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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kaukasus

Gesteinsformen sind hier hauptsächlich sedimentär: Thonschiefer, Sandstein u. s. w., während vulkanisches Gestein äußerst selten vorkommt. Unter den Pässen dieser Strecke sind am leichtesten passierbar: der Kodor (2834 m) und der Sazchenispaß, beide nach Kachetien führend, sowie der Gudurpaß (3084 m), von Sakataly zum Oberlauf des Samur, und die Salawat-Achtistraße. Alle diese Pässe sind ungemein steil, die schmalen Pfade führen in unendlichen Zickzacklinien an schauerlichen Abgründen vorbei, in welchen tief unten die wilden Wässer tosen. – 6) Der sechste Teil des Gebirges (etwa 170 km) heißt der Kaspische oder Schemachinsche K., vom Babadagh nach SO. zur Halbinsel Apscheron. Dieser Kaspische K. nimmt sehr schnell an Höhe ab, sodaß er überall unterhalb der Schneelinie liegt. Der Alti-Agatschpaß, welcher von Kuba nach Schemacha führt, hat nur noch eine Hohe von 1327 m. Westlich vom Babadagh bauen sich am Südabhange des Gebirges nach Art von Strebemauern ziemlich lange Grate auf, welche zuerst bei sehr steilem Abfall eine beträchtliche Höhe ausweisen, aber dann südlich von der Stadt Schemacha niedrige Hügelketten bilden. Diese Ketten werden unter dem Namen Baku- oder Schemachagebirge zusammengefaßt. – Auf der ganzen Strecke vom Borbalo zum Babadagh stoßen nach S. sehr steile und verhältnismäßig kurze Ausläufer vor, welche die Thäler des Alasan und Agri-tschai bilden. Vom Borbalo gehen ebenfalls nach S. zwei mächtige Grate, die Wasserscheiden zwischen der Pschawischen Aragwa und der Jora und zwischen der Jora und dem Alasan; beim Sikaraberg setzt unter einem spitzen Winkel der Ratschakamm ein. Auf der Westseite des Hauptkamms beim Berge Pasis-Mta zweigt die Swanetische Kette nach W. ab. Ihr höchster Gipfel ist der Dadiasch (3122 m). Diese Kette bildet die Grenze zwischen dem Freien und dem Dadianischen Swanetien. Zwischen dem Swanetischen Gebirge und dem Hauptkamm wiederum liegt das gletscherreiche Längenhochthal des Ingur. Dieses Thal, bekannt unter dem Namen «Hochswanetien», erstreckt sich etwa 127 km in die Länge und etwa 42 km in die Breite. Die Schneelinie ist nach den Forschungen des Generals Stebnizkij 2926 m im Westkaukasus, 3230 m im mittlern und 3720 n im östl. Teil (hier haben nur der Schalbus-Dagh, 4169 m, und der Schach-Dagh, 3788 m, ewigen Schnee). Daher ist auch der östliche K. arm an Gletscherbildungen. Diese Verschiedenheit ist veranlaßt einerseits durch die Nähe des Schwarzen Meers, welche eine Menge von Niederschlägen im westl. Teil mit sich bringt, während im O. die Nachbarschaft der heißen transkaspischen Steppen die Schneelinie weiter hinaufrückt. Ebenso ist infolge der trocknen Winde, welche aus Südrußland kommen, die Linie des ewigen Schnees am Nordabhang allenthalben um 300–450 m höher als am Südabhang. Die Schneemassen und die Ausdehnung der Gletscher sind im K. verhältnismäßig gering. Im allgemeinen ist der K. verhältnismäßig arm an Wasser, es fehlen die großen Alpenseen der Schweiz fast gänzlich, reicher an Seen ist der Kleine K. (Goktscha, Toporawan, Tabiszchur). Die bedeutendsten Bergwässer vereinigen sich fast sämtlich in fünf Hauptflüssen: Kuban und Rion im Gebiet des Schwarzen Meers; Kura, Sulak und Terek im Gebiet des Kaspischen Meers. Im N. des K. breiten sich wellige Ebenen aus wie die stawropolsche, kubansche, kabardinsche, wladikawkassche und tschetschensche, dahinter liegen die nordkaukas. Steppen, durch die niedrigen Hügelketten, welche den Terek nach O. und den Kuban nach W. lenken, von den Ebenen getrennt. Diese Steppen gehen weit hinter der Kuma auf der einen Seite in die Sandsteppen von Astrachan und auf der andern Seite hinter dem Manytsch und Eik in die Niederungen des Don über. Man kann dieses ganze Steppengebiet in ein westliches, das stawropol-asowsche (480 km größte Länge und 200 km größte Breite, von Taman bis zum Manytsch), und ein östliches oder kaspisches (von W. nach O. etwa 240 km, von S. nach N. etwa 170 km, zwischen Terek, Manytsch und Kuma) teilen. Ersteres hat mehr Schwarzerde, ist ziemlich bewässert und deswegen auch mehr bevölkert, während das zweite vorzugsweise sandige, teilweise wasserlose Einöden bildet, in welchen Kalmücken, Nogaier und Turkmenen nomadisieren. Die hier ziemlich zahlreichen Seen enthalten alle Bittersalz. – Am Ostabhang des Großen K. läuft eine schmale Niederung, 10–30 km breit, längs des Kaspischen Meers hin, welche stellenweise fruchtbar ist (bei Derbent), stellenweise auch mit Wald bedeckt, ein dritter Teil ist sandig und unfruchtbar.

II. Der Kleine Kaukasus, 38° 52′ bis 42° 8′ nördl. Br. und 59° 34′ bis 65° 17′ östl. L., umfaßt das Gebirgssystem, welches sich zwischen der Kura und den Steppen ihrer Niederung einerseits und dem Aras andererseits ausdehnt. Dieses Gebirge läuft dem Großen K. parallel und trennt die Niederungen und Steppen der Kura von den Hochplateaus und Bergen Armeniens. Es ist etwa 530 km von NW. nach SO. lang und bis über 200 km breit. Der Kleine K. hängt mit dem Großen K. zusammen durch das Meschische oder Grusinisch-Imeretinische Gebirge, der Wasserscheide zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meer. Mit diesem Meschischen Gebirge verbindet sich die längste Bergkette des Kleinen K., welche vom Schwarzen Meer bis Tiflis hinzieht. Sie wird von der Kura in der malerischen Schlucht von Borschom durchbrochen. Hier teilen sich die Achalzychschen und Adscharischen Berge (bis 3050 m), welche sich bis zum Schwarzen Meer fortsetzen, und das östliche, Trialetische Gebirge. Erstere bilden mit dem Meschischen Scheidegebirge zusammen den Paß von Suram (922 m hoch), über welchen die Transkaukas. Eisenbahn führt. Seit einigen Jahren ist ein Tunnel unter dem Paß gebohrt. 30–40 km südlich vom Trialetischen Gebirge und durch einen vulkanischen Grat mit demselben verbunden, ziehen parallel verschiedene Ketten, mit welchen der Alagös (türkisch, d. i. buntes Auge, 4154 m hoch, ein erloschener Krater; der Gipfel ist sehr steil, daher schneefrei) im S. nur in leichtem Zusammenhang steht. An seinem Abhang liegen mehrere Seen. Die alten Laven bilden einen Radius von 200 km über den Aras hinaus bis Kars und Alexandropol. Südlich vom Alagös erheben sich auf einem Hochplateau von 1000 m Höhe die vulkanischen Kegel des Großen und Kleinen Ararat.

Obgleich die Vulkane im K. erloschen sind, so ist ein Fortarbeiten der unterirdischen Kräfte immer noch zu bemerken in den heißen Schwefelquellen, Naphthabrunnen, Schlammvulkanen und verhältnismäßig zahlreichen Erdbeben. Von W. nach O. liegen die heißesten und reichlichsten Mineralquellen in Ciskaukasien im Terek- und Sunschabassin sowie in Transkaukasien die heißen Quellen von Tiflis,

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]