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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kent (Grafen und Herzöge) – Kent (William)

Südostecke der Insel, hat 4028,06 qkm und (1891) 1 142 281 E., d. i. 283 auf 1 qkm und gegen 1881 eine Zunahme von 16,8 Proz. Der größte Teil des Landes ist ein fruchtbares Hügelland mit gut bewaldeten Thälern. Die bei Westerham 247 m hohe Kreidekette der nördl. Downs (s. d.) tritt von Surrey ein und erstreckt sich ostwärts bis Dover und Folkestone. Nördlich gegen die Themse hin lagert Thon auf der Kreide, und an der Küste kommen ausgedehnte Marschen vor, besonders an der Vereinigung der Themse und des Medway auf der Insel Sheppey (82 qkm) und einem Teile der Insel Thanet, welche jetzt nur noch durch einen Flußkanal vom Festlande getrennt ist und deren äußerste Spitze das Kap North-Foreland bildet. Der Kalkkette parallel läuft südlicher die Ragstone-Range, aus Kreidemergel und Grünsand bestehend. Zwischen beiden Hügelreihen liegt der fruchtbare Landstrich Holmsdale und südlich von ihnen der jetzt angebaute Walddistrikt (the Weald). Im S. umschließt der Grand-Militarykanal die Romney-Marsh. Zum Kanal fällt das Land in steiler Kreideküste ab. Die breite Mündung des Medway mit Sheerneß am Eingange und Chatham im Hintergrunde bildet einen geräumigen und sichern Hafen. Vor Deal liegen die gefährlichen Sandbänke Goodwin-Sands (s. d.). Wichtig ist Dover. Nächst der Themse sind die bedeutendsten Flüsse der fischreiche Medway, der Darent und der Stour. An der Küste liegen Seebadeorte, wie Margate, Ramsgate, Folkestone und Hythe. Das Klima der Grafschaft ist gesund; nur in den Marschen kommen Fieber vor. Es gedeihen alle Getreidearten, namentlich Weizen. Gemüsebau wird in der Nähe von London betrieben. Die Gegenden von Maidstone und Canterbury, der fruchtbarste Teil, sind Londons Obstgarten; Hopfen gedeiht namentlich bei Rochester. Man zieht Rinder und Schafe; die Landwirtschaft ist die wichtigste Erwerbsquelle, daneben Fischerei und der Austernfang (Whitstable); die Industrie ist nur unbedeutend. Sehr dicht ist das Bahnnetz mit dem Mittelpunkt Ashford.

K. wird seit alter Zeit in fünf Lathes eingeteilt, deren jeder früher seinen eigenen Gerichtshof hatte. Einzelne Teile erfreuen sich noch jetzt gewisser Freiheiten, wie die Erzbischofsstadt Canterbury und Rochester, Maidstone, die jetzige Hauptstadt, die Liberty der Romney-Marshes und die Cinque Ports (s. d.). Fast mit London verwachsen sind Woolwich, Lewisham und Greenwich. Die Grafschaft sendet 8 Abgeordnete ins Parlament, 15 die Städte. – Wegen seiner Lage zunächst dem Kontinent hat K. von jeher für den Schlüssel Englands gegolten. Cäsar fiel zuerst in das Land Cantium ein, und das Königreich K. (Cantia oder Cantwara) war 449 die erste Gründung der Angelsachsen. – Vgl. Bevan, Handbook to the County of K. (4. Aufl., Lond. 1882).

Kent, engl. Grafen- und Herzogstitel. – Edmund von Woodstock, Graf von K. (1301–29), jüngster Sohn König Eduards I., unterstützte 1327 die Königin Isabella bei der Entthronung ihres Gatten, Eduard II., trat dann zu den Unzufriedenen gegen Isabella und ihren Günstling Mortimer über und büßte seine Haltung mit dem Tode (1329). Später wurde seinem ältesten Sohne Edward der Titel eines Grafen von K. wieder zugesprochen; ihm folgte 1333 sein Bruder John, und nach dessen erbelosem Ausgang brachte seine Schwester Johanna 1360 die Grafenwürde ihrem ersten Gatten Thomas, Lord Holland (gest. 1360), zu. Dessen Enkel Thomas, Graf von K., wurde von Richard II. 1397 zum Herzog von Surrey erhoben. Er nahm an der ersten Erhebung gegen Heinrich IV. teil (1400) und kam dabei um. Mit seinem Bruder Edmund erlosch 1408 die Würde, sie wurde erst 1461 für William Nevill, Lord Fauconberg, erneuert und nach dessen Tod 1465 auf Lord Edmund Grey von Ruthyn übertragen. Der elfte Graf von K. in der Familie Grey, Henry, wurde 1706 zum Marquis und 1710 zum Herzog von K. erhoben, starb aber 1740 ohne männliche Erben.

Eduard, Herzog von K., geb. 2. Nov. 1767, vierter Sohn König Georgs III. und Vater der Königin Victoria, trat früh in die Armee, diente in Gibraltar und Canada und wurde 1799 Herzog von K. und Strathern und Feldmarschall. Wegen seiner dauernden Geldverlegenheit mußte er 1816 nach Brüssel gehen, wo er in größter Eingeschränktheit lebte. Nachdem er sich 1818 mit Victoria, verwitweten Fürstin von Leiningen (s. unten), vermählt, wohnte er in Amorbach am Odenwald, kehrte aber kurz vor der Geburt seiner Tochter wieder nach England zurück und lebte zu Sidmouth in Devonshire, wo er 23. Jan. 1820 starb. (Vgl. Erskine Neale, Life of Edward Duke of K., 2. Aufl., Lond. 1850.)

Seine Gemahlin Maria Louise Victoria, Herzogin von K., geb. 17. Aug. 1786 als Tochter des Herzogs Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld, durch Schönheit und Geist ausgezeichnet, heiratete in erster Ehe 1803 den Erbprinzen Karl von Leiningen-Amorbach, der schon 1814 starb. Mit ihrem Sohne lebte sie dann in Amorbach oder in Coburg, wo sie den Herzog von K. kennen lernte, der sich 1818 mit ihr vermählte. Nach seinem Tode bezog sie mit ihrer Tochter Victoria, der wahrscheinlichen Thronerbin, den Kensington-Palast und wurde für den Fall, daß ihre Tochter unmündig zum Throne gelangen sollte, zur Regentin bestimmt. Sie lebte nach Victorias Regierungsantritt an deren Hof und starb 16. März 1861 zu Frogmore bei Windsor.

Die Königin Victoria erhob 24. Mai 1866 ihren zweiten Sohn Alfred, den jetzigen Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, zum Grafen von Ulster und K. und Herzog von Edinburgh. – Den Titel Herzog von K. erhielt später ihr Enkel, Prinz Georg, der zweite Sohn des Prinzen von Wales (s. Albert Eduard).

Kent, James, amerik. Jurist, geb. 31. Juli 1763 zu Philippi im County Putnam (Neuyork), trat 1785 in Poughkeepsie am Hudson in die jurist. Praxis und gewann großen Ruf als Anwalt und Politiker. Von 1793 bis 1798 war K. Professor der Rechte am Columbia College und von 1798 bis 1814 Oberrichter des Staates Neuyork. 1814 wurde er zum Kanzler ernannt und trat 1823 in die vom Volke gewählte Versammlung zur Revision der Staatsverfassung ein. Später widmete sich K. ausschließlich seiner Lehrthätigkeit am Columbia College und arbeitete hier seine berühmten «Commentaries upon American Law» (4 Bde., Bost. 1826–30; 13. Aufl. 1884) aus. K. starb 12. Dez. 1847 in Neuyork. Vgl. J. Duer, Discourse on the life of J. K. (Neuyork 1848).

Kent, William, Begründer des neuern engl. Gartenstils, geb. 1684 in Yorkshire, war erst Maler, widmete sich später der Baukunst (Tempel der Venus zu Stowe und der Palast des Grafen von Leicester

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