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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kerensk – Kerl

Kerénsk. 1) Kreis im westl. Teil des russ. Gouvernements Pensa, wellige Landschaft mit Schwarzerde, hat 2704,6 qkm, 106049 E., darunter 30000 Meschtscherjaken; Ackerbau, Viehzucht, Tuch-, Pottaschefabriken und Ölmühlen. –

2) Kreisstadt im Kreis K., am Wad (durch die Mokscha zur Oka gehend), hat (1892) 10931 E., Post, Telegraph, 4 Kirchen, 1 Nonnenkloster und Holzhandel.

Kerét, eigentlich Keretj, See im Kreis Kem des russ. Gouvernements Archangelsk, 120 km nordnordwestlich von Kem, 250 qkm groß. Sein Abfluß K. mündet nach 55 km östlich in die Kantalachtibucht des Weißen Meers. Beide K. führen Perlmuscheln.

Kerfe, s. Insekten.

Kerfjäger, soviel wie Insektenfresser.

Kerftiere, s. Insekten.

Kerguelenland (spr. kärrg’len-) oder Desolationinsel, franz. Inselgruppe im südl. Indischen Ocean zwischen 48°39′ und 49°44′ südl. Br. und 68°42′ bis 70°35′ östl. L. von Greenwich, hat 3414 qkm, tiefe, an Häfen reiche Fjords und steile Küsten. Die größten Häfen sind Cristmas Harbour an der nördl., Royal Sound an der südl. Küste. Der Bau ist vulkanisch; auch will man auf der Südseite Spuren eruptiver Thätigkeit gefunden haben. Die Berge (Mount-Roß 1865 m, Mount-Richards 1220 m) sind von Gletschern bedeckt. Die Scenerie ist großartig, Flüsse und Seen durchfurchen die Oberfläche. Steinkohlen kommen vor. In der aus Kräutern und Gräsern, Moosen und Flechten zusammengesetzten Flora spielt der Kerguelenkohl (Pringlea antiscorbutica W. Anderson et R. Br.), eine Krucifere, eine Rolle und steigt bis 700 m hoch am Mount-Crozier (991 m) hinan. Ende Oktober beginnt die Blütezeit der meisten Pflanzen im Thal, und im Januar rückt die Schneegrenze von 600 m auf 900 m in die Höhe, sodaß nur noch die höchsten Kämme und Zacken schneebedeckt bleiben. Überreich ist die Inselgruppe an Seelöwen, Rüsselrobben u.a.m., an Pinguinen, Albatrossen, Kormoranen, Sturmvögeln und andern Seevögeln. Landtiere sind durch eine Anzahl Rüsselkäfer, einen einzigen Eulenschmetterling und durch einige Fliegen vertreten; diese Tiere sind sämtlich unfähig zu fliegen. K. ist unbewohnt. Die Inseln wurden 1772 von Kerguelen Tremarec entdeckt, 1776 landete Cook, der den insularen Charakter feststellte. 1874 befanden sich auf K. deutsche, engl. und amerik. Stationen zur Beobachtung des Venusdurchgangs. 1893 wurden die Inseln von Frankreich in Besitz genommen. Ausführliche Nachrichten über K. enthalten die Reisewerke von Cook, James C. Roß und die von der Gazelle- und der Challenger-Expedition, sowie Hookers Flora antarctica.

Kerguelen Tremarec (spr. kärrg’len -réck), Ives Joseph de, franz. Seemann, geb. um 1745 zu Quimper in der Bretagne, wurde 1771 mit einer Expedition nach Isle-de-France beauftragt, auf welcher er 13. Febr. 1772 Kerguelenland (s. d.) entdeckte. Nach einer zweiten Entdeckungsreise 1773 wurde er angeklagt, eine Abteilung seiner Mannschaft absichtlich auf einer unwirtbaren Insel zurückgelassen zu haben, und mit Gefängnis bestraft, obgleich er nachwies, daß jene Mannschaft gerettet worden war. Später machte er noch einige Seereisen und wurde in der Schreckenszeit verhaftet und nachher verabschiedet. Er starb 1797. Außer mehrern Seekarten veröffentlichte er «Relation d’un voyage dans la mer du nord» (Par. 1771; deutsch Lpz. 1772), ↔ «Relation de deux voyages dans le mers australes et les Indes» (ebd. 1782), «Relation des combats et des événements de la guerre maritime de 1778 entre la France et l’Angleterre» (ebd. 1796).

Kerim Pascha, s. Abd ul-Kerim Pascha.

Kerinthos, Gnostiker, s. Cerinthus.

Kerka, bei den alten Geographen Titius, Fluß in Dalmatien, entspringt aus einer Felsenhöhle unweit der bosn. Grenze und fließt, mit mehrern Bächen vereinigt, zuerst von O. nach W., hierauf von N. nach S. bis 5 km oberhalb von Scardona, wo er sich zum See erweitert und links die Cikola aufnimmt, dann nach W. zum Meere, das er bei Sebenico erreicht. Die K. ist 60 km lang, durchschnittlich 40 m, bei Scardona aber 300 m breit, von da an 6–7 m tief und stürzt in 5 Absätzen herab. Von der Mündung bis zum Wasserfall bei Scardona wird sie mit Segelschiffen befahren. Sie bildet bei Knin einige Sümpfe, bei Babadol den ersten Katarakt, durchzieht dann den wüsten, mit Steinblöcken übersäeten Landstrich «Bukovica» und bildet bei Mailanović den ersten, bei Scardona den zweiten großen Wasserfall (16 m), einen der schönsten Europas.

Kerkenahinseln, Inselgruppe an der Nordküste Afrikas, die Kleine Syrte im N. begrenzend, zu Zeiten des Skylax noch eine Insel, bedingt die Sicherheit des Hafens von Sfax (30 km im W.). Die 12000 E. treiben Fischfang, Korallenfischerei sowie Fabrikation von Matten und Körben aus Esparto.

Kerkerbachbahn, s. Hessische Eisenbahnen 2.

Kerkertyphus, s. Flecktyphus.

Kerkōpen (d. i. Schwänzlinge), in der griech. Sage diebische, wegelagernde, neckische Kobolde. Das Märchen von ihnen war an vielen Orten Griechenlands und Kleinasiens verbreitet, insbesondere aber am Öta und den Thermopylen heimisch, hier wie anderwärts in Verbindung mit Herakles, so schon in einem alten Gedicht, das dem Homer beigelegt wurde. Obwohl von ihrer Mutter vor Herakles gewarnt, wagten sie (Olos und Eurybatos) sich doch auch an ihn, nachdem sie dem schlafenden Helden die Waffen geraubt hatten. Dieser ergriff sie und hing sie an einem Tragebalken über seine Schultern, gab sie aber, durch ihren Galgenhumor erheitert, bald wieder frei. Eine altertümliche Metope vom Tempel in Selinus (jetzt im Museum zu Palermo) zeigt eine Darstellung dieses Abenteuers.

Kerkuk, das Corcura der Alten, offiziell Schechr-Zor oder Sul, Stadt in der asiat. Türkei, im Wilajet Mosul, 224 km im N. von Bagdad, nahe den Quellen des Adhem, mit etwa 15000 E., meist Kurden, zu einem Drittel christl. Chaldäer, hat verfallene Mauern, eine Citadelle, 3 kath. Kirchen und 3 Klöster; in einer der Moscheen wird der berühmte Sarkophag des Daniel und der hebr. Kinder gezeigt. Töpferei, Gerberei, Kattunfabrikation, Handel und Weinbau sind die Erwerbszweige.

Kerkȳra, griech. Insel und Stadt, s. Korfu.

Kerl, Georg Heinr. Bruno, Metallurg, geb. 24. März 1824 zu St. Andreasberg, besuchte die königl. Bergschule (später Bergakademie) daselbst und studierte zu Göttingen Chemie, Technologie und Mineralogie. 1846 wurde er Docent an der Bergschule, 1858 Bergamtsassessor und 1862 Professor in Clausthal. 1867 wurde K. als Docent der Hüttenkunde, Probierkunst und chem. Technologie an die Bergakademie nach Berlin berufen, 1870–92 war er Mitglied der technischen Deputation für Gewerbe, 1877–85 Mitglied des kaiserl. Patentamtes

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 304.

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