothetischen und disjunktiven Urteil. Kategorischer Imperativ heißt bei Kant das Sittengesetz, sofern es ein unbedingtes, durch keinerlei Rücksicht auf sonstige Beweggründe (Lust oder Unlust) zu beugendes Soll ausspricht. Das Sittengesetz, will Kant sagen, gebietet nicht hypothetisch (bedingungsweise): sei gut, wofern du glücklich sein willst, sondern schlechthin, ohne einschränkende Bedingung.

Kategorisieren, in oder nach Kategorien (s. d.) teilen.

Katenen, s. Catenae.

Kater, das Männchen der Katze.

Kat’ exochen (grch. ϰατ' ἐξοχήν), vorzugsweise.

Kath (arab.), s. Kat.

Kathai, alter Name von China (s. d., Bd. 4, S. 190 b).

Katharer (grch., d. i. die Reinen), eine vom Ende des 10. bis zur Mitte des 15. Jahrh. in den meisten Ländern des südl. und westl. Europas unter verschiedenen Namen verbreitete Sekte. K. nannten sie sich selbst, weil sie die reine, ursprüngliche Lehre Jesu wiederherstellen wollten. Daraus ward in der Lombardei Gazzari, woraus das deutsche Wort Ketzer entstand. Wegen der Verwandtschaft ihrer Lehre mit der der Manichäer wurden sie häufig Manichäer genannt; wegen ihres ersten Auftretens in Bulgarien hießen sie Bulgaren, woraus das franz. Schimpfwort bougre entstand. In Italien hießen sie Patarener oder Patariner, Publikaner oder Popelitaner, in den Niederlanden Piphles. Zuerst finden sie sich gegen Ende des 10. Jahrh. unter den slaw. Völkern der Balkanhalb-^[folgende Seite]

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