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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kiefer (botanisch)

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Kiefer (botanisch)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Kiefer'

schen den untern Teil des Gesichts bilden und meistens Zähne tragen. Man unterscheidet den Oberkiefer, der in der Regel fest mit dem Schädel verbunden ist, und den beweglichen Unterkiefer.

Die beiden symmetrisch gestalteten Knochen des menschlichen Oberkiefers (ossa maxillaria superiora) bestehen aus einem mittlern hohlen Teil, dem sog. Körper, welcher drei Flächen oder Wände besitzt: eine obere horizontale, in der Augenhöhle gelegene (Augenhöhlenwand), und zwei senkrechte, sich unten im Kieferfortsatz vereinigende, nämlich die äußere, von vorn nach hinten gebogene Gesichtswand, und die innere, gerade, von vorn nach hinten gerichtete Nasenwand. Die Gesichtswand bildet also den äußern Teil der Wangengegend, die Nasenwand mit der andern Seite die Nasenhöhle. (S. Tafel: Der Schädel des Menschen, Fig. 1,6.) Alle drei Wände zusammen lassen einen hohlen lufterfüllten Raum zwischen sich (die Kieferhöhle, Highmores Höhle, antrum Highmori), der unter der untern Nasenmuschel in die Nasenhöhle mündet und mit Schleimhaut ausgekleidet ist. Außer dem eben beschriebenen Körper hat jeder Oberkieferknochen mehrere Fortsätze, von denen der eine mit dem der andern Seite den Hauptteil der knöchernen Nase bildet, einen seitlichen, welcher den Jochbogen mit herstellt, den Zahnzellenfortsatz mit den Zähnen, und zwischen Mund- und Nasenhöhle den Gaumenfortsatz (Fig. 2, 1), eine Leiste, an welche auf beiden Seiten die Gaumenbeine (der knöcherne Gaumen) angefügt sind. Im innern Augenwinkel führt ein Kanal in die Nasenhöhle herab, der Thränenkanal, durch welchen die Thränen in die Nase abfließen.

Der Unterkiefer (maxilia inferior s. mandibula, Fig. 1,10) ist hufeisenförmig gestaltet, an den Enden nach oben gerichtet und durch diese scharnierartig mit dem Schädel verbunden; sein unterer Rand ist etwas nach außen gerichtet und bildet vorn das Kinn (mentum, Fig. 1,11). In seinem obern Rande sitzen die dem Oberkiefer zugekehrten Zähne. Den Boden der Mundhöhle bilden nur weiche Teile. Am Oberkiefer und Unterkiefer sitzen zahlreiche, das Mienenspiel leitende Muskeln, zwischen beiden K., namentlich in der Nähe der Gelenkverbindung, starke Muskeln, welche die Kaubewegungen ausführen. (S. Kauen.) Überdies gehen durch Kanäle beider K. zahlreiche Blutgefäße und Nerven. Bei sehr weitem Aufsperren des Mundes, insbesondere bei ungeschicktem Gähnen, kann sich der Unterkiefer nach vorn verrenken, sodaß der Mund trotz aller Anstrengungen nicht wieder geschlossen werden kann. Durch kräftiges Herabziehen des Unterkiefers und darauf folgendes Rückwärtsschieben läßt sich diese Verrenkung selbst vom Laien recht gut einrichten.

Kiefer, zur Gattung Pinus L. (im engern Sinne) gehörende Nadelhölzer. Man kennt gegen 70 Arten, die größtenteils in der nördlichen gemäßigten Zone vorkommen, außerdem auch im tropischen Asien und in Centralamerika und Westindien. Die Nadeln stehen zu zwei oder mehrern in Büscheln zusammen, die am Grunde von einer häutigen aus mehrern Schuppen bestehenden Scheide umgeben sind. Die Blüten sind einhäusig, die männlichen Kätzchen enthalten zahlreiche Antheren, die mit Längsrissen aufspringen, die weiblichen stehen an der Spitze der Zweige und sind häufig nach unten gekrümmt, die Zapfen hängen stets nach abwärts, die Schuppen sind gegen ihre Spitze mehr oder weniger verdickt, endigen bei den meisten Arten in einen nach auswärts ↔ gekehrten Schild, der durch einen queren, in der Mitte in eine mehr oder weniger scharf ausgesprochene Erhabenheit (Nabel) erweiterten Kiel geteilt ist. Den Samen umfaßt meist ein Flügel mit zangenartigem Ausschnitt. Die Samen reifen im zweiten Herbst nach der Blütezeit. Die gemeine K. (Pinus silvestris L.), einer unserer wichtigsten Waldbäume, in Süddeutschland meist Föhre oder Fohre, in Württemberg Mädelbaum, in Norddeutschland, in Liv- oder Esthland Tanne, in der Provinz Preußen und in Kurland Fichte, in der Schweiz Dale, Thäle, sonst noch Forle, Forche, Kienbaum, Tangelbaum u. s. w. genannt, wird bei normalem Wachstum bis 40 m hoch, in der Jugend mit pyramidaler, im Alter mit stark abgewölbter bis schirmförmiger Krone. Die Rinde der jungen Zweige ist graugelb, die der ältern Äste und der obern Stammteile rotgelb und löst sich in papierdünnen Fetzen los; die ältern Stammteile von unten bis nahe zum Kronenansatz besitzen eine außen graubraune, innen rotbraune, stark rissige, allmählich immer dicker werdende Borke. Die Nadeln stehen paarweise auf etwas erhabenem Kissen, spiralig um den Zweig, aber nicht dicht; sie sind 40–50 mm lang, an der konvexen Fläche dunkelgrün, an der ebenen seegrün; sie dauern drei bis vier Jahre. Die Blüten erscheinen in den mittlern Lagen Deutschlands im Mai. Sie sind 6–7 mm lang, gelblich, eiförmig, kurz gestielt, strauß- oder büschelförmig zusammengedrängt am Ende der vorjährigen Triebe; diese erscheinen nach Abfall der Blüten nackt. Die etwas kleinern weiblichen Blüten sind rötlich, gestielt, sitzen einzeln, seltener quirlständig am Ende der jungen Triebe. Der 4–7 cm lange Zapfen ist kegelförmig mit schiefer Grundfläche und sitzt an einem gebogenen Stiel. Die meist flachen oder etwas pyramidal erhabenen Schuppenschilde sind nur schwach gekielt, gewöhnlich grau mit plattem, gelblich braunem Nabel. Der länglich eiförmige Samen ist spitz, 3–4 mm lang, schwärzlich, mit einem bis dreimal so langen Flügel.

Die Abbildung auf Tafel: Nadelhölzer: Waldbäume VIII, (Anmerkung des Editors: Tafeln Waldbäume VII und VIII fehlen) Fig. 2 zeigt die gemeine K. als Baum, außerdem 1 Triebspitze mit einem weiblichen Zäpfchen, 2 Zweig mit männlichen Blüten, 3 reifen Zapfen, 4 denselben geöffnet, 5 Nadelpaar, 6 Querschnitt desselben, 7 männliche Blüte, 8 Pollenkorn, 9 entleerten Staubbeutel, 10 Samenschuppe, 11 dieselbe mit den beiden Samenknospen, 12 Samenschuppe (Zapfenschuppe) von der Außenseite, 13 dieselbe von der Innenseite mit den zwei aufliegenden Samen, 14 entflügeltes Samenkorn, 15 Keimpflanze.

Die gemeine K. besitzt von allen Nadelhölzern die weiteste Verbreitung, sie ist heimisch in ganz Europa und in einem großen Teile des nördl. Asiens, vermag überdies auf dem verschiedenartigsten Boden zu wachsen. Am meisten sagt ihr ein tiefgründiger, humoser Sand zu, sie gedeiht aber auch unter allen nutzbaren Holzarten noch am besten auf dem magersten Flugsand und ist daher für den Anbau der Dünen an den norddeutschen Küsten wichtig. Jedoch auch auf Moorboden und auf trocknen Felsklippen vermag sie zu wachsen. Die K. verträgt außerordentlich große Wärme- und Kältegrade, ist aber unter den Nadelhölzern neben der Lärche eine der lichtbedürftigsten Holzarten. In den nordischen Gebirgen steigt sie etwas höher als die Fichte.

Der Wert des Kiefernholzes steigt sehr mit dem Alter des Baums, da sich nur alte K. durch be-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 323.

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