Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

331
Kieselskelett - Kiew
amcrika. Andere Vorkommnisse knüpfen sicb an die
heißen Quellen von Sta. Fiora inToscana, von
Mont-Dore-les-Bains und St. Nectaire in der
Auvergne, auf den Azoren, in Kamtschatka und
andern vulkanischen Gegenden. Überall ist der Ge-
halt des Wassers an kohlensaurem Natron das Auf-
lösungsmittel der aus benachbarten Gesteinen aus-
gelaugten Kieselsäure, die sich beim Erkalten, nament-
lich aber beim Verdunsten des Wassers, niederschlägt.
Kieselskelett, das nach Verbrennung gewisser
Pflanzenteile, z.B. der Epidermis bei den Equi-
setaceen, zurückbleibende Skelett von Kieselsäure,
welches die Umrisse der Epidermiszellen und der
Spaltöffnungen noch ziemlich genau erkennen läßt.
Auch die meisten Strahlinge (s. d.) haben ein K.
Mefeltuff, s. Kieselsinter.
Kieselwismuterz, Eulytin, Wismut-
blende, ein sehr seltenes, der tetraedrisch-hemie-
drischen Abteilung des regulären Systems ange-
höriges Mineral, das sehr kleine bräunliche und
gelbliche diamantglänzende Krystalle bildet und
chemisch das neutrale Wismutsilikat, Vi^gO^, dar-
stellt. Die Härte ist 4,5 bis 5; vor dem Lötrohr
schmilzt es unter Auswallen leicht zu einer braunen
Perle. Es fand sich bis jetzt nur bei Echneeberg und
Iobanngeorgcnstadt im Erzgebirge.
Kieselzinkerz, Mineral, s. Galmei.
Kieferlt, ein technisch wichtiges, unter den Ab-
raumsalzen der Salzlager von Staßfurt und Leo-
poldshall, auch bei Kalusz in Galizien und zu Hall-
stadt in Österreich schichtweise sich findendes Mineral,
aus 29 Proz. Magnesia, 58 Schwefelsäure und 13
Wasser bestehend (N^304 -j-II-O), ist eine weiß-
liche und schimmernde, sehr feinkörnige bis dichte,
die sich fast nicht in kaltem Wasser, sondern erst bei
längerm Kochen löst. Der K. zieht sehr begierig
Wasser an, wird trübe und geht endlich in Vitter-
ialz über. Man verwendet ihn zur Darstellung
von Bittersalz, schwefelsaurem Kalium, Glauber-
salz, Alaun, Magnesiaweih und Cement.
Kiesewetter, Rafael Georg, Musikschriststctter,
geb. 29. Aug. 1773 zu Holleschau in Mähren, tam
1801 zu dem k. k. Hofkriegsrate nach Wien, wo er,
1807 zum Hofrat befördert, die Stelle als Referent
bis 1845 bekleidete. Er starb 1. Jan. 1850 in Ba-
den bei Wien. K.s wichtigste Werke sind: "Die
Verdienste der Niederländer um die Tonkunst"
lAmsterd. 1828), eine Arbeit, die der Forschung und
Auffassung der Musik des 15. und 16. Jahrh, eine
ganz neue Grundlage zuwies, und "Schicksale und
Beschaffenheit des weltlichen Gesangs vom frühen
Mittelalter bis zur Erfindung des dramat. Stils
und den Anfängen der Oper" (Lpz. 1841). Außer-
dem sind eine Reihe bemerkenswerter Arbeiten in
der Leipziger "Allgemeinen Musikalischen Zeitung"
(1826-45) und in andern Zeitschriften zerstreut.
Kerner sind zu nennen: "Geschichte der europ.-abend-
länd. Musik" (Lpz. 1834; 2. Aufl. 1846), "Über die
Musik der neuern Griechen" (ebd. 1838), "Die Musik
der Araber" (ebd. 1842), "Guido von Arezzo" (ebd.
)840). Seine wertvolle Partiturensammlung alter
Musikwerke, von welcher er selbst einen Katalog
(2 Bde., Wien 1847) herausgab, fiel der k. k. Hof-
bibliothek zu Wien anheim.
Kiesfilter, ein Filter, der namentlich bei der
Wasserversorgung (s. d.), Zuckerfabrikation (s. Kies-
filtration) und Fischzucht (s. d., Bd. 6, S. 843d)
angewendet wird.
Kiesfiltration, in der Zuckersabrikation die
Filtration von Zuckersäften über groben Sand oder
Nies. Die K. wird seit 1879 angewendet. Es ist
eine rein mechan. Klärung der Säfte. Die Fil-
tration über Knochenkohle (s. d.) kann dadurch nicht
ersetzt werden.
Kietzling, Paul, Maler, geb. 8. Jan. 1836 zu
Vreslau, war seit 1852 Schüler der Dresdener Aka-
demie und speciell (^chnorrs von Carolsfeld. Nach
dreijährigem Stipendicnaufenthalt in Italien be-
suchte er Antwerpen und Paris, welche Städte nicht
ohne Einfluß auf feine Kunst blieben. 1870 sie-
delte er von Berlin nach Dresden über, wo er Ehren-
mitglied der Akademie wurde und den Professortitel
erhielt. Von seinen Werken sind Die drei Schwestern
(1880; Galerie zu Dresden), Mignon(ebd.), Schwe-
bende Madonna, einige Bildnisse des Königs von
Sachsen und zwei Fresken in der Albrechtsdurg zu
Meißen mit Darstellungen aus dem Leben Böttgers
hervorzuheben.
Kieftem (Kistein), Gravidin, feines farb-
lofes Wölkchen, das im Harn infolge der beginnen-
den Zersetzung entsteht und oft auf der Oberstäche
ein zartes durchsichtiges Häutchen bildet, früher irr-
tümlich als Zeichen der Schwangerschaft angesehen.
Kietz, Gustav, Bildhauer, geb. 26. März 1826 zu
Leipzig, erhielt seine erste Ausbildung an der Aka-
demie in Dresden, trat aber nach einigen Jahren in
das Atelier Rietschels, dessen bedeutendster Schüler
er neben Donndorf wurde. K. half dem Meister bei
der Ausführung seiner großen plastischen Werke, so
an der Quadriga des Schlosses in Vraunschweig, den
Bildhauerarbeitcn des neuen Dresdener Museums,
der Schiller-Goethe-Gruppe in Weimar. Später
machte sich K. selbständig und schuf nun eine Anzahl
monumentaler Arbeiten. So entstanden das Denk-
mal des Nationalökonomen Friedr. List für Reut-
lingen (1863), und nach Rictschels Tode die Arbeiten
für fein begonnenes Luther-Denkmal in Worms,
welches K. mit Donndorf beendigte; von K. sind die
Gestalten Philipp von Hessen, Melanchthon, Augs-
burg und die Hälfte der Reliefs. Sodann schuf er
das'Bronzestandbild Uhlands in Tübingen (1873),
das Denkmal für Gustav Nieritz in Dresden, für
Franz Schubert in Stuttgart sowie mebrere Figuren
für das Dresdener Hoftheater und die Porträtbüsten
Vismarcks, Ludwig Richters, Richard Wagners u.a.
K. lebt als Professor in Dresden.
Kiew (spr. kljeff). 1) Militärbezirk, umfaßt die
Gouvernements K., Kursk, Volhynien, Podolien,
Poltawa, Tschernigow, Charkow und den Kreis
Ehotin des Gouvernements Bessarabien und hat
372106 hivm mit 17 758 663 E., d. i. 47,7 auf
1 hkm. - 2) Generalgouvernement im südwestl.
Teil des Europäischen Rußlands, umsaht die Gou-
vernements K., Volhynien und Podolien und hat
165372,9hkm mit 7864227 E., d. i. 47,6 auf 1 ^m.
Generalgouverneur: General Graf Ignatjew. -
3) Gouvernement, zu den fogenannten kleinruss.
Gouvernements gehörig, grenzt im N. an das
Gouvernement Minsk, im Ö. an Tschernigow und
Poltawa, im S. an Cherson, im SW. und W.
an Podolien und Volhynien und hat 50999,5 ykm
mit 3110319 E., d. i. 61 auf 1 ^m. Der Nor-
den ist als Fortsetzung der Minsker Sümpfe eine
morastige und waldige Niederung, der Westen (bis
dierher reicken noch Ausläufer der Karpaten) und
Osten hügelig, die Mitte und der Kreis Uman
eine erhöhte und ebene Steppe. Der Boden ist
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter E aufzusuchen.