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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kermadecinseln – Kern (Heinr.)

daselbst. K.s bedeutendstes Werk ist das «Handbuch der metallurgischen Hüttenkunde» (3 Bde., Freiberg 1855-56; 2. Aufl., 4 Bde., ebd. und Lpz. 1861–65). Unter seinen übrigen Schriften sind hervorzuheben: «Der Oberharz, ein Wegweiser beim Besuche der Oberharzer Gruben» (Clausth. 1852), «Der Kommunion-Unterharz, ein Leitfaden für den Besuch des Rammelsbergs» (Freiberg 1853), «Anleitung zum Studium der Harzer Hüttenprozesse» (Clausth. 1857), «Die Oberharzer Hüttenprozesse zur Gewinnung von Silber u. s.w.» (2. Aufl., ebd. 1860), «Die Rammelsberger Hüttenprozesse» (2. Aufl., ebd. 1861), «Grundriß der Salinenkunde» (Braunschw. 1868), «Repertorium der technischen Litteratur» (Lpz. 1871 fg.), «Grundriß der Eisenhüttenkunde» (ebd. 1875), «Grundriß der Eisenprobierkunst» (ebd. 1875), «Leitfaden bei qualitativen und quantitativen Lötrohruntersuchungen» (2. vermehrte Aufl., Clausth. 1877), «Handbuch der Thonwarenindustrie» (2. Aufl., Braunschw. 1870), «Grundriß der allgemeinen Hüttenkunde» (2. Aufl., Lpz. 1879), «Probierbuch» (ebd. 1880; 2. Aufl. 1894), «Grundriß der Metallhüttenkunde» (2. Aufl., ebd. 1881), «Metallurgische Probierkunst» (2. Aufl., ebd. 1882), «Fortschritte in der metallurgischen Probierkunst in den J. 1882–87» (ebd. 1887). Mit Stohmann bearbeitet er Muspratts «Chemie in Anwendung auf Künste und Gewerbe» (4. Aufl., Braunschw. 1886–88). Seit 1859 ist K. Mitredacteur der «Berg- und Hüttenmännischen Zeitung».

Kermadecinseln (spr. -deck-), Inselgruppe im Großen Ocean, zwischen der Nordinsel Neuseelands und den Tonga-Inseln, mit einer Fläche von 55 qkm, wurde 1886 von den Briten in Besitz genommen. Raoul und Macaulay sind fruchtbar, Curtis, Havre und Esperance nur Felsenriffe. Ein Versuch, die Inseln zu kolonisieren, welcher 1889 von Neuseeland aus gemacht wurde, scheiterte, da die Ansiedler nach kurzer Zeit dem Hungertode nahe waren.

Kerman oder Kirman, im Altertum Karmania. 1) Die südöstl. Provinz Persiens, zwischen Seistan und Belutschistan im O., Farsistan im W., Chorassan und Irak-Adschmi im N., gehört im N. der centralen Salzwüste (Wüste Lut) an; der südl. Teil ist Bergland, durch den Koh-rud gebildet, welcher die Provinz quer durchzieht. Den Südwesten bilden Randketten wie Baschkerd-Koh u. a. Das Sarhadd-Hochland vermittelt den Übergang nach Belutschistan. Wo die Südküste nach N. und NW. umbiegt, entsteht ein schmaler Küstenstrich, der mit den dahinter aufsteigenden Stufen Mogistan, d. h. Dattelland, genannt wird. Das Klima gilt für ungesund; indes sind einige Striche in Narmaschir so gesund wie Schiras. Hauptprodukte sind Baumwolle, Weizen, Gerste, Gummi, vorzügliche Datteln, Schaf- und Ziegenwolle. Der Teil östlich von der Straße vom wichtigen Hafenort Bendarabbas (s. d.) nach K. ist von geringer Bedeutung und sehr spärlich bewohnt. – 2) Hauptstadt K., die größte Stadt in Südostpersien, liegt in 1686 m Höhe, im S. der Wüste, hat 45 000 E., Mohammedaner, und zwar Perser (Tadschiks), Kurden, Hindu und Armenier sowie 1500 Parsen, zahlreiche Moscheen, Bäder und Bazare. Man verfertigt Seidenstoffe, namentlich Atlas, Shawls aus Schafwolle und namentlich aus Ziegenhaaren, Wolldecken und Teppiche. K. ist Knotenpunkt mehrerer Karawanenstraßen, von denen die nach Herat und Kandahar den pers. Handel mit Indien, die nach W. und S. gerichteten den Verkehr mit Schiras und dem Persischen Golf vermitteln.

Kermanische Dynastie, s. Seldschuken.

Kermanschah oder Kermanschahan (arab. Karmisin), Hauptstadt der pers. Provinz Ardilan, am westl. Ufer eines Nebenflusses des Gamas, in 1470 m Höhe an einem Bergabhange emporgebaut und von verfallener Backsteinmauer eingeschlossen, hat etwa 32 000 E. Man verfertigt Teppiche und Waffen, treibt Obst- und Weinbau; besonders wird Opium gewonnen. K. ist wichtig durch seine Lage an der Hauptstraße von Hamadan nach Bagdad; Zweige gehen nach Täbris im N. und nach Disful im S. Merkwürdig sind die alten Baureste in der Umgegend. (S. Bisutûn.)

Kermes (arab.), Kermeskörner (Grana kermes), auch Scharlachkörner genannt, die erbsengroßen trächtigen Weibchen der Kermesschildlaus (Lecanium ilicis L.), die durch Anbohren und Aussaugen der im südl. Europa und im Orient einheimischen Kermeseiche (Quercus coccifera L.) sich ernährt. Man sammelt die Weibchen gegen Ende des Monats Mai ein, tötet sie und bringt sie in getrockneter Gestalt unter dem Namen von K. in den Handel, weil sie namentlich früher (vor dem Bekanntwerden der roten Teerfarben) in der Färberei zur Hervorbringung eines bräunlichen Dunkelrots und zur Bereitung einer geringern Sorte von Karmin benutzt wurden. K. kosten (1892) im Großhandel 13 M. das Kilogramm. Nicht zu verwechseln mit diesem Farbstoff sind die Kermesbeeren (s. Phytolacca).

Kermes, mineralischer (Kermes minerale), s. Antimonsulfür.

Kermesbeere, s. Phytolacca.

Kermeseiche, s. Eiche (Bd. 5, S. 762 a).

Kermeskörner, Kermesschildlaus, s. Kermes.

Kern, im gewöhnlichen Leben Bezeichnung für die im Innern einer Fruchthülle liegenden Samen, wie Kirschkern, Nußkern u. s. w., bei Bäumen soviel wie Kernholz (s. Holz, Bd. 9, S. 304 a). In der Gießerei ist K. derjenige Teil der Form, der bei Anfertigung nicht völlig massiver Gußstücke zur Erzeugung der Hohlräume dient. Gewöhnlich wird erst die eigentliche Gußform (s. d.) hergestellt und dann der K. oder die Kerne eingelegt, oder es wird, wie dies meist beim Statuen- und Glockenguß geschieht, zunächst der K. aufgebaut und um denselben die eigentliche Form gelegt. Bei einer Schraubenspindel nennt man K. den Cylinder an sich, ohne die über ihn hervorragenden Gewindegänge; bei Röhrenpressen ist K. soviel wie Dorn (s. d.). Beim Pferd ist K. gleichbedeutend mit Kennung (s. Pferd); ferner wird K. der dichtere Teil im Kopf der Kometen (s. d.) genannt; endlich ist K. auch soviel wie Rahm (fette Milch), über den K. der Zelle s. d.

Kern, Heinr., niederländ. Indolog und Sprachforscher, geb. 6. April 1833 auf Java, ward in Holland erzogen, widmete sich auf den Universitäten Leiden und Berlin namentlich dem Studium des Sanskrit, war 1858–62 Lehrer am Mastrichter Athenäum, begab sich dann nach London und von da 1863 nach Benares als Professor am dortigen Sanskritkolleg. 1865 wurde er als Professor nach Leiden berufen. Von seinen Arbeiten auf dem Gebiete des Sanskrit sind zu nennen: die Ausgabe des astrolog. Werkes «Brihat-Samhitâ» von Varâhamihira (Kalkutta 1865), von dem 1870 fg. eine engl. Übersetzung erschien; die Ausgabe des «Âryabhatîya with the commentary Bhatadipikâ»

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