Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

307

Kernsdorfer Höhe – Kertsch

Kernsdorfer Höhe, der höchste Gipfel (313 m) der preuß. Provinz Ostpreußen, liegt etwa 15 km südlich von Osterode auf der ostpreuß. Seenplatte.

Kernseife, s. Seife.

Kernstützen, s. Formerei (Bd. 6, S. 978 b).

Kerntheorie, eine von Laurent 1836 veröffentlichte Anschauung über die Natur der organisch-chem. Verbindungen. Nach ihr liegen ihnen aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehende Stammkerne zu Grunde, aus denen die übrigen organischen Verbindungen entweder infolge Anlagerung anderer Elemente oder infolge Substitution von Wasserstoffatomen durch andere Elemente oder durch zusammengesetzte Radikale, wie Amid, Nitryl u. s. w., hervorgehen. Durch diese Substitutionen entstehen die abgeleiteten Kerne. Die K. fußt vor allem auf den Thatsachen der Substitution und sieht den «Kern» als das die Eigenschaften der Verbindungen im wesentlichen Bestimmende, die Veränderungen, die der Kern durch Substitutionsvorgänge erleidet, als das weniger Wichtige an und will damit eine rationelle Klassifikation der organisch-chem. Körper erreichen. Sie hat nie allgemeine Zustimmung gefunden, doch wurde sie von Gmelin der Bearbeitung des organischen Teils seines großen Handbuchs zu Grunde gelegt.

Kerntuch, s. Tuch.

Kernumwallung, s. Festungen I.

Kernwerk, in der permanenten Befestigung Bezeichnung für größere Reduits, die namentlich in der Neupreußischen Befestigungsmanier vorkommen.

Kero, Mönch in St. Gallen, der eine noch erhaltene Interlinearversion der Benediktinerregel und die sog. Keronischen Glossen (lat.-deutsches Wörterbuch) um 750 verfaßt haben soll.

Keroselēn, s. Petroleumäther.

Kerpe, türk. Insel, s. Karpathos.

Kerrĭa. DC., Pflanzengattung aus der Familie der Rosaceen (s. d.), Abteilung der Spiräeen, mit nur einer Art, einem Strauch aus Japan (K. japonica. DC.), der zu einem der verbreitetsten und beliebtesten Ziersträucher der Gärten geworden und in Deutschland unter dem Namen Goldröschen und Goldnessel, japanische Frühlingsrose, Judenpappel bekannt ist. Der Strauch, der in jedem Boden ohne besondere Pflege gedeiht, hat rutenförmige, grüne Stämmchen und Zweige, eiförmige, gesägte Blätter und schön goldgelbe Blumen, die bei dem kultivierten Strauch gewöhnlich gefüllt sind, beim wilden aus einer fünfblätterigen Blumenkrone bestehen. Die Vermehrung wird leicht durch Ausläufer oder krautartige Stecklinge bewirkt.

Kerry, die südwestlichste Grafschaft Irlands, in der Provinz Munster, zwischen der Mündung des Shannon, den Grafschaften Limerick und Cork und dem Atlantischen Ocean, hat 4799,07 qkm und (1891) 179 136 E., gegen 201 039 im J. 1881 und 294 095 im J. 1841. K. ist, namentlich im südl. Teile, eine der gebirgigsten Gegenden Irlands, reich an Naturschönheiten. Der Mangerton im Süden der Stadt Killarney ist 840 m hoch und trägt auf seiner Spitze einen kleinen See, des Teufels Punschbowle (Devil’s Punch Bowl) genannt. Die westlichern Macgillycuddys-Reeks erreichen im Gurran-Tual oder Carrantuo-Hill 1040 m Höhe, die bedeutendste in ganz Irland. Außer dem Shannon sind die bedeutendsten Flüsse der Maine, Laune und Roughty. Der Laune führt in die Dinglebai die Wasser der berühmten Seen von Killarney (s. d.). Im Norden dieser romantischen Berggegend, in der Devon das vorherrschende Gestein ist, breitet sich die centrale Ebene aus, jenseit welcher wieder Berg- und Hügelland aufsteigt. Der Boden ist hier zum Teil fruchtbar; doch steht der Ackerbau hinter der Viehzucht zurück. Viel Hafer und Butter geht nach England. Man gewinnt Kupfer, auch Blei und Eisenerze kommen vor, und auf der Insel Valentia werden Schiefer- und Fliesensteine gebrochen. Industrie fehlt. Der Fischfang beschäftigt gegen 500 Boote. K. schickt vier Abgeordnete in das Parlament. Hauptstadt ist Tralee (s. d.).

Kersantīt oder Kersantōn, ursprünglich die Lokalbezeichnung für ein viel zu Bauzwecken benutztes Gesteinsvorkommnis der Bretagne, jetzt vielfach Synonym für sehr feinkörnigen Glimmerdiorit, d. h. für eine Felsart, die in erster Linie aus Plagioklas und Magnesiaglimmer besteht, wozu sich noch Augit, Hornblende, Calcit, Erzkörnchen u. s. w. gesellen. Fig. 1 der Tafel: Dünnschliffe in mikroskopischer Vergrößerung zeigt den Dünnschliff eines K. von Cierva in Asturien bei gekreuzten Nicols im polarisierten Licht. Der K. besitzt dunkle Farbe und große Zähigkeit. Er tritt in schmalen, weithin ziehenden, eruptiven Gängen auf, z. B. in den krystallinischen Schiefern des Erzgebirges, im Oberharz, in Nassau, den Vogesen, der Bretagne, im niederösterr. Waldviertel, in Asturien.

Kersch, soviel wie Maria-Theresienthaler (s. d.).

Kersey (engl., spr. körrsĕ) oder Kirsey, ein grober, glatt gewebter, tuchartiger Stoff, der nur gewalkt und gerauht, aber nicht geschert ist und zu Soldatenmänteln u. s. w. verwendet wird. Der Name stammt von dem Ort K. in der Grafschaft Kent.

Kertbeny (eigentlich Benkert), Karl Maria, Schriftsteller, geb. 28. Febr. 1824, erlernte in Pest den Buchhandel, bereiste den Orient und Deutschland, wandte sich dann kurze Zeit der militär. Carrière zu und lebte seit 1844, mit litterar. Arbeiten beschäftigt, in verschiedenen Städten Italiens, der Schweiz, Frankreichs, Englands, Österreichs und Deutschlands. Er starb 23. Jan. 1882 in Budapest. K.s Hauptverdienste bestehen in seinen deutschen Übersetzungen ungar. Dichter, wie Petöfi, Arany, Jókai u. a.; außerdem schrieb er: «Silhouetten und Reliquien» (2 Bde., Prag 1861–63), «Spiegelbilder der Erinnerung» (Lpz. 1869), «Große Leute, kleine Schwächen» (Berl. 1871), «Petöfis Tod» (Lpz. 1880) u. a. Verdienstvoll, aber nicht stets verläßlich sind seine Werke: «Ungarn betreffende deutsche Erstlingsdrucke 1454–1600» (Budapest 1880) und «Ungarns deutsche Bibliographie 1801–60» (beschlossen von G. Petrik, ebd. 1886).

Kertsch. 1) Landzunge im Südosten der zum russ. Gouvernement Taurien gehörigen Halbinsel Krim, ein Steppenland mit Lehmboden und ohne Wald, gehört größtenteils zum Kreis Feodosia. Im Altertum gehörte sie zum Bosporanischen Reich (s. Bosporus) und war von der übrigen Krim durch den sog. Bosporschen Wall getrennt. – 2) Die Straße von K. oder Straße von K. und Jenikale, früher Straße von Kaffa oder Feodosia, im Altertum der Kimmerische (Cimmerische) Bosporus, wird von der Landzunge K. und der ihr gegenüber liegenden Halbinsel Taman gebildet und verbindet das Asowsche mit dem Schwarzen Meer. In der Mitte erweitert sie sich westlich in die Bucht von K. und östlich in die Bucht von Taman. Sie ist 40 km lang und 4–37 km breit. – 3) Hafenstadt an der Bucht von K., amphitheatralisch am Fuße des Berges

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]